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Der Traum vom Reis in Amerika

Traum:
Ein Ausflug nach Amerika; mit einigen guten Bekannten. Kaum haben wir die Landesgrenze überschritten, kommt mir alles anders vor…

Ein kleiner Raum, der an den Kassenbereich eines Lagerverkaufs erinnert. Ich stehe in einer langen Warteschlange. Es geht zügig voran; nur noch wenige Käufer vor mir. In diesem Moment tritt eine Frau vor mir aus der Reihe und verlässt den Raum. Während es weiter voran geht, achte ich darauf, ausreichend Abstand zu wahren, damit die Frau sich wieder einreihen kann. Ich blicke auf meine Füße, sehe den gedämpft roten Untergrund, der mit einem weißen Pulver bestreut ist – genau hier, wo ich stehe. Die Frau kehrt zurück und beharrt unfreundlich auf ihren Platz. Ich bin enttäuscht, weil sie nicht bemerkt, dass ich ihn ganz bewusst für sie freigehalten habe.

An der Kasse. Die Kassiererin tritt hinter der Durchreiche hervor. Mike hat drei Lesebrillen – sie stecken in einem PVC-Etui mit einer durchsichtigen und einer weißen Seite – zurücklegen lassen. Die Kassiererin gibt alle Brillen in ein Gerät, das einem Fleischwolf ähnelt. Sie kurbelt und die Brillen kommen unten wieder raus. Ob sie auf diese Weise den Preis ermitteln möchte? Nein, so sagt sie. Vielleicht will sie so den Dioptrienwert feststellen, um sich zu vergewissern, dass wir die richtigen Gläser erwerben? Nein, das auch nicht. Ja, aber dann verstehe ich nicht, warum sie mir die Brillen nicht verkaufen will. Ich bin auch etwas in Zeitnot, will ich doch den Anschluss an meine Reisegruppe nicht verlieren. Also laufe ich schnell raus.

Trete hinaus auf einen weiten amerikanisch wirkenden Platz, vielleicht der Vorplatz eines Hauptbahnhofs. Buntes Treiben. An meiner rechten Seite Ilva, sie möchte sich jetzt Reis zubereiten lassen. Gar nicht weit, sehen wir eine kraftvolle Afrikanerin, die in bunte Stoffbahnen gekleidet ist, ebenso ihr hochgetürmtes Haar ist von bunten Stoffstreifen gehalten. Vor ihr ein Standgerät, mit einem Einfüllschacht, einer Kurbel und unten einem Auffangbehälter. In meinen Händen ein Säckchen aus Naturbaumwolle, mit rotem Aufdruck (wie Säckchen von Calasparra-Reis). Es ist verknotet; ein Knoten, der sich nicht ohne weiteres lösen lässt. Ich biete an, das Reissäckchen mit der Schere zu öffnen und Ilva gibt sich einverstanden. Während ich den Knoten abschneide, kommen mir Bedenken… Hoffentlich reicht der verbliebene Stoff, den Reis nach der Verarbeitung wieder aufzunehmen. Aber meist verringert sich durch einen solchen Prozess ja das Volumen. Da fällt mir siedend heiß ein, dass Reis die Eigenart hat, sein Volumen zu vervielfachen. Aber nun ist der Knoten eh ab.

Die Afrikanerin füllt den Reis in das Gerät ein, drückt mit einem großen Holzstampfer und betätigt die Kurbel. Unten fällt der duftig dampfend gegarte Basmati-Reis in den Behälter. Wunderbar!

Tiefer drinnen in der Stadt. Ein weiteres Säckchen Reis soll zubereitet werden, so wünscht es meine Freundin. Bald treffen wir auf eine Frau auf der Straße, die diese Zubereitung ebenfalls anbietet. Ihrem Äußeren nach ist sie eher asiatischer Herkunft, aber das spielt keinerlei Rolle. Doch leider lehnt sie mit der Begründung ab, sie habe so viel zu tun, und somit sei der Auffangbehälter noch zur Hälfte gefüllt. Mit anderen Worten: der Platz reicht nicht für unseren Reis. Doch die Freundin an meiner Seite bittet inständig, es trotzdem zu tun. Mit einem leisen Knurren willigt die Reisfrau ein. Sie füllt den Reis oben in das Gerät und betätigt die Kurbel. Wie erwartet, fällt der dampfende Reis in den Behälter auf den bereits vorhandenen Reis. Doch oje! Was kommt denn bei diesem Prozess heraus?! Das ist nicht so appetitlich. Kartoffelscheiben in einer Unmenge fast flüssiger Mayonnaise mit Dill quillt auf den Reis. So viel ekliges Fettzeugs. Dann eine weitere Lage; dieses Mal sind es winzige Äpfelchen – ganz; mit Stiel, Stern, Gehäuse – die, ebenfalls in dieser Mayonnaise schwimmend, in den Behälter sacken. Ich frage mich, ob diese Art der Zubereitung in diesem Lande üblich ist? Äpfel in Mayonnaise… Ob die Äpfel soweit durchgegart werden, dass die Kerne ganz weich werden? Ansonsten kann ich mir gar nicht vorstellen, dass es lecker ist, die ganzen Äpfel in den Mund zu stecken, auch wenn sie winzig sind. Echt sonderbar. Der ganze Vorgang wird jedenfalls wortreich von der Reisfrau begleitet – wir haben es schließlich so gewollt, nun müssen wir das Ergebnis auch akzeptieren.

Bei dieser Sache haben wir fast den Anschluss an unsere Leute verloren. Wir folgen also unserer Intuition, setzen den Weg fort, der uns durch das Menschengewimmel in ein großes dunkles Veranstaltungszelt führt. Als ich eintrete, spüre ich sofort die eigenartige Atmosphäre… Anfangs kann ich es nicht einordnen. Knarrende Dielenbretter, Tische, Stühle. Da kommen mir Männer entgegen. Große Männer mit breiten Schultern, alle in dunkle Anzüge gekleidet, dunkle Haare. Allen ist ein solch finsterer Gesichtsausdruck zu eigen, dass sie trotz der hellen Hautfarbe dunkelhäutig wirken. Wie eine Mauer bleiben sie stehen. Je vier bis sieben der Männer sind durch eine leuchtend weiße Bandage miteinander verbunden, die sich um die Stirn eines jeden einzelnen windet und dann zum nächsten weitergeht. Mein erster Gedanke ist, dass sie damit ihre Gemeinsamkeit demonstrieren wollen. Eine andere Idee ist, dass sie auf diese Weise verhindern wollen, dass sie einander im Großstadtdschungel verlieren. Von ihnen geht eine dunkel pulsierende Glut aus und in mir erwacht langsam Furcht. Wenn sie über mich hinweggehen, könnte ich mich von ihnen unangenehm überwältigt fühlen.
Atmen… atmen…

Im nächsten Moment hat eine Veränderung stattgefunden. Die Männer sitzen an alten schwarzen Holztischen aus Großmutterzeit, die im Zelt verteilt sind. Meine magersüchtige Kollegin stellt eine Schüssel mit gegartem Basmati-Reis auf den Tisch. Mit allen fünf Fingern greift sie eine Menge und beginnt, den Reis an die Männer zu verteilen. Jedem legt sie ein Reiskorn hin. Oh, was für eine schöne Idee! Dabei möchte ich gerne helfen! Ich bin im Begriff, ebenfalls eine Menge Reis nehmen, da signalisiert die Kollegin mir, dass sie das allein machen möchte. Warum nur? Ich könnte doch helfen; was wäre dabei? Da ich es noch nicht verstehe, greife ich eine Portion Reis. Zögere… Da meine Kollegin es wirklich nicht möchte, muss ich es mir verbieten, was mir schwer fällt. Nun aber habe ich bereits den Reis in den Fingern, und wenn sie das sieht, wird sie sauer sein. Ich könnte ihn schnell verteilen, dann wäre ich auch den Reis los. Aber das würde sie bemerken. Es ist eine ganz blöde Situation – ich fühle mich wie gebannt.

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