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Aufstellung – Arabische Emirate

Traum:
Des Nachts eine Aufstellung in der elterlichen Stube. Ich werde an zwei Plätzen in der Stube aufgestellt:

  • vor der verschlossenen Tür zum Elternschlafzimmer, Blick zur Tür
  • vor das mittlere der drei Stubenfenster; Blick zum Fenster

1
In der Elternküche steht ein Mammut-Abwasch, der sich auf die Arbeitsplatte von einer Wand zur anderen Wand stapelt. Diese Tage war hier viel los. Ununterbrochen waren Gäste da, die bewirtet wurden. Die Geschirrstapel türmen sich sogar über dem Spülbecken. Eine Frau machte sich dort eben gerade kurz zu schaffen, geht dann aber raus. Ich will den Abwasch fortsetzen, doch das Abwaschwasser ist voller durchweichter Speisereste. Ich ziehe den Stöpsel und… nichts! Ojeee, nun ist auch noch der Abfluss verstopft. Ich nehme ein kleines Wasserglas, setze es als Saugglocke auf das Abflusssieb und mache pumpende Bewegungen. Schlurps… ist die Bahn frei. Strudelnd rauscht das Wasser ab. Toll, hätte gar nicht erwartet, dass es so problemlos geht.

2
In der Elternstube. Sie ist voller Menschen, wohl auch Wegelagerern, die hier eine Möglichkeit zum Übernachten gefunden haben. Hier handelt es sich weder um eine Feier noch sonst ein beabsichtigt gemütliches Miteinander. Nicht alle Anwesenden sind freundlich gesonnen.

Die pakistanische Mutter mit dem losen Gesichtsschleier zeigt den Menschen im Raum gerade ihre neueste Errungenschaft: eine rostbraune Stricklegging. Sie lässt mich oben in den Hosenbund schauen… Ah, das ist ein Monatshöschen; innen mit Vlies und entsprechendem Saugmaterial ausgestattet. Dies erlaubt, auch während der Blutung ohne lästige Binden und Tampons herumzulaufen. „Finde ich gut!“ teile ich allen mit. Niemand reagiert. „Das finde ich gut“ wiederhole ich, um sicherzugehen, dass es alle hören. Ich habe das Bedürfnis, diese Sache unbedingt zu bekräftigen, obwohl ich es gar nicht spüre, dass ich es gut finde. Vielleicht finde ich es gar nicht gut. Vielleicht denke ich aber, es ihr zuliebe tun zu müssen. Wir, die verschleierte Mutter und ich, hören ein Geräusch aus der Küche kommen, das uns alarmiert hinüberlaufen lässt.

Die Mutter sitzt in der Küche auf einem alten Worpsweder Stuhl. Ihr Blick geht wie erstarrt in Richtung Küchenfenster (Seiteneingang). Ihr Körper bebt unter dem Weinen und Schluchzen, das gar nicht mehr aufhören will, so scheint es. Einer ihrer Oberschenkel fällt ins Auge. Er ist entblößt, wirkt klamm, grau-blau, die Haut des Oberschenkels wie von vielen Tränen durchweicht. Die pakistanische Mutter und ich haben bereits einige Marathon-Gespräche mit therapeutischem Ansatz mit meiner Mutter geführt. So signalisiert die Verschleierte auch, dass sie das jetzt nicht schon wieder bieten kann und leisten will und verlässt den Raum.

Ich spüre, wie Recht die Schleierfrau hat; spüre die Erschöpfung in mir. Murmelnd frage ich Mutter: „Hast du etwa erwartet, eine solche Sache ginge schnell vorbei?“ Daran hat man psychisch lange zu arbeiten…
Mir geht es mit meiner kühlen, fast vorwurfsvollen Reaktion nicht so gut. Musste das so sein? Ich hätte es auch einfühlsamer mitteilen können. Doch ich brauche dringend eine Pause und bin vielleicht etwas gereizt. Sonderbar ist jedenfalls, dass Mutter – gleich nach meiner Frage – fast abrupt ruhiger wurde. So als habe man einen Knopf gedrückt; da sie nun weiß, sie erlangt damit ja eh keine Aufmerksamkeit. Mag aber sein, dass ich mir das nur einbilde.

Ich verlasse die Küche, habe kein gutes Gefühl damit, die Mutter ohne Trost und Anteilnahme zurückzulassen. Doch scheint es mir im Moment das Vernünftigste zu sein.

3
Mit einem Male finde ich mich in einem Flugzeug der Lufthansa wieder. Ein recht kleiner Passagierflieger mit weniger als hundert Plätzen. Auf einer alten, von Bäumen gesäumten Landstraße setzen wir zum Start an. Mir wird sofort klar: Dies ist nicht die Realität. Ich wurde gezielt in eine Situation in den 60er Jahren versetzt. Ich bemerke es am typischen Geruch der Innenausstattung, an den taubenblauen Sitz- und Kopfpolstern, und vor allem an den Uniformen und Frisuren der Stewardessen. Jetzt nur ja keine unbedachte oder schnelle Bewegung machen, und vor allem: keine Angst haben, sonst switche ich hier raus. Ein kribbeliges gespanntes Gefühl, als das Flugzeug langsam an Höhe gewinnt. Wohin wohl die Reise geht/ging? Das dürfte ja von einiger Bedeutung sein, wenn ich in ausgerechnet diese Vergangenheit geträumt wurde.

Notizen:
Noch im Traum schwirrte mir mehrfach durch den Kopf: ‘Arabische Emirate’
Abrupt von Moinas Gebrüll geweckt, die sich im Dunkeln beim Gang zur Toilette den Fuß verletzte.

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