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Abgründe im Grünen Winkel

Traum vom 11. September 2009

Mike radelt zum Büro. Ich begleite ihn. Die Spätsommermorgenstunden sind so schön. Nur vage registriere ich Moina, die im Kindersitz auf dem Gepäckträger mitreist. Es fährt sich so leicht.

Mike teilt mir dann kurzerhand mit: „Heute fahre ich über die Grüne Straße!“

Ehe ich mich versehe, ist er aus meinem Blickfeld entschwunden. Nanu? In diesem Stadtteil kenne ich mich nicht so gut aus. Wo ist denn die Grüne Straße? Oder sagte er ‘Grüner Winkel’? Von meinem Standort gehen sternenförmig eine Reihe von Straßen ab. Ich spüre Bedauern… hatte mich doch von ihm verabschieden wollen.

Nach einigem Forschen entdecke ich eine Straße, die der ‘Grüne Winkel’ sein könnte. Offenbar eine Sackgasse, denn nach nur wenigen Metern geht es nicht weiter. Vor mir tun sich mehrere Abgründe auf. Einmal ein weit unten gelegenes grünes Tal. Der unerwartete Anblick bringt mich samt Fahrrad zu Fall. Seitlich kippe ich weg, spüre zum ersten Mal deutlich das Gewicht meiner Tochter hinten. Ich kann das Fahrrad schlecht halten, es rollt auf den Abgrund zu. Puh, dann doch, kurz vorher stopp. Doch da rollt es einige Zentimeter in eine andere Richtung mit anderem Abgrund. Unter mir ein Krämerladen. Der glatzköpfige Inhaber, er trägt einen kleinen Oberlippenbart und eine lange Schürze, bemerkt mich, schaut zu mir auf, blickt ernst und nachdenklich und wendet sich dann wieder seinem Kram zu. Langsam komme ich ins Schwitzen. In welch eine Lage habe ich mich gebracht? Wie komme ich hier wieder raus? Jeder Versuch mich aufzurichten, bringt mich erneut zum Erliegen und einem weiteren Abgrund nahe. Ich gewinne den Eindruck, mich auf einem nur sehr kleinen Fleckchen Erde zu bewegen.

Als ich mich aufgerappelt habe, kehrt Mike zurück, der wohl von meinem ‘Suchen’ gerufen wurde. Er fragt etwas ungeduldig: „Was ist denn los?“
Klar, viel Zeit hat er nicht, sicherlich wird es für ihn schon eng bis zum ersten Termin.
Ich antworte aufgewühlt: „Ich wollte dich küssen, zum Abschied für heute. Deshalb suchte ich dich.“
„Ja, ist das denn so wichtig?“ fragt er interessiert.
„Ja! Ja!“ so bricht es aus meiner Kehle empor.

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