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Unerwartete Persönlichkeitstests

Traum:
Wir fahren los, in die Stadt. Mike sitzt am Steuer eines älteren Pritschenwagens, während ich auf dessen Ladefläche mitfahre, die mit allerhand Zeugs – wie von einem Schrotthändler – gefüllt ist. Bald ist Mittag; ich muss einen Termin in der Innenstadt wahrnehmen. Kurz vor dem Aussteigen fallen mir zwei goldene Cent-Münzen aus der Hand. Ohne dem Beachtung zu schenken, sammele ich die Münzen etwas umständlich wieder auf und stecke sie in die Hosentasche meiner Jeans. Außerdem nehme ich zwei Schachteln mit Keksen an mich. Eigentlich wollte ich ja die Finger von dem Süßkram lassen, aber es scheint, ich habe eine logische Begründung für mein Handeln – wahrscheinlich will ich jemandem die Kekse schenken!!

In der Arztpraxis am Marktplatz angekommen. Die praktizierende Ärztin beendet gerade die Sprechstunden, teilt mir sehr freundlich mit: „Es dauert nicht mehr lang; gleich geht es los!“ Ganz entgegen meiner Erwartung werde ich nicht von ihr untersucht, sondern von einem Spezial-Arzt, der extra zu diesen Sondersprechstunden in die Praxis kommt. Er begrüßt mich äußerst zuvorkommend und freundlich. Mit einem Lächeln, das zwei Reihen bemerkenswert gleichmäßige, kräftige weiße Zähne entblößt. Sehr sympathisch! Ich lege Mantel und Tasche auf dem Servierwagen ab, der zwischen Arzt und mir steht. Etwas verstohlen lasse ich die beiden Schachteln Kekse auf der unteren Ablage des Servierwagens verschwinden und hoffe, das der Arzt es nicht bemerkt. Wäre mir peinlich, sähe er das ungesunde Zeugs. Falls er es gesehen hat, lässt er sich jedenfalls nichts davon anmerken.

Es geht los: Der Arzt stellt mir eine Reihe von Fragen. Dabei steht er sehr nah neben mir. Ich halte es anfangs für eine freundliche und interessierte Plauderei, die während der Untersuchung nebenher stattfindet. Doch irgendwann wird mir klar: Das harmlose Geplauder und seine wohltuend interessierten Fragen sind Bestandteil der Untersuchung! Er macht sich ständig Notizen. Zu meinem Verhalten, meinen Reaktionen auf die Fragen, zur Körpersprache, zu meinem Weltbild, worüber ich mit jeder Antwort ein bisschen verrate. Das ist eine Persönlichkeitsanalyse? Mein Blick fällt auf den Tisch, wo der Arzt bereits einen Stapel sehr farbig bebilderter Formulare abgelegt hat. Diese hat er bereits ausgefüllt. Auf einem steht geschrieben: in den ersten fünf Minuten geduckt, dann aufrecht. Hm, das hatte ich nicht bemerkt, kann mir aber bestens vorstellen, dass ich so in Erscheinung getreten bin. Die anfängliche Unsicherheit bis zum ‘Warmwerden’. Okay, das ist etwas, das ich eigentlich lieber verberge oder überspiele – dachte auch bisher, das gelänge mir. Hm. Die anderen Angaben zu meinem Verhalten sind mir weitestgehend bewusst, ich stehe dazu und versuche nicht, es zu verbergen. Außerdem gesteht er mir soziale Kompetenz, Intelligenz und gesunden Menschenverstand zu. Das ist etwas, was mir ein Gefühl der Zufriedenheit gibt.

Die Entdeckung dieser ausführlichen Notizen zu meiner Person stimmt mich misstrauisch dem Arzt gegenüber. Gerade stellt er mir eine weitere Frage und beendet diese wieder mit diesem sympathisch-offenen Lächeln und dem verschmitzten Augenzwinkern, von dem ich anfangs dachte, es käme daher, weil wir auf einer Wellenlänge sind. Ich fühlte mich damit angenommen und gut aufgehoben. Doch ist das wirklich so gemeint? Oder will er mit seiner Freundlichkeit nur bewirken, dass ich mich ihm vertrauensvoll öffne und zeige, damit er möglichst viele Details von mir erfährt? Oder ist er tatsächlich ein von Natur aus freundlicher Mensch? Ich kann es es nicht erkennen.

Ich kann auch nicht länger darüber nachdenken, denn es geht weiter. Da ich meinen Gedanken nachhing, wendete der Arzt sich einer zweiten Patientin zu, die parallel zu mir untersucht wird. Sie hat ebenfalls, so wie ich, einen zwei Stunden dauernden Untersuchungstermin. Na gut, dann schaue ich halt mal zu, wie die Untersuchung der Frau abgeht.

Der Arzt geht mit uns hinaus auf eine weite Wiese, die ein wenig an einen kleinen Segelflugplatz erinnert. Hier, auf einem flachen Hügel, hat er eine Windmaschine aufgebaut. Es ist so ein Gerät, wie ich es zur Weihnachtszeit sah, als die Tannenbäume mittels Netzen in schmale Form gebracht wurden. Der Arzt lässt den Wind durch das schmale Ende herein strömen. Dadurch bündelt sich dieser, was beim Herausströmen an der großen Öffnung einen kräftigen Wind ergibt. Die Frau muss sich direkt vor die Windmaschine stellen und auf der Stelle laufen. Um die Situation noch etwas ungemütlicher zu gestalten, hält der Arzt seine Hand über ihren Kopf und lässt es aus seinen Fingern regnen. Durch den Wind zerstäubt das Wasser zu einem eindringlichen Sprühregen. Zusätzlich stülpt er der Frau eine gläserne Salatschüssel über den Kopf, damit diese vor den Regen schützt. Das Glas der Salatschüssel ist bald voller Regentropfen, die Schüssel rutscht, darf aber nicht herab fallen. So läuft die Frau auf der Stelle. Der Arzt hat währenddessen den Arm um ihre Schultern gelegt, steht nah und wie beschützend bei ihr.

Es dauert nicht lang, da unterbricht die Frau den Lauf, weil sie Probleme mit der Schüssel hat, die sie als störend erlebt. Der Arzt hilft der Frau dabei, die Schüssel wieder ordentlich auf dem Kopf zu platzieren. Dann schaut er zu mir und fragt: „Wissen Sie, was hier gerade passiert? Die Schüssel hat die Schuld.“

„Ich antworte belebt: „Ja, die Menschen suchen die Ursachen für ihre Probleme meist im Außen.“

Die Frau ist sehr unzufrieden. Der Arzt reicht ihr eine größere Glasschüssel für den Kopf und fragt mich daraufhin: „Was wird nun geschehen?“

„Die Frau wird sich gleich auf ähnliche Weise gestört fühlen. Sie wird nach wie vor glauben, es läge an der Glasschüssel.“

„Richtig!“ antwortet der Arzt und scheint zufrieden mit meinen Antworten.

Inzwischen bekomme ich Bedenken… Ich weiß ja, dass ich gleich diese Übung machen muss. Auch ich stelle es mir außerordentlich störend vor, mit einer Glasschüssel auf dem Kopf zu laufen; zumal mir die Sicht durch das Regenwasser ziemlich abhanden kommen wird. Nass, rutschig, unpraktisch, empfindlich… Wenn er aber fordert, es so für die Untersuchung zu machen und es dann für mich ein Problem darstellt… – wo soll ich es dann in mir finden? Ich fühle mich nun doch etwas ratlos. Aus der Distanz betrachtet hat man leicht reden, aber in einer solchen Situation selbst…

Zurück in der Praxis. Nun geht es um Körperliches. Ich werde gemessen und gewogen. Der Arzt wertet die Daten kurz aus und teilt mir dann mit: „Sie müssen Diät machen und abnehmen.“
Ich: „Aber das mache ich bereits! Sieht man das nicht?“
Er: „Seit wann?“
Ich, nach kurzem Überlegen: „Seit zwei Wochenmonaten – ja, mir fällt gerade ein: seit dem Tag, als ich den Termin zu dieser Untersuchung bekam.“
Er: „Sie müssen schneller abnehmen. Essen sie noch mehr Grünzeug und Gemüse!“
Ich: „Ich finde, ich habe in dieser Zeit gut abgenommen. Und: noch mehr Grünzeug??“
Er ganz sicher: „Jaja!“
Ich: „Und was ist mit dem Jojo-Effekt? Tritt der nicht ein, wenn ich noch schneller abnehme?“
Er: „Nein nein, keine Sorge.“

Hmmm hmmm hmmmm….

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