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Von den Stunden nach einem Workshop

TRAUM:

Die Babys
Wir – eine Gruppe von Menschen, die eine Gemeinsamkeit haben – treten aus dem Nazareth-Gebäude ins Außengelände. Im Spielsand wurden zwei Reihen mit orangebunten Djembes aufgebaut. An den Djembes werden gleich die Babys Platz nehmen, die an dem hinter uns liegenden Workshop teilgenommen haben. Ich schlendere an den Djembes vorbei, drehe mich am Ende der Reihen um und werfe einen Blick auf das Zurückliegende:

Erzieher, Väter und Mütter versammeln sich bereits, doch die Babys fehlen noch. Ach ja, klar, sie wurden in einem dunklen Raum zur Ruhe gelegt – mit Fläschchen und Schnuffeltuch – um sich von dem anstrengenden Workshop zu erholen, ehe sie uns ihr neu angeeignetes Können darbieten.

Der Reiter
Links neben mir steht ein Mann – ein Reiter aus Worpswede, den ich als solchen nicht erkenne – in hellbrauner Wildlederjacke. In diesem Augenblick treffen er und eine Frau zusammen. Die beiden scheinen sich länger zu kennen. Irgendwann hakt der Mann nach, als er eine Bemerkung der Frau nicht verstanden hat. Doch die Frau bemerkt seine Frage nicht und geht weiter. Ich habe den Mann soweit verstanden, dass seine Frage darauf abzielte, mehr darüber zu erfahren, ob er der Frau attraktiv erscheint oder nicht. Nun schaut er mich fragend an. Soweit ich das mithörte, bezog sich die Bemerkung der Frau auf den Kinderwagen, den sie mit sich führte. Dieser Bemerkung konnte ich nichts Nachteiliges den Mann betreffend entnehmen und so antworte ich wahrheitsgemäß: „Sie sagte was von Standard. Das ist okay für Sie.“ Der Mann würde gerne mehr erfahren, aber was soll ich dazu sagen?

Die Frauen
Ich setze meinen Weg fort in Richtung Gebäude. Dabei fällt mir eine Gruppe Frauen auf, die davor stehen. Eine der Frauen – eine sehr hochgewachsene schlanke Frau, vermutlich in den Wechseljahren – wird von den anderen Frauen aufgefordert, ihre Meinung zu einer Sache zu äußern. Dieser Aufforderung kommt sie sofort nach. Allerdings in einer sehr hohen Tonlage. Ihre Stimme schwankt so sehr, dass ich fürchte, sie bricht gleich in Tränen aus! Je länger ich sie jedoch beobachte, um so deutlicher wird: das ist ihre ganz normale Stimme! Allein das Zuhören ist anstrengend, so schwach und ohne Volumen hört sie sich an.

Die Männer
Der Vorplatz ist dicht gedrängt voller Menschen. An der Frauengruppe vorbei bahne ich mir einen Weg in das Gebäude. Gleich im ersten Raum stehen einige einzelne Männer herum. Als ich eintrete, schenken sie mir ausnahmslos ein freundliches Nicken zur Begrüßung, das mich annehmen lässt, die Männer und ich seien irgendwie bekannt, auch wenn ich momentan keinen wiedererkennen kann. Dem am nächsten stehenden Mann reiche ich die Hand, in der Annahme uns zu kennen, erscheint es mir als selbstverständlich. Der Mann hat damit wohl nicht gerechnet, denn es gibt eine kleine Verzögerung, ehe er meine gereichte Hand ergreift. Nun ja, das macht ja nichts. Ich gehe auf den nächsten Mann zu, ebenfalls meine Hand reichend. Doch auch dieses Mal gibt es diesen peinlichen Moment der verzögerten Reaktion. So ergeht es mir mit allen Männern! Erst danach frage ich mich, warum ich nach den ersten Malen nicht begriffen habe, dass mir niemand die Hand reichen wollte? Ich hätte mich echt anders verhalten können. Doch nun ist es zu spät.

Die Arbeit
Mit einigen Schritten gelange ich an eine offen stehende Terrassentür. Meine neue Kollegin mit der pfiffigen dunklen Kurzhaarfrisur tritt gerade hinaus und ich folge ihr. Sie raucht eine Zigarette und ich sage zu ihr: „Früher, als ich noch rauchte, da konnte ich solche Gelegenheiten noch gut für eine kleine Pause nutzen.“ Diese kleinen „Ruheinseln“ fehlen mir heute. So wird mir erst in dieser Situation klar…

Etwas später. Gemeinsam mit der neuen Kollegin ist ein Auftrag zu erfüllen. Wir stehen auf dem Bürgersteig Ecke Hügelstraße/Engelthaler Str. Unsere Chefin tritt hinzu, weist mit ausgestrecktem die Straße entlang zur nächsten Haltestelle. Ich sehe ein bleichschwarzes Schild mit der Nummer der Buslinie: 3 oder eine zweistellige Zahl, die eine Drei enthält. Unsere Chefin sagt, wir sollen den Bus nehmen oder einige Schritte weiter die U-Bahn. Doch mir widerstrebt es, für einen Fußweg von schätzungsweise fünf Minuten in ein öffentliches Verkehrsmittel zu steigen. Okay, die Chefin denkt wahrscheinlich, wie wären so schneller zurück und wieder verfügbar. Was ich allerdings nicht glaube. Mein Blick geht inzwischen über die große Kreuzung hinweg in Richtung Eschersheim. Sehe ich am Himmel nicht einige dunkle Wolken aufziehen?! „Okay, sollte es regnen, nehmen wir Bus oder Bahn.“ willige ich ein.

Mein Traum und das Äffchen
Später. Der erreichte Ort liegt in spürbarer Entfernung zum zuvor Erlebten. In dem Gebäude ist es ganz ruhig. Das ist richtig angenehm nach all dem Trubel und den Geschehnissen. In einem der Räume treffe ich auf die Chefin. Sie ist mit Renovierungsarbeiten beschäftigt. Um ihre Kleider zu schonen, ist sie nur mit einem Bikini bekleidet. Ich erinnere mich jetzt daran, dass diese Tage Weihnachten war. Die Chefin fragt mich interessiert, ob ich es nicht vermisst habe, beim Weihnachtsgeschäft mitzumachen. Ich finde, das ist eine sehr interessante Frage! Zudem ist es total spannend, dass sie mir diese Frage stellt, denn, und das erzähle ich ihr sofort: „Diese Nacht träumte ich, dass ich mich frage: Habe ich die Arbeit zur Weihnachtszeit vermisst?“ Weiter erzähle ich davon, wie ich mich im Traum dazu aufforderte, mich nicht gleich mit der ersten auftauchenden Antwort zufrieden zu geben. Ja, ich habe mir die Frage mehrmals gestellt, um immer neue Antworten zu bekommen. Ich versuche dies der Chefin zu erklären, doch diese unterbricht mich bald. Erschrocken und etwas verstört muss ich sehen, wie sie mich nachäfft. Die Augen verdrehend, mit Armen und Beinen wedelnd, wiederholt sie mit verstellter Stimme: „Das habe ich mich auch gefragt! Blablabla. Das habe ich mich auch gefragt. Das habe ich mich auch gefragt!“ Dabei übertreibt sie total.

Anfangs bin ich baff. Ihr Verhalten kränkt mich. Sie hört gar nicht auf damit. Dann gelingt es mir, sie mit Distanz zu betrachten und ich frage mich, was sie mir mit diesem Verhalten spiegeln will. Welch eine Funktion hat dies? Vage dringt in meine Bewusstsein, dass ich einer Traumgestalt gegenüberstehe, die mir auf diese Weise etwas Wichtiges mitteilen möchte. Ihr Auftreten wirkt aggressiv und gipfelt in dem Vorwurf: „Na, du mit deiner Krankheit (Krebs) kannst das ja so machen!“ Womit sie meint, ich könne mir ja unendlich Zeit nehmen, ehe ich zu einem Ergebnis beim Nachdenken komme.

Dann ist es vorbei. Ich bin erleichtert. Zu meiner großen Überraschung setzt die Chefin zu einem Sprung aus dem Stand an, der sie schwupps in anderthalb Meter Höhe auf eine Arbeitsbühne befördert. Dabei kommt die Jugendlichkeit ihres Körpers zum Ausdruck. Sie wirkt echt wie eine Jugendliche. Der Brustkorb zeichnet sich durch die straffe Haut, als sie das Gleichgewicht erlangt, einen Spatel greift und damit weitermacht, die letzten Reste der Wanddekoration vom Putz zu schaben.

Äffchen… sie sah aus wie ein Äffchen, denke ich vergnügt. In meinen Gedanken klingt das wie ein zärtlicher Kosename. Kurz bin ich versucht, ihn laut auszusprechen.

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