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Die geweyhte Seeräuberin

Traum:
In der Nacht komme ich meiner Pflicht nach und suche die Geweyhte auf. Etwa zehn Jahre habe ich sie warten lassen. Ich überlege, wie alt sie inzwischen ist. Ob sie die 100 bereits überschritten hat? Gut möglich.

Gleich vorne im Haus die erste Begegnung mit der Geweyhten. Sie ist erstaunlich fit. Eine hagere Gestalt mit einem biegsamen Körper und einem langen grauen Zopf. Sie kniet am Boden, taucht tief in einen großräumigen Kühlschrank, um Lebensmittel aus dem Eisfach zu holen. Vermutlich erwartet sie einige Gäste. Eigentlich wäre das meine Aufgabe gewesen. Ich soll ihr helfen. Mit einem schlechten Gewissen und einem Bund rosa Tulpen durchquere ich den Raum, gehe wortlos an ihr vorbei. Am liebsten wäre mir, sie bemerkt mich nicht, damit ich nicht Rede und Antwort stehen muss – ich wüsste nicht, wie ich meine Verspätung erklären soll. Andererseits möchte ich natürlich, dass sie mich bemerkt, damit sie weiß, dass ich gekommen bin, sie nicht wirklich habe hängen lassen.

Ich schaue mich um… So unordentlich ist es hier gar nicht. Ich hatte viel Schlimmeres erwartet. Das ist ja echt zu bewältigen. Mir wird es leichter…

Einige Zeit später kehre ich in den Raum vom Beginn zurück. Mike ist inzwischen eingetroffen, steht neben der Geweyhten, die ganz aufrecht dasteht. Vergnügt wie ein junges Mädchen, erzählt sie uns von dem, das nur die Weisen wissen. In ihrer Stimme das Feuer der Begeisterung und Leidenschaft; Herzenswärme. Was für eine alte Frau! Sie entlockt mir ein Lächeln. Ich bin begeistert, wie sie sich in den Jahren entwickelt hat! Gesünder und fitter als je zuvor. Zu Mike sage ich – da ich nicht weiß, ob es ihm schon aufgefallen ist: „Sieht sie nicht aus wie eine… eine… na… wie eine Seeräuberin?!“ Seeräuberin, so nennt man doch die weisen Frauen!

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