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Fayu

Traum:
Irgend etwas zieht mich an das weit geöffnete Fenster im ersten Stock einer einfachen Holzhütte. Warme Luft fächelt herein. Ich blicke hinaus in die Nacht im Urwald (West-Papua). Auf dem kleinen Vorplatz der Hütte hat sich eine Gruppe dunkelhäutiger Männer versammelt. Ernst und abwartend stehen sie da; alle zu mir blickend. Ich bin überrascht und von Freude überwältigt, als ich sie erblicke. Ein Lächeln breitet sich wie von allein in meinem Gesicht aus und ich winke ihnen zur Begrüßung zu, obwohl ich nicht einen von ihnen kenne. Einige der überwiegend jungen Männer lächeln zurück. Ganz leuchtend ihre weißen Zähne im Dunkel. Sie freuen sich. Im Raum bei mir Stimmen von Nahestehenden, denen ich berichte: eine Gruppe von etwas 80 Männern. Warum achtzig? Ich weiß es nicht. Nochmals winke ich ihnen zu, freue mich wie ein kleines Kind über diese Überraschung. Da breitet sich unter allen eine erleichterte Freude aus. Ja, ich spüre, sie sind willkommen, ich bin willkommen. „Wartet, ich komme zu euch runter!“ rufe ich ihnen zu und laufe los.

Unten die Räumlichkeiten eines Speise- und Festlokals. Eine Mischung aus Landhaus und Café Verrückt. Die dunkelhäutigen Männer haben inzwischen an den Tischen auf der Terrasse Platz genommen. Ich muss mich erst einmal orientieren. Spüre gleichzeitig den Drang, tatkräftig mitzuhelfen. Eine Kollegin vor mir. Sie trägt einen schmalen schwarzen Rock und schwarze Bluse. Die Tasche für ihr Kellnerportemonnaie trägt sie um den Hals: ein cremeweißes Handtäschchen an einem viel zu kurzen Riemen, so dass die Tasche fast unter ihrem Kinn zu hängen kommt. Na, da ist wohl was zu kurz geraten. Ich trage ebenfalls schwarzen Rock und Bluse, und auch dieses cremeweiße Täschchen. Allerdings hängt es an einem längeren Riemen und endet an meiner Hüfte. Ja, das ist bemerkenswert.

Der Geschäftsführer kommt hinzu. Kurz habe ich ein schlechtes Gewissen. Vor ewigen Jahren habe ich hier gearbeitet und kenne mich eigentlich aus. Trotzdem fehlt mir der Durchblick und ich habe noch nichts getan. Doch allein meine Gegenwart scheint für den Geschäftsführer eine erfreuliche Sache zu sein. Er hilft mir und sagt: „Ich habe den Männern inzwischen einige Gläser Bier gebracht.“ Ah, verstehe, dabei könnte ich mithelfen. Doch finde ich kein passendes Tablett. Entweder nur kleine Silbertabletts oder Holzbrettchen oder ein sehr großes Tablett, mit dem ich mich nicht zwischen die Tische traue. Nach einigem Zögern nehme ich dann doch das große Tablett, um die leeren Gläser abzuräumen und weitere Bestellungen aufzunehmen.

Draußen, neben der Terrassentür, steht ein Tisch, auf dem zwei Gegenstände liegen. Ich bin ganz froh, endlich loslegen zu können und räume beides auf das Tablett. Da treten zwei Männer – sie sind fast hellhäutig, Hiphop-Typen, gleichzeitig die Dunkelhäutigen aus dem Urwald – an den Tisch und wehren sich gegen mein Vorhaben: diese Dinge gehören ihnen; ich darf sie nicht nehmen. Ich ziehe den Kopf ein, so sehr fühle ich mich von den feurigen Energien und Stimmen bedrängt. Dann wende ich mich dem nächsten Tisch zu. Darauf liegen zwei Gegenstände: ein Bürstengestell, vielleicht ein Schuhabstreifer, und eine dunkle Holzpuppe, die ein Kleid aus dunkelgrünem Urwaldstoff trägt. Ich will sie auf das Tablett räumen, da entreißen es mir zwei der Männer.

Erst jetzt wird mir bewusst, dass dies Dinge sind, die den Männern gehören. Ich muss mich gar nicht darum kümmern. Nun ist klar, dass ich meine Aufmerksamkeit auf das gebrauchte Geschirr und die Gläsern richten muss. So durchstreife ich die Tische, vorbei an den vielen Männern, ohne jedoch Arbeit zu entdecken. Am Ende der Terrasse etwas Unerwartetes…

Ein kleiner festlicher Markt unter dem Nachthimmel. Feierlich beleuchtete Auslagen mit wunderschönem Kunsthandwerk, sehenswertem Allerlei. Ganz still ist es hier. Mit angehaltenem Atem bleibe ich stehen und schaue. Klar, ich weiß, hier habe ich die Grenze überschritten. Dem Geschäftsführer wird es vermutlich nicht gefallen, dass ich mich während der Arbeitszeit auf diesem mich eigenartig berührenden Markt umsehe. Ich traue mich nicht weiter, gehe einen Bogen, zurück zum Arbeitsmarkt.

Notiz:

Dschungelkind

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