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Das lange Warten beim Augenarzt

Traum:
Das Wartezimmer beim Augenarzt ist rappelvoll. Obwohl reichlich Stühle vorhanden, muss ein Teil der Patienten stehen. Das ist ziemlich ungewöhnlich; könnte mich nicht erinnern, das jemals so erlebt zu haben. Es ist kaum abzuschätzen, wie viele Stunden ich hier warten muss. Eigentlich sind all die Patienten gar nicht an diesem Nachmittag zu bewältigen. Ob vielleicht zwei oder drei Augenärzte praktizieren? Naja, ich richte mich mal auf eine lange Wartezeit ein.

Zwischendurch verlasse ich das Praxisgebäude.

Eine gemütliche Nische in einem Speiselokal. Zwei Frauen, ein Mann und ich sitzen auf einer Eckbank am Tisch. Rechts, am Kopfende und auf dem kürzeren Teil der Bank, eine Frau, der ich keine Aufmerksamkeit schenke. Links neben mir, auf der längeren Bank, sitzt der Mann – attraktiv, aufgeschlossen, warmherzige Ausstrahlung; sehr angenehm, ihn an meiner Seite zu haben. Wiederum links neben diesem Mann sitzt eine Frau. Ihre langen mittelblonden Haare haben hübsche Goldreflexe. Der Mann nimmt eine Strähne ihrer Haare, zieht diese straff und misst die Haarlänge. Es sind 34 Zentimeter, so stellt er fest. Danach nimmt er eine Strähne meiner Haare, zieht daran, bis sich die Wellen gestreckt haben. Ich spüre seinen Finger weich in den Bereich meiner Lenden drücken, als er misst. „58 Zentimeter – du hast die längsten Haare.“ stellt er zufrieden fest. Ich lache glucksend auf: „Wohl kaum! Sie haben bestimmt die längste Strähne erwischt. So lang sind meine Haare nicht!“ Dass ich anders darüber denke, ändert offenbar nichts an seiner Sicht. Ganz gelassen legt er den Arm um meine Hüften. Seine warme Hand fühlt sich ausgesprochen gut an; eine zarte Berührung, die mir das Gefühl von sanftem Halt gibt.

Nach einigen Stunden finde ich mich erneut im Wartezimmer des Augenarztes ein. Ah, super! Das Wartezimmer hat sich spürbar geleert. So lange kann es jetzt nicht mehr dauern. Ich nehme auf einem Stuhl Platz. Die Stühle rechts von mir sind mit Patienten besetzt. Eine Frau, direkt neben mir, meint: „Na, das ist doch sicher Kartoffelpüree aus Pulver!“

„Nein, nein!“ sage ich voller Überzeugung. „Das bereitet mein Mann aus frisch gekochten Kartoffeln zu!“ Hmm … Ist das wirklich so? Mit einem Male kommen mir Zweifel und ich ergänze: „Ich werde meinen Mann fragen; er soll es bestätigen.“ Da bemerke ich erst, dass Mike rechts von mir zwischen den Wartenden sitzt. Zwar sehe ich nur seinen nackten Fuß und ein Stück seiner olivfarbenen Hose, aber einen solchen Fuß hat nur Mike: so zierlich geformt mit den zart-kräftigen Sehnen – sehr hübsch. Allerdings reagiert Mike nicht auf das Gespräch zwischen der Frau und mir. Vermutlich ist er wieder so in seinem Buch vertieft, dass er nichts mitbekommt. „Mike?!“ Es ist mir unangenehm, ihn so laut rufen zu müssen, wo er doch im gleichen Zimmer sitzt. Doch auch jetzt reagiert er nicht. Ob er es nicht hört oder ob er meine Frage bewusst ausblendet … – es ist nicht zu beurteilen.

Ich wechsele den Platz, sitze 90° weiter links; mit Blick zur Zimmertür. Links neben mir sitzt ein Mädchen. Eine zarte Gestalt mit bleicher Haut und dunklen Haaren. Sie ist viel zu dünn für die Jahreszeit gekleidet. Ihre Gesichtshaut ist mit einem Schmutzfilm überzogen. Vermutlich wird sie von ihren Eltern vernachlässigt. Ihr Bruder stellt sich vor ihr hin. Er ähnelt ihr; ist schlaksig, bleich, dunkelhaarig und auch sein Gesicht ist dreckverschmiert. Eine zu kurze Hose und ein Hemd aus dünnem Stoff, barfuss. Auf seinem Rücken trägt er ein kleines Geschwisterkind. Der Bruder hat ein doppeltes Einmachgummi um seinen Hals gelegt und das kleine Geschwisterchen darin eingehängt, um es besser tragen zu können und es nicht zu verlieren. Immer wieder fällt mein Blick auf das Einmachgummi – welch eine notdürftige Lösung.

In meiner unbekannten Wohnung in der Stadt. Als ich aus dem Haus trete, fährt gerade eine der wartenden Patientinnen aus dem Wartezimmer des Augenarztes vor und ich erinnere mich … Erschrocken rufe ich die Treppen hinauf, zu Mike: „Ich habe vergessen, dass ich ein Kind eingeladen habe! Dafür ist doch gar keine Zeit; ich muss doch jetzt sofort zum Augenarzt zurück!“ Kurz überlege ich, wie ich beiden Anforderungen gerecht werden kann; vielleicht das Kind mit zum Augenarzt nehmen. Aber nein, das ist ja blöd, damit mache ich dem Kind, und auch seiner Mutter, bestimmt keine Freude. Sagen mag ich es der Mutter nicht, dass ich gar keine Zeit habe. Kein Wort will aus meiner Kehle. Da schaut mir die Mutter in die Augen, sieht vielleicht, dass sie voller Tränen sind und sagt barsch: „Was ist los?“ Verzweifelt und unglücklich antworte ich: „Ich muss zum Augenarzt.“

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