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Das Unscheinbare gewinnt an Bedeutung

Traum:
Als ich zu den Tischen, die unter sanft wispernden Bäumen stehen, zurückkehre, wurden die neuen Spielereien bereits an die Familienmitglieder verteilt. Ich werde zur Strafe ausgegrenzt, denn ich habe zwischenzeitlich ein Geschenk bekommen, das die Familie für absolut überflüssig hält: einen Camcorder. Das ist unangenehm. Ich widme meine ganze Aufmerksamkeit dem neuen Gerät. Mir ist noch nicht ganz klar, wie ich es handhaben muss. Zum Einstieg möchte ich einfach eine Aufnahme mache, doch das gelingt nicht.

Später. Ich versuche, einen Teil des Zubehörs, das ich zwischenzeitlich angebracht habe,wieder zu entfernen. Das ist total schwierig. Ich kann nicht genau die Anschlüsse erkennen, weiß nicht, ob ich ziehen, schrauben, drehen, knicken oder sonstwas machen sollte. Die Tatsache, dass ich mit dem Camcorder nicht umgehen kann, bestärkt die Älteren noch in ihrer Meinung. Okay, ich könnte ja mal die Fotos zeigen, die ich damit aufgenommen habe, um erfahrbar zu machen, dass das Teil ganz praktisch ist. Doch zuvor muss noch die Konstruktion mit den drei Glühbirnen vom Gerät entfernt werden, denn diese sind so sperrig, dass ich keine der Tasten bedienen kann. Ich drehe und wende das Teil… Junge Junge…

Die Älteren werden ungeduldig. Ich soll jetzt etwas essen. Ach nein, ich habe keine Zeit dafür; Appetit habe ich schon gar nicht. Die Unzufriedenheit der Älteren liegt drückend in der Luft, doch ich mache weiter. Schließlich werde ich mit dem Camcorder umgehen lernen?! Ich trete an den letzten der Tische, dahinter weite Wiesen. Endlich gelingt es mir, diese dreibirnige Beleuchtung abzudrehen, komme meinem Ziel immer näher.

Endlich gibt es die Möglichkeit, eine Aufnahme zu machen. Ein leicht kugeliger, etwas wellenartig lackierter Gegenstand aus an sich mattem Gold, spiegelt auf seiner Oberfläche eine russische Moschee wieder. Um überhaupt ein Motiv zu haben, richte ich den Camcorder auf diese Spiegelung. Das Gebäude ist kaum zu erkennen, so sehr wird es von der Oberfläche verzerrt, aber für eine Probeaufnahme ist es okay. Es soll ja nichts Bleibendes entstehen. Doch durch die längere Betrachtung, die das Ausprobieren des Camcorders mit sich zieht, erlebe ich diesen Anblick mehr und mehr als sehenswert. Was anfangs so klein, fast unscheinbar war, gewinnt an Klarheit und Bedeutung, durch die Aufmerksamkeit und Zeit, die ich dem gebe. Und damit verliert die ablehnende Einstellung der Älteren für mich an Bedeutung.

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