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Neonazis und scharfe Klingen

Traum:
Mir kommt eine Nachricht zu, durch die ich erfahre, dass Cleo von Neonazis in Gefangenschaft genommen wurde. Ein Szenerie, die vor meinen Augen aufsteigt, bringt weitere Informationen:

Ein Firmengebäude im Dunkel. Durch einen schmalen Fensterstreifen, knapp über dem Erdboden, scheint Licht durch die Milchglasscheibe. Es ist das Fenster zu dem Keller, wo Cleo, ihr Freund und viele andere Gefangene zusammengepfercht dem Ungewissen entgegen sehen. Ich möchte Cleo befreien. Die Neonazis erklären sich damit einverstanden, wenn ich das Dokument unterschreibe, das mir nun gereicht wird: eine mit dunkelblauer Schrift dicht bedruckte Seite, teils hellblau unterlegt, klärt mich über die Einzelheiten des Vertrags auf, den ich mit meiner Unterschrift eingehe. Unter anderem erkläre ich damit offiziell meine Mitgliedschaft bei den Neonazis. Dazu eine Reihe Verpflichtungen, die ich damit eingehe, mit denen ich absolut nichts zu tun haben möchte. Also: ausgeschlossen, das mache ich nicht!

Der Druck nimmt zu. Nicht nur, dass weitere Menschen gefangen genommen werden, sondern es wird immer wahrscheinlicher, dass sich die Nazis zu greuelhaften Taten hinreißen lassen, um damit weitere Mitgliedschaften zu erzwingen, damit nicht noch mehr unter ihnen leiden müssen.

Wie es Cleo dort im Keller wohl ergehen mag? Schon liege ich im Zimmer der Entjungferung; auf einer Liege, leicht zusammengerollt, Blick zur Wand. Allein. Cleo dürfte einen Raum weiter sein; dort, wo die Lage der Gefangenen richtig ernst ist – mein Platz hier dient wohl mehr einer behüteten Erfahrung, da ich nicht direkt mit den Nazis im Raum bin. So erfahre ich, dass Cleo noch nicht einmal mit ihrem Freund zusammen liegen darf. Das bedeutet, sie können sich gegenseitig keinen Trost und keinen Schutz geben, was das Erleben der Gefangenschaft sicherlich noch unangenehmer macht. Die Stimmung ist erdrückend. Es muss etwas geschehen!

Auf dem Weg durch die halbdunkle Nacht gelange ich an die Garageneinfahrt am Haus der Älteren. Hier treffe ich auf ein spärlich bekleidetes schmächtiges Bürschchen; vielleicht ist es ein Urwaldjunge. In diesem Augenblick erhält er einen Schnitt, der zwischen Zeige- und Mittelfinger durch die Schwimmhaut bis zu den Fingerknöcheln hin ausgeführt wird. Schnippschnapp, zack, wird eine Hauptsehne durchtrennt. Was auf den ersten Blick ziemlich grausam wirkt, soll – so erklärt man mir – eine wohltuende Ruhigstellung des Kindes bewirken. Der Schnitt sei auch kaum schmerzhaft, da gleich der erste Schnitt die Sehne durchtrennt, so dass die Schmerzinformation nicht weitergeleitet werden kann; ein Schmerzempfinden entsteht also nicht. Aha… uuhh… Irgendwie beruhigt mich das gar nicht.

Ich gehe den Privatweg entlang, bis zur Straße der Kindheit. Es dämmert. Gleich neben dem Straßengraben steht ein schmaler Junge – vielleicht ein Dschungelkind. Im Beisein eines hell gekleideten Inders (links neben mir) soll ich nun dem Kind den Schnitt zwischen Zeige- und Mittelfinger setzen. Ich habe starke Hemmungen, mit voller Kraft zuzuschneiden. Es ist aber notwendig, den Schnitt kraftvoll und entschlossen zu machen, da ein Zögern das Durchtrennen der Sehne behindern könnte, was starken Schmerz und Leid zur Folge hätte. Kraft und Entschlossenheit… puh, das ist eine echt heftige Angelegenheit.

Dann ist der Augenblick vorbei. Ich stehe allein, wende mich um und sehe: Dort, am Straßengraben, wo ich am vergangenen Tag achtlos einige Kartoffeln und Möhren für die Müllabfuhr hingeworfen hatte, hat der ehemalige Vermieter – er steht dort hinten an der Werkstätte und schaut zu mir herüber – eben diese Kartoffeln und Möhren geschrubbt, in längliche Viertel geteilt und anschließend feinsäuberlich nebeneinander ins Gras gelegt. Dieser Anblick macht mir bewusst, wie nachlässig und unachtsam ich war, als ich das Gemüse hier hinlegte. Ich drehe mich kurz zur Straße um, nehme eine große, frisch gegarte Pellkartoffel von der Ladefläche eines dort parkenden kleinen Transporters, schneide mit einem Schälmesser (mit rotem Griff) das Sternchen (wie von Apfel oder Birne) aus der weichen warmen Knolle und lege die Kartoffel dann sorgsam zu dem übrigen Gemüse an den Straßenrand.

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