Home » Traumtagebuch » 3 Tage Saudi-Arabien

3 Tage Saudi-Arabien

Traum:
Ganz unerwartet und ohne Verzögerung geht es auf eine Reise. Ich sitze längst an Bord eines kleinen Fliegers, als ich die Situation einigermaßen realisiere. Mike sitzt irgendwo rechts hinter mir. Mir gegenüber sitzen eine Mutter und ihre erwachsene Tochter. Die Tochter bewegt gerade die ordentlich aneinander gestellten Beine schräg zur Seite, mit einem Blick, der mich auf den Gedanken bringt, ich könne mich hier zu breit gemacht haben. Ich staune noch darüber, mich auf einer Reise zu finden, da sehe ich durch das Cockpit bereits die Landebahn – nur noch wenige Meter bis zum Aufsetzen. Wow, so schnell geht das!! Meine Hand greift automatisch zum Gurt, obwohl fast keine Zeit mehr dafür bleibt. Es könnte aber sein, dass die Landung etwas problematisch wird, da sollte ich besser alle Sicherheitsvorkehrungen treffen. Genau in dem Augenblick, da der Gurt einrastet, setzen wir auf die Landebahn auf. Wir landen erstaunlich ruhig – na sowas.

Schon sind alle in einem kleinen Hotel in Saudi-Arabien angekommen. Die Hausdame rät uns dringend, schnell ein Reisgericht zu besorgen und zu essen. Am Tage wird es sehr heiß und man ist zur Untätigkeit verdammt. Alle Mitreisenden machen sich eigenständig auf die Suche. Ich laufe voraus, in eine Personalabteilung, wo auch die Speisekarten verwahrt werden. Sie stecken fächerartig in einer Wandhalterung. Auf der Rückseite der letzten Speisekarte sehe ich meinen Namen in meiner Handschrift geschrieben: Moina Rubymaria. Ich bemerke nicht, dass es nicht mein Name, sondern der Name meiner Tochter ist. Wie witzig, etwas von mir an diesem Ort vorzufinden! Erst vor wenigen Tagen war ich wohl damit beschäftigt gewesen, die aktuellen Speisekarten zu ordnen. Eben noch in Deutschland, und wenige Tage später in Saudi-Arabien. Das ist nun doch etwas unerwartet. Das muss ich unbedingt den anderen erzählen. Doch schade, niemand hört mich. Na, da erzähl ich das halt später.

In diesem Augenblick kommt ein sehr rundlicher Lieferant, mit winzigen Zeichentrickgesicht – røm, pøm, pøm, pøm – in den Raum geschoben. Na hey, der kommt mir doch bekannt vor? Den sah ich ebenfalls vor wenigen Tagen, als er eine Lieferung an meinen Arbeitsplatz brachte?! Aber na klar, ist ja normal, der liefert nicht nur in Deutschland, sondern auch in Saudi-Arabien. Eine Tatsache, die ich mir nicht so vor Augen geführt hatte, bisher.

Weiter. Im ersten Speisesaal ist ein Tisch besetzt. Eine alte Dame sitzt am Kopfende. Sie riecht nach feuchter welker Haut und Mottenkugeln; ihre Kleider riechen, als habe sie ein mit Kölnisch Wasser beträufeltes Stofftaschentuch, selbst umhäkelt, zum Beduften der Wäsche in ihrem Kleiderschrank liegen. Links von ihr, an der Längsseite, wuselt ihr Sohn – der Konsul Onkel Hermann – mit dem Stuhl herum; vielleicht um einen bequemen Platz zu finden. Ein dienstbarer Geist ist mit ihnen. Eine Stimme aus dem Off rät mir, dafür zu sorgen, bei Hermann einen guten Eindruck zu hinterlassen; einen so guten Eindruck, dass er mich nicht vergisst. Als der alten Dame nun einfällt, dass sie etwas vergessen hat, flitze ich sofort los, um ihr das Gesuchte aus dem Nebenzimmer zu holen. Wenige Sekunden später lege ich die längliche, dunkelrote Schatulle vor ihr auf den Tisch, trete sogleich einige Schritte zurück, lege die Hände hinter den Rücken und warte still ab. Ja, ich glaube, so bleibe ich in guter Erinnerung.

Bald gehe ich tiefer in das Hotelgebäude hinein. Wo sind meine Leute? Wo ist Mike? Im Schummerlicht des Barbetriebes entdecke ich meinen alten Azubi-Kollegen Stefan/Mike. Er hat sich bereits etwas Köstliches zum Mittagessen geholt. Dass er nicht auf mich gewartet hat… leicht gekränkt kehre ich um, noch ehe wir zusammengetroffen sind, und mache mich auf den Rückzug. Doch er holt mich ein und ich habe keine Lust, mich irgendwie streithaft in Szene zu setzen.

Wir treten hinaus… vage erinnere ich mich an das Meer dort in der Ferne, hinter dem Gestrüpp; die warme Luft umfächelt angenehm die Haut, vermittelt eine leise Vorahnung von der Hitze, die erwartet wird. Eine Veranda, mit Blick in dürre Landschaft. Und in der Ferne braut sich ein dunkelviolett wallender Gewittersturm zusammen. Der aufkommende Wind wirbelt kleines Baumholz auf und peitscht es gegen meine nackten, sonnengebräunten Waden; gerade so stark, dass ich es als angenehm belebend empfinde. Ich sage zu Mike: „So ein Zufall mit dieser Reise, oder? Wie kam es überhaupt dazu?“

Mike erklärt: „Als die Verantwortlichen erfuhren, dass die Hausbesitzer einen neuen Kühlschrank einbauen lassen, wussten sie sofort, dass die Hausbesitzer daraufhin erst einmal kein Geld mehr für eine weite Reise und einen Aufenthalt hier haben. Die Räume hätten also leer gestanden. So machte man uns dieses günstige Angebot.“

Ah, so ist das. „Wie lange bleiben wir?“

„Drei Tage; bis Freitag.“

„Oh, ich wünschte, wir könnten länger bleiben. Eine Woche vielleicht…“
Moina…! Wo ist Moina? Ach, du meine Güte, erst jetzt fällt mir wieder ein, dass wir Moina in einem Hotel untergebracht haben – in Deutschland oder hier?? Ich weiß es nicht genau. Welch eine schreckliche Vorstellung, wenn sie morgen erwacht und wir sind nicht da. Wir haben auch niemanden informiert, so dass sich jemand um sie kümmern würde. Wie wird Moina reagieren? Wird sie von allein auf sich aufmerksam machen? Bricht sie womöglich in Panik oder angstvolles, bewegungsloses Schweigen aus? Wird das Hotelpersonal etwas merken und sich kümmern, so gut es geht? Wie konnten wir nur; es ist ganz furchtbar! Am liebsten möchte ich ganz schnell zurück!

Vor Schreck aufgewacht.

Tags: