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Weyhnachtslicht

Traum vom 27. März 2009

Ein milder Abend. Gemeinsam mit ein paar Freunden unterwegs. Hafen. Ein großes Passagierschiff liegt im Dunkel, auf der Wasseroberfläche wiegen sich unzählige Lichtflecken. Hui, während ich noch so schaue, kommt – hinter meinem Rücken – der weihnachtliche Kapitän auf seinem Schlitten angesaust. Schlittert dann knapp über dem Wasser am Schiffsrumpf entlang, als sei dies eine Begrenzung ähnlich einer Bobbahn. Dabei hinterlassen die Kufen zwei Steifen aus hellem Licht im Dunkel…

Da der Kapitän mich jetzt nicht sehen kann, zücke ich schnell den Fotoapparat, um in schneller Folge einige Aufnahmen von diesem Ereignis zu machen. Der Anblick ist derart beeindruckend… Um der Aufnahme noch das gewisse Extra zu geben, nehme ich die Bilder – es ist, genau genommen, eine Filmaufnahme – durch einen Filter auf, der die Szenerie in grobe Pixel umwandelt und diese gleichzeitig als halbtransparente Ebene über die realistische Aufnahme legt. Ja, ich bin an sich zufrieden damit. Doch es geht alles so schnell! In Sorge, mir könne die Cam ins Wasser fallen, sichere ich sie, leider etwas umständlich, mit der Schlaufe am Handgelenk. Genau in dieser Zeit machte der Kapitän eine Wende und saust in meine Richtung, wieder am Schiffsrumpf entlang. Die Lichtspur, wie eine Sternenspur sprühend, ist mir unbegreiflich und fasziniert mich. Allerdings möchte ich nicht, dass der Kapitän bemerkt, dass ich dies filme. Hoo hoo hoo, mit einem polternden Lachen saust er vorüber. Ich drehe mich um, schaue auf das Display der Kamera und hoffe, ein wenig von dieser wundervollen Stimmung einfangen zu können. Es liegt am Winkel, mit dem ich die Kamera auf die Szenerie richte… sie muss ein wenig geneigt sein, um den pixeligen Effekt zu bekommen, ansonsten zeigt sich die Umgebung völlig realistisch. Realistisch ist auch nicht schlecht, aber ich möchte ja eine Veränderung erzeugen.

Es geht weiter. Ich sitze in einem kleinen Wägelchen, werde in diesem rückwärts vom Hafenbecken fort gezogen. Es ist eine wunderbare Nacht, ein wunderbarer Ort… Die wie goldenen Lichter vor dem Schwarz des Himmels – etwas feierlich; und mir ist gerade sehr bewusst, dass ich zu Besuch in dieser Stadt bin. Dort, in der Ferne, zwischen den Giebeln, das mit Lichtern geschmückte Spitzdach eines Doms. Ich werde um 90° gedreht, erblicke eine Installation aus Lego-Steinen. Große Legofiguren und Bauwerke aus Legosteinen. Das ist auch toll. Davon mache ich auch eine Aufnahme. Moina wird sich bestimmt darüber freuen, wenn ich ihr später Bilder davon zeige. Ja, in diesem Falle ist es vielleicht besser, keinen Filter zu verwenden – lieber Klarheit. Ach, es ist wunderbar! Ich genieße das Besondere dieser Reise.

Bald in Mikes und meiner Wohnung. Einige Freunde sind mit zu uns gekommen. Während Mike in seinem Zimmer am Computer arbeitet, treffe ich Vorbereitungen für das Essen. Die Freunde stehen entspannt verteilt herum und unterhalten sich gut. Blöd ist, dass ich durch die Fotografiererei ganz vergessen habe, dass ich für alle etwas kochen wollte. Eigentlich sollte es ein Gericht aus dem Ofen geben; Kartoffeln und Gemüse vom Blech. Dafür reicht die Zeit nun nicht mehr. Hey, da ist ja noch ein Rest vom Kuchen. Nachmittags, oder am Vortag, hatte ich warmen Kuchen serviert. Eben weil er noch so warm war, ist eine dicke Schicht vom Kuchenboden auf dem feuchten Küchentuch haften geblieben, auf dem ich den Kuchen hatte abkühlen lassen. Super, diese Kuchenschicht kommt genau richtig für meine Gäste. Vorsichtig, mit geübtem Griff, ziehe ich das Küchentuch vom Kuchen. Es ist ein angenehmes Gefühl, wie sich beide Lagen mit dem Gefühl eines gewissen Widerstandes voneinander trennen. Den Kuchen teile ich in Stücke – Kuchen für alle! Als ich von anderer Seite erneut an den Kuchen trete, greift gerade Moina zu, so dass der Kuchen auseinander bricht. Auch die Aprikosenhälften, die darin lose eingebacken sind, fallen teils heraus. Oh nee, eben noch hatte ich mein Problem gelöst und nun das. Das nervt mich. Nur mit Mühe kann ich verhindern, laut zu werden und zu schimpfen.

Ich dachte ja auch, Mike würde mir helfen, aber der entschuldigt sich damit, noch viel Arbeit zu haben. Die Blicke meiner Freunde folgen mir – sie sind wohl gespannt, wie ich nun reagieren werde. Als ich an der Tür zum Bad vorbei komme, sehe ich, dass Mike sich ein Fichtennadelbad einlässt. Mir wird klar, dass er nicht vorhat, mich und unsere Freunde beim abendlichen Ausflug zu begleiten. Vor Enttäuschung bekomme ich einen dicken Kloß im Hals. Ich komme an seinem Monitor vorbei – ein Fenster ist geöffnet und zeigt eine neu angelegte Excel-Datei… von wegen: wichtige Arbeit… Es ist nicht zu ändern. Tiefes Durchatmen und der Entschluss, zu akzeptieren, dass seine Pläne anders sind, als ich erwartet hatte. Nun ja, es wird sicherlich auch so ein schöner Abend werden.

So ist es auch. Die Freunde essen und plaudern angeregt – gemütliche Atmosphäre. Hinter meiner Couch steht ein enger Freund von mir. Er heißt Stefan (real gibt es ihn nicht, und ich kann mich nicht erinnern, ihm jemals in einem Traum begegnet zu sein.). Stefan steht dort mit seiner neuen Flamme. Die beiden küssen sich leidenschaftlich. Als ich nun in seine Nähe komme, legt er seine Hand auf meinen Po. Der warme, zärtliche Druck seiner Handfläche macht den dünnen Stoff meiner schwarzen Hose spürbar, und auch die Form meines Pos nehme ich deutlich wahr. Er streichelt und massiert, knetet manchmal fester, seine Küsse werden immer leidenschaftlicher, so bemerke ich aus dem Augenwinkel. Zwar gehe ich nicht von der Stelle – die Berührung ist sehr angenehm – doch ich fühle mich nicht richtig an diesem Platz. Einerseits, weil ich befürchte, mein Po könne nicht straff genug sein – mein Alter kommt mir in den Sinn – andererseits, weil ich mich nicht zwischen das Liebespaar drängen möchte. Dennoch… nachspürend harre ich der Dinge…

Meine jungen Freunde ziehen sich dann in ein eigens dafür bestimmtes Hinterzimmer zurück. Es kehrt Ruhe im Wohnraum ein. Nun bin ich mit meinem lieben Freund allein. Er sitzt am Couchtisch und blättert in einem Magazin. Wir unterhalten uns und währenddessen geht mein Blick hinaus… hinaus durch die gläserne Wohnungstür, die direkt in den Wohnraum führt. Bis vor wenigen Augenblicken brannte dort im Eingangsbereich noch das Licht. Als ich nun einige Schemen draußen bemerke, rechne ich damit, dass der Bewegungsmelder reagiert und das Licht angehen lässt. Doch nein. Ich muss meine Augen anstrengen, um draußen etwas zu erkennen, sehe dann aber, dass einige junge Menschen am Eingang vorbei schleichen wollen, um von draußen zum Hinterzimmer zu gelangen. Das ist doch lächerlich!! Niemand hat etwas dagegen, wenn sie sich mit den anderen im Hinterzimmer amüsieren wollen. Aber bitte, doch nicht in aller Heimlichkeit! Inzwischen haben sie bemerkt, dass ich einen Blick auf sie geworfen habe und ziehen sich in die Dunkelheit zurück.

Es ist mir etwas unangenehm, dass ich dieser Sache im Außen so viel Aufmerksamkeit schenke. Gerade jetzt, da ich mich so intensiv mit meinem Freund unterhalte. Daran ist mir ja auch viel mehr gelegen. Am besten ist, ich kläre diese Sache jetzt: „Ich muss mal nach dem Bewegungsmelder schauen. Es sieht so aus, als funktioniere er nicht.“
Ich öffne die Tür, stecke meinen Kopf raus und blicke um die Ecke zum Bewegungsmelder, strecke meine Hand nach oben, um ihn manuell zu aktivieren. Doch auch als ich den Schalter betätige, geht das Licht nicht an. Stattdessen beginnt offenbar ein kleiner Motor unter dem Vordach zu summen… Nanu? Tatsächlich, dort oben ist ein kleiner Weihnachtsbaum angebracht, der sich um sich selbst dreht. An seiner Vorderseite ist er mit Goldgirlanden und vielen Lichtern geschmückt, seine Rückseite ist mit einer mattsilber beschlagenen Konstruktion gestärkt. Es dreht sich… obwohl… eigentlich soll ja nur die geschmückte Seite gezeigt werden. Ja… ich stelle fest, dass es aber ganz egal ist. Auch das Ungeschmückte hat seinen Wert, und sei es, wie in diesem Fall, die Tragfähigkeit. Als ich den Weihnachtsbaum erkenne, springt auch die Außenbeleuchtung wieder an. „Na hey, das funktioniert ja doch!“ Ich bin richtig froh und erleichtert.

Nur wenige Augenblicke später kommen die jungen Leute zurück, und versuchen, sich mit dem Rücken an die Hauswand drückend, zum Hinterzimmer zu gelangen. Sie bemerken das Fenster hinter ihrem Rücken nicht, durch das ich dies genau beobachten kann. Das ist doch wirklich idiotisch. Aber okay, wenn sie ihre Freude daran haben, dann lasse ich sie jetzt einfach mal machen.

Endlich finde ich Ruhe, mich zu meinem Freund auf die Couch zu setzen und gemeinsam mit ihm in das Magazin zu schauen. Sofort erkenne ich, dass die großformatigen Bilder von mir sind. Hauptsächlich in warmen Brombeertönen. Unter dem Magazin liegt ein Set – auch dies zeigt ein von mir erstelltes Bild. Derzeit habe ich ein Faible für halbtransparente pixelige Überlagerungen. Auf dem Set also ein wolkiger Hintergrund in Brombeer und in seiner Mitte einen Sonnenuntergang – die Übergänge sind fließend. Mit aller Deutlichkeit erkenne ich, dass das, was auf meinem Monitor pixelig aussah, hier einfach nur etwas grobkörnig wirkt.
Naja.
Der Freund fragt: „Lohnt es sich, jetzt aufzubrechen?“
Ich antworte begeistert: „Aber ja! Der zu erwartende Sonnenuntergang dürfte ähnlich dem sein, wie er auf dem Set zu sehen ist!“
„Oh ja, da bin ich dabei“, sagt mein vertrauter Freund und ich höre bewusst den sensiblen Klang seiner Stimme.

Notiz:
Notiz in meiner Traumkladde am Bett: “Ein langer Traum, von dem leider nur ein Bruchteil in Erinnerung blieb.” Aha, leider nur ein Bruchteil… Mein Halbwach-Ich hat gut reden, es muss das ja auch nicht alles abtippen.