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Chill out

Traum vom 10. September 2009

Das Telefon klingelt… – ich weiß sofort: es ist der Ernährungsspezialist. Ich signalisiere Mike, das Gespräch entgegenzunehmen, um es an meinen Anschluss im Office weiterzuleiten. Ich laufe los, damit das Gespräch auch wirklich zustande kommen kann und der Anrufer nicht auflegt, weil es so lange dauert.

Mit dem Hörer am linken Ohr betrete ich die Buchhandlung Hugendubel und melde mich mit meinem Namen. Blöd ist, dass es hier bei Hugendubel viel lauter ist, als ich in Erinnerung hatte. Ich ärgere mich, das Gespräch an diesem öffentlichen Ort angenommen zu haben. Der Anrufer hört so natürlich sofort, dass ich nicht im Office bin.

In der Leitung bleibt es minutenlang still… Ist der Ernährungsspezialist am Ende gar nicht dran? Sonderbar… und unangenehm dazu, da so die Geräuschkulisse noch stärker hörbar. Doch dann beginnt er zu sprechen und erzählt mit muffeligem Unterton: „Meine Frau war krank. Eine Stirnzyste. Ist inzwischen aber beseitigt.“

Vielleicht ist er sauer, weil ich mich länger nicht bei ihm hören ließ? Ein leises schlechtes Gewissen schleicht sich ein. Mich nervt gleichzeitig, mit Erwartungen konfrontiert zu werden, die zu befriedigen ich gar nicht willens bin. Und wieder Stille in der Leitung…

Inzwischen gehe ich vom Hauptbereich hinüber nach rechts und betrete durch einen Eingang eine Art Nebenhöhle. Ein Chill-Out-Room. Hier sollte es ruhiger sein. Dieser Bereich besteht aus einem indirekt angeleuchteten erdrötlichen Gewölbe, vor dessen Hintergrund die meditativen Klänge wie ein Wasserfall herabrauschen. Dem gegenüber so eine Art kleine Bucht mit feinem Strandsand bedeckt. Platz für etwa fünf Personen. Diese sitzen im Yogasitz auf ihren Meditationskissen. Erleichtert bemerke ich, dass ein Platz frei wird. Den werde ich einnehmen und dann endlich in Ruhe telefonieren können.

Als ich zur Ruhe komme, zeigt sich leider, dass die Musik im Hintergrund immer noch störend genug ist. Unverhohlen gereizt antworte ich – erst jetzt – auf seine Aussage wegen der Krankheit seiner Frau: „Findest du nicht auch, dass es reichlich spät ist, mich erst jetzt anzurufen und von der Stirnzyste zu erzählen?!“ Und nach einer kleinen Pause ergänze ich ein wenig mit der Situation versöhnt: „Aber naja, ist ja nun alles gut.“

Ich erwarte eine Antwort von ihm. Viele Minuten lang… Keine Antwort. Gar nichts. Sicherlich hat er die Unruhe um mich herum bemerkt, und sich ausgerechnet, dass ich unterwegs bin. Vielleicht ist er eingeschnappt, weil ich während des Gesprächs etwas anderes erledige? Nach wie vor suche ich einen ruhigen Ort, aber den scheint es hier bei Hugendubel nicht zu geben.

Nach etwa weiteren zehn Minuten Stille in der Leitung und geduldigen und schweigenden Wartens meinerseits, kommt mir eine Idee: Vielleicht hat er längst aufgelegt?

In der Küche der Älteren angekommen. Der Ältere kommt von der Haustür und bringt drei Kfz-Ersatzteile mit, die der Ernährungsspezialist am Morgen vor die Tür gelegt hat. Auf seinem Weg durch Worpswede war er hier vorbei gekommen und hat die Gelegenheit genutzt, die von mir geliehenen Fahrzeugteile zurückzugeben, indem er sie vor die Tür legt. Nun bin ich enttäuscht, dass er dies ohne jegliche Kontaktaufnahme getan hat. Mir schwant, dass er ziemlich enttäuscht von mir ist und deshalb nichts mehr mit mir zu tun haben will.

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