Home » Traumtagebuch » Angst vor der Staatspolizei

Angst vor der Staatspolizei

Traum:
Später Abend. Ein weitläufiges Lese- und Schreibzimmer. Die Geräusche werden von unzähligen, über den Fußboden verteilten Teppichbrücken und Wänden voller Bücher geschluckt. Nahe der Zimmertür sitzt Wilma im Schein einer alten Schreibtischlampe an ihrem Sekretär und schreibt. Stille und Frieden … sehr angenehm.

Da kommt der Zwillingsbruder zur Tür herein, überhäuft Wilma mit Vorwürfen wegen einer mir unbekannten Angelegenheit oder wegen ihres Verhaltens. Anfangs bin ich im Glauben, seine Vorwürfe seien gerechtfertigt. Doch mit einem Male geht mir ein Licht auf: Er ist an der Sache an sich gar nicht interessiert. Er will einfach nur provozieren, für schlechte Stimmung sorgen, um heftige Reaktionen hervor zu locken. Dies macht er auf so subtile Weise, dass es gar nicht auffällt. Zeit für eine klare Botschaft an ihn: „Ich möchte nicht, dass du andere manipulierst, um auf diesem Weg Deine Aggressionen loszuwerden.“ Er macht gar nicht erst den Versuch, sich rauszureden, sondern verlässt mit einem leisen Murren den Raum. Wilma staunt: „Wie hast du das erkannt? Ich hatte es nicht gemerkt.“ Erklären kann ich es auch nicht, es wurde halt mit einem Male ganz klar, was hier abläuft.

Als ich das Haus kurz darauf verlasse, steht ein Bus auf der Straße. Die vordere Einstiegstür steht noch offen und ich höre die zornigen Aufforderungen des Busfahrers. Der Zwillingsbruder lenkt den Bus! Voller Wut scheucht er die Fahrgäste von den Sitzen hoch und treibt sie alle in das hintere Drittel des Busses. Oje, die Fahrgäste bekommen nun seinen Zorn ab, der ja noch dadurch geschürt wurde, dass ich ihn konfrontiert habe. Der Zwillingsbruder hat mich inzwischen gesehen. Er brüllt die Fahrgäste an: „Ich lasse mir doch von einer Marianne Masters nichts sagen!!!“ Hätte ich geahnt, dass er einen Bus fahren würde, wäre ich vielleicht anders vorgegangen. Das ist mir etwas unangenehm.

Die Nacht ist sehr hell. Die Straße führt weit über unbesiedeltes Land. Ich bin zu Fuß unterwegs. Irgendwann erreiche ich einen kleinen Ort. Gleich am Ortseingang, dort wo eine Treppe hinab zur U-Bahn führt, werde ich mit einer seltsamen Situation konfrontiert. Eine große Menschenansammlung steht dicht gedrängt hinter dem Zugang zur U-Bahn; und zwar so, dass man, von unten die Treppe hinauf blickend, keinen einzigen dieser Menschen sieht. Die Menschen hier oben haben Angst, sie trauen sich nicht, weiterzugehen. Anfangs glaube ich noch, meinen Weg fortsetzen, mir einen Weg zwischen den Menschen entlang bahnen zu können. Doch nein, sie blockieren den weiteren Weg – keine Chance.

Ich gehe zur Treppe, blicke hinab. Dort unten ist es hell erleuchtet. Ein Teil des Bahnsteiges ist zu sehen. Dort liegen Frauen und Männer in Kleidung wie aus den 60er Jahren. Zu beiden Bahnsteigen sind sie in einer Reihe nebeneinander gelegt; immer mit dem Kopf zum Gleis. Ihre Gliedmaßen zucken; ansonsten wirken sie ungerührt. Ich kann das Zucken nicht so recht deuten. Machen sie das absichtlich, vielleicht um sich zu wärmen oder ist es das letzte Zucken, während das Leben den Körpern entweicht? Eines ist klar: Dort unten wirkt eine Organisation ähnlich der Gestapo. Ein Einsatz, der der Staatssicherheit dienen soll. Aus meiner Perspektive ist nichts Genaueres zu erkennen, aber ich ahne, sie arbeiten mit fragwürdigen Methoden. Nun wird auch mir mulmig …

Ich wende meine Aufmerksamkeit wieder auf die Situation hier oben. Eines verstehe ich nicht: Warum verstecken sich die Menschen nicht in der Natur, die uns doch weit und großzügig umgibt? Wälder, Wiesen und Felder böten doch ein gutes Versteck?! Doch die Angst macht sie nahezu unbewegt, hält sie an diesem Ort, nahe der Gefahr.

Ich glaube, ich würde in ein großes Maisfeld laufen. Gar nicht weit von hier sah ich eines. Okay, mir fällt ein Buch von Stephen King ein, und da war doch etwas mit Messern im Maisfeld… Naja naja, dummes Zeug jetzt. Ein Bild steigt auf, ein Feld mit hochgewachsenem Mais; so eine klare Vorstellung, dass ich mich mittendrin wiederfinde. Ich schaue zu den oberen Blattspitzen … sie haben etwas Bedrohliches, wie sie so unbewegt in den leuchtend dunkelblauen Nachthimmel staken. Fast wie Dolchspitzen … Das ist hier vielleicht doch kein so sicheres Versteck … Ein Bild kommt hoch … Männer von der Gestapo, die mit Spürhunden das Maisfeld durchkämmen. Langsam fühle auch ich mich ihnen ausgeliefert …


Neonazis und scharfe Klingen

Tags: