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Das große Vergessen der Großmutter

Traum:
Ein Teil der Nacht war mit Systemaufstellungen gefüllt. Meine Aufmerksamkeit richtete sich voller Konzentration auf diesen Bereich. Ähnlich nahm ich auch die anderen Teilnehmer wahr.

Irgendwann führen mich die nächsten Schritte in eine Großmutterküche. Ich bin in Begleitung eines etwa vierzigjährigen Mannes, der stets die Lage mit neutraler Einstellung im Blick behält. In der Großmutterküche ist kein Licht eingeschaltet. Man gibt sich mit dem spärlichen Tageslicht zufrieden, das durch ein Fenster, vor dem einige alte Bäume stehen, in den Raum fällt.

Meine Großmutter sitzt auf einem Stuhl nahe dem Küchentisch – Blickrichtung über den Tisch hinweg zum Fenster. Ich hocke oder stehe seitlich vor ihr, als sie eine halb aufgetauten Tiefkühlpizza von der Schutzfolie befreit. Dabei dreht sie die Pizza mit der belegten Seite nach unten. Zwiebelstreifen und Käseraspel fallen runter, landen in ihrem beschürzten Schoß.

Ich sage freundlich: „Dreh die Pizza doch anders herum, damit der Belag nicht herunterfällt.“
Großmutter unbeteiligt: „Das will ich nicht.“
Ich: „Möchtest Du die Pizza lieber ohne Belag essen?“
Großmutter, etwas wacher: „Das will ich nicht.“

Ich greife ein, drehe die Pizza um, doch Großmutter dreht sie gleich wieder anders herum. Immer wieder sammele ich Zwiebelstreifen, Raspelkäse oder Ananasstückchen von ihrer Schürze und drapiere sie auf der Pizza. Inzwischen fällt es mir wieder ein: Großmutter ist dement! Als ich dies erkenne, wird es mir mit einem Male ganz leicht, gelassen und geduldig zu sein. Ich nehme meiner Großmutter diese Sache ab, werde dafür sorgen, dass die Pizza aufgebacken wird. Noch einmal fällt was in ihren Schoß. Eine Handvoll Spaghetti fische ich aus der Schürze. „Oh nee, Pizza mit Spaghetti mag ich gar nicht.“ Ich nicke meiner Großmutter freundlich und ermunternd zu, während ich die Pizza auf dem Küchentisch abstelle. Das lässt das gute Gefühl zurück, diese Sache gut abgeschlossen zu haben.

Dann lasse ich die Küche und die Großmutter hinter mir, trete durch einen Seiteneingang – der meinem Empfinden nach gar nicht existieren kann – hinaus auf einen kleinen Seitenarm der Bauerndiele. Kaum habe ich die Tür geöffnet und bin über die Schwelle getreten, saust der Hofhund – ist es Grete? – auf mich zu. Er erinnert ein wenig an Purzel, hat aber im Gegensatz zu ihm einen rundlichen Kopf, der dem der scharfen Grete ähnelt, aber ein helleres Fell hat. Anfangs war der Hund sichtlich bereit, die Grenzen mit dem Einsatz seiner Zähne zu verteidigen. Doch dann sieht er mich, erkennt mich wieder – da wir uns während der Systemaufstellungen mehrfach begegnet waren – und hechelt mit freundlichem Antlitz. In meiner rechten Hand halte ich ein Objekt, das einem mit schwarzer Tinte beschriebenen Blatt Papier ähnelt. Sicherlich wäre auch dies das Ziel seiner Bisse gewesen, aber nun habe ich ja nichts mehr zu befürchten.

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