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Studiengruppen und Visitenkarten

Traum:
Ein ernst wirkender Mann mittleren Alters sitzt in einer nach vorn offenen Holzbude und leitet von dort aus eine Studiengruppe. Es geht um die Themen Spiritualität und Heilung. Was ich höre, ist interessant. Ich bleibe stehen, lausche aufmerksam, beteilige mich, stelle weiterführende Fragen, mache mir gedanklich Notizen. Es folgt eine Pause.

Anschließend geht es in einem Seminarraum weiter. Ich lasse mich von dem Geschehen mitziehen. Es gefällt mir, aber ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich diese Stunden weder gebucht noch bezahlt habe. Außerdem drängt langsam die Zeit, da ich mein Kind von der Kita abholen muss. Nur ich kann mich nicht lösen, es ist zu interessant. Es sind übrigens ausschließlich Männer anwesend, die einander vom Typ her ähneln: sehr schlank, vermutlich Vegetarier mit ansatzweise schwulen Neigungen, dunkelhaarig, braune Augen, ernster Blick, etwas manieriertes Gehabe – die spaßen nicht!

Puh, es ist ganz schön warm im Seminarraum. „Darf ich ein Fenster öffnen?“ frage ich in den Raum hinein. Es kommen nur zögerlich Reaktionen; irgendwann ein unentschlossenes „Ja…“ Merkt denn keiner, wie warm es hier ist? Das ist ja wie in der Sauna! Die Fenster sind von innen beschlagen, das Wasser perlt schon von den Scheiben. Ich gehe also hin… Die Fensterseite ist ringförmig angelegt, hat in ihrem Zentrum ein gläsernes Rund. Nur ein einziges Außenfenster lässt sich öffnen. Ausgerechnet nur jenes, das – vom Seminarraum aus gesehen – hinter dem gläsernen Rund zu liegen kommt. Der erhoffte Durchzug von frischem Wind wird dadurch behindert. Diese bleibende Stauung in der Luft macht sich unangenehm in meinem Innern bemerkbar; ich spüre Unzufriedenheit darüber, es nicht ändern zu können.

Als ich zurück zu der Studiengruppe gehe, bekomme ich noch mit, dass die Männer einander fragten, wer ich wohl sei und welchen Beruf ich ausübe. Sie beäugen mich prüfend und misstrauisch, als sie erfahren, dass ich als Traumberaterin tätig bin.

Der Kurs ist zu Ende!

Der Leiter gibt noch ein paar Tipps an diejenigen, deren Weg bei ihm vorbei führt.

Die nächsten Schritte führen mich über einen kleinen Verbindungsflur. Hier begegnet mir erneut die Frau mit dem rostbraunen Strickmantel. Bei unserer ersten Begegnung kam sie mir entgegen, schaute mir erwartungsvoll nach, als wir aneinander vorbei waren. Ich fragte mich, ob sie mich kennenlernen möchte. Dieses Mal gehen wir beide in die gleiche Richtung – sie ist mir zwei, drei Schritte voraus und ich kann sie näher betrachten: südländischer Typ, zierlich, kleiner als ich, rostbraune Haare, dunkle Augen. Da ich mit so wenig Abstand folge, scheint sie nun im Glauben, ich laufe ihr absichtlich nach.

Im nächsten Raum angekommen, wirft die Frau sofort ihren rostbraunen Strickmantel ab. Sie trägt helle, eng anliegende Kleidung darunter und so kommt ihre hübsch geschwungene Silhouette zur Geltung. Eine geschmeidige Figur – hübsch. Einige Frauen gehen auf sie zu, gratulieren ihr prompt zum Geburtstag. Sie reagiert mit freundlichem Tadel; ihre Stimme bleibt warmherzig und nachsichtig: „Aber das macht man doch nicht! Wenn ich mich schon so offen zeige, so sollte dazu doch höflich geschwiegen werden.“ Oups, das war ja gerade noch rechtzeitig! Ich wollte nämlich gerade dem vermeintlich guten Beispiel der Frauen folgen und ebenfalls gratulieren.

In der Küche der Älteren unterhalten sich einige Frauen; alle nehmen an der Studiengruppe (HeiPu) teil. Sie erzählen einander, warum sie sich für diese Heilmethode interessieren. Eine der Frauen erzählt gerade – ihre Stimme bebt vor emotionaler Bewegung – von eindringlichen Träumen und Symbolen, die ihr seit einiger Zeit begegnen und die sie nicht zu deuten weiß. Daraufhin setzt die Studienleiterin zu einer Erklärung an. In dieser kommt ihr Weltbild sehr deutlich zum Ausdruck, was ich wohl deswegen so stark wahrnehme, weil ich mit ihr nicht konform gehe. Ich höre zu, sage nichts, obwohl mir schnell klar ist, dass die Frau meine Dienste gut gebrauchen könnte. Zu blöd aber auch, dass ich keine Visitenkarten dabei habe.

Doch Moment! Mir fällt ein, dass ich ja immer diese kleine Box mit den Reservekarten am Schlüsselbund habe – für den Fall der Fälle. Ich will die Box aus der Jacke ziehen und – wie gewohnt – mit einem geübten Handgriff öffnen. Nanu, das geht nicht? Oh, jetzt sehe ich: es ist eine etwas andere Box. Nicht pink, sondern mit einem Klarsichtunterteil; bissel größer als die vertraute Box. Na, egal, meine Visitenkarten sind drin. Ich lege also eine zufällige Auswahl auf den runden Tisch, an dem die Frau sitzt – anfangs stand der Tisch vor dem Küchenschrank, nun steht er vor dem Herd. Die Frau mit den bewegenden Träumen wendet sich voller Interesse den Visitenkarten zu. Sie ist schnell von der Vielfalt begeistert und sagt: „Ich hätte gerne ein blau-grünes Motiv, damit es farblich zu meinem Kleid passt.“ Okay, kein Problem! Ich habe alle möglichen Motive in unterschiedlichen Farbkombinationen. Inzwischen haben auch die anderen Frauen der Studiengruppe gesehen, dass jede meiner Visitenkarten anders ausschaut und sie scharen sich um den Tisch, um sie genauer zu betrachten. Bald wollen alle eine Visitenkarte haben. Aber bitte, gerne!

Auch die Studienleiterin wird darauf aufmerksam, schaut interessiert, erkennt den Nutzen meiner Arbeitshaltung und macht alle Teilnehmerinnen auf eine sofortige Änderung hinsichtlich der Studien aufmerksam: „Ab sofort werden auch die Planetenkonstellationen zum Traumzeitpunkt in die Tabellen eingetragen. Das scheint ja tatsächlich ein bedeutungsvoller Punkt zu sein…“ Eifrig, voller konzentrierter Sorgfalt, trägt eine Teilnehmerin – sie sitzt an einem Tisch nahe der Spüle – die Konstellationen in eine Tabelle ein. Auffällig ist: an den meisten in Frage kommenden Konstellationen ist der Planet Neptun beteiligt. Hm… das ist interessant. Wie ich nun so die schwarze Tinte aus dem Fineliner fließen und sich zu ordentlichen Buchstaben und Zahlen fügen sehe, bekomme ich Lust darauf, eine solch schöne, übersichtliche Tabelle zu erarbeiten. Macht bestimmt Spaß.

Erschöpfender Visitenkartenherstellungsprozess (23.06.2008)
Flyer (05.07.2008)
Tanzkarten (09.07.2008)
Alberti-Schein-Visitenkarten (02.10.2008)
Visitenkarten ‘Aksehir Black’ (03.10.2008)
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