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Der Mann mit den Muscheln im Gesicht

Traum:
In der Kita findet eine Veranstaltung statt; Eltern, Großeltern, Kinder und Betreuer – lebhaftes Gewusel. Einige stehen herum, andere sitzen an eigens dafür zusammengeschobenen Tischen beisammen. An einem Tisch sehe ich einen Mann sitzen, dessen Gesicht über und über mit winzigen Steinchen oder Muscheln geschmückt ist – Grau, Creme, Meerblau. Es erinnert ein wenig an eine Kriegsbemalung oder Tätowierung. Ins Auge fallen seine sensibel geschwungenen Lippen.

Eine Unterschriftensammlung wird herumgereicht. Ich beuge mich zu einem der Tische, lege das Schriftstück ab und setze zum Schreiben auf dem gilben linierten Papier an. Die blaue Tinte des Fineliners verteilt sich breit, so sehr drückt sich die Spitze ins etwas raue Papier. Mar… – beginne ich meinen Namen zu schreiben, doch irgend etwas lässt mich mittendrin zurückfahren. Im ersten Augenblick weiß ich nicht, warum. Doch dann entdecke ich auf dem Tisch, direkt neben dem Papier mit den Unterschriften, büschelweise Haare von mir liegen. Beim Hinüberbeugen hatte ich meine Haare unbemerkt in die Flamme einer Kerze gehalten und mir reichlich davon direkt am Haaransatz abgebrannt. Ich greife einen Haarbüschel – goldblond, weich und wellig… Oje, ganze Strähnen habe ich verloren! Einige der Eltern schauen zu mir her, ohne jedoch Betroffenheit zu zeigen.

Ich gehe weiter nach links. Im gleichen Raum, an einem anderen Tisch, sitzt der Ältere. Die Ältere steht daneben. Er beteiligt sich an einer Aktion der Kita. Im ersten Augenblick zweifele ich daran, dass seine Teilnahme überhaupt gültig ist; sollen nicht nur die Eltern teilnehmen? Doch dann lese ich, worum es geht. Es ist eine Namensliste; jeder hat die Möglichkeit, den Namen eines vermissten Familienangehörigen einzutragen. Der Ältere macht seinen Eintrag an 5. Stelle:

Meta M. wird als vermisst gemeldet.

Ach ja… das hatte ich mit der Zeit völlig vergessen oder verdrängt… – ich sah/träumte sie schon seit langer Zeit nicht mehr.

Die nächsten Schritte führen mich in einen Raum mit großen Scheiben, durch die die Sonne ihr warmes Licht scheinen lässt. Es ist schön licht und warm in dem Raum, in dem sich einige Elternteile aufhalten. Ich lehne mich an eine Tischkante. An meiner linken Seite ein Mann, der den Arm um mich legt, mich beschützt und gut zu mir ist. Anfangs sehe ich ihn nur im Augenwinkel, doch dann schaue ich direkt hin, um mich zu vergewissern… Tatsächlich, mir gegenüber – mehr nach rechts – sitzt der Mann mit dem Muschelgesicht. Doch er hat sich von den Steinen befreit! Im Grunde erkenne ich ihn jetzt nur an seinen fein geschwungenen Lippen, die denen von Mike so ähnlich sind; seine Haut sieht aus wie frisch rasiert – glatt und verletzlich. Na, da gehört etwas dazu, nach so langer Zeit einen solchen Gesichtsschmuck aufzugeben. Irgendwann hatte er sich zum ersten Mal auf diese Weise zurecht gemacht, es gefiel ihm und seinen Mitmenschen, und so wurde es bald zu einer Selbstverständlichkeit und Gewohnheit, das Gesicht mit Steinen/Muscheln zu bedecken; immer dann, wenn er das Haus verließ. Ich finde es mutig und toll, dass er sich davon nun trennen mochte. Ein weiterer Blick zu dem Muschelmann offenbart, was ich bisher nur unterschwellig bemerkte: Er trägt eine Brille; eine Brille, deren linkes Glas mit Folie abgeklebt ist, wie um ein Schielen zu korrigieren. Durch diese trübe Schicht ist sein Auge nur unscharf zu erkennen.

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