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Däumlinge im Geldgewinn

Traum vom 3. Oktober 2009

Etwas unter Zeitdruck – zumindest empfinde ich eine gewisse Getriebenheit – ziehe ich Geld aus einem Automaten, der in einer unterbelichteten Ecke steht. Der Automat erinnert ein bisschen an einen ‘Einarmigen Banditen’. Nach dem üblichen Vorgang stecke ich die Geldkarte wieder ein und greife das einfach aufgerollte Bündel Geldscheine, das der Automat an seiner linken Seite hat auf die Ablagefläche fallen lassen. Kaum genommen, fällt ein weiteres Bündel nach, dass ich ebenfalls an mich nehme. Das geschieht so immer weiter. Jedes Mal nehme ich Geldscheine im Wert zwischen 60 und 120 € an mich. Mir ist klar, dass nur der zuerst angeforderte Betrag von meinem Konto abgebucht wird, die übrigen Scheine fallen mir einfach so zu. Klar, man könnte vielleicht sagen, es sei unrechtmäßige Bereicherung, aber ich habe diesen Prozess ja nicht gefordert!

Inzwischen hat sich ein Mann an meine linke Seite gestellt, schaut mir über die Schulter und meint: „Ist das alles deines?“

„Jaja!“ antworte ich ohne schlechtem Gewissen. So langsam reicht es mir auch. Wenn ich nicht aufhöre, das Geld anzunehmen, wird immer mehr ausgespuckt. Ich will ja auch langsam wieder weiterkommen.

Das Geld lose in den Händen tragend, trete ich in den angrenzenden Raum, der lichter und offener ist. Mit wenigen Schritten stehe ich vor einem Spendentrichter: Eine recht flache grüne Schale mit einem Loch in der Mitte – so wie hier: Schwarzes Loch. Ich lasse nach und nach meine Geldbündel in die Schale fallen. Achte darauf, dass sie nicht ins Loch fallen. Das Geld will ich nur kurz ablegen, um es dann – vom gegenüber liegenden Standpunkt – ordentlich entfaltet in meine Geldbörse einzusortieren. Das ist nämlich der korrekte Ablauf. Dummerweise steht ein Jägerzaun zwischen mir und dem Spendentrichter. Der Zaun reicht so hoch, dass ich die bereits in die Schale gefallenen Scheine nicht wieder an mich nehmen kann, ohne dass mir die Holzspitzen Schmerz zufügen. Meine Arme sind etwas zu kurz. Ich überlege dies deshalb, weil es ja ein gewisses Risiko darstellt, an einem öffentlichen Ort das Geld auszubreiten und für gewisse Zeit die Kontrolle darüber zu verlieren. Deshalb lasse ich auch all mein Geld auf einmal in die Schale fallen, damit ich nur einmal das Risiko eingehen muss, nämlich am Zaun entlang nach links zu gehen, um schließlich auf die andere Seite der Spendenschale zu gelangen, wo ich das Geld dann ungehindert und ohne Spitze an mich nehmen darf. Das bedeutet nämlich, das Geld für diese notwendigen Zwischenschritte völlig aus den Augen zu verlieren.

All mein Geld liegt in der Schale. Ich will mich gerade auf die andere Seite begeben, als ich das Gewusel zwischen dem Geld bemerke. Winzige Menschen, kaum größer als mein Daumen, sind dort. Ganz zarte Wesen sind es, die sich der Akrobatik verdingt haben. Im nächsten Augenblick formieren sich die Däumlinge zu einer menschlichen Pyramide. Ich halte meine Hand über sie, die oberen drei Däumlingsakrobaten halten sich an meinem linken Zeigefinger fest. Die übrigen Akrobaten halten sich wiederum an den Füßen der oberen fest. So kann ich diese ganze Menschenpyramide über das Loch hinweg zur anderen Seite bewegen und ihnen ihren Platz geben. Sie sind so zart und klein, dass ich fast kein Gewicht spüre, obwohl sicherlich mehr als ein Dutzend Däumlinge an meinem Finger hängen. Wie ein Mobile fühlt es sich an. Ein paar einzelne Däumlinge wuseln noch zwischen den Scheinen herum. Auch diese muss ich an ihren Platz setzen, ehe ich weitergehen kann.

Nun aber. Auf der anderen Seite der Spendenschale. Einige Menschen haben sich dazu gestellt und schauen zu. Nicht einer versuchte, von meinem Geld zu nehmen. Alles ganz entspannt und easy. Vor den Augen der Anwesenden packe ich das Geld in aller Ruhe in meine rote Geldbörse. Dabei habe ich das zweifelsfreie Gefühl, dass mir das Geld zusteht. Ich habe es schließlich nicht mit Gewalt erpresst, sondern nur das an mich genommen, was mir eh zugefallen ist.

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