Home » Rauhnächte, Traumtagebuch » Wählerische Damen mit Friseursalon

Wählerische Damen mit Friseursalon

Traum:
Kaffee Worpswede 3 Ach du liebe Zeit! Schon wieder habe ich vergessen, dass ich donnerstags das Kaffee Verrückt reinige. Es dürfte einige Wochen her sein, dass ich mich darum kümmerte. Von der Anfangszeit abgesehen, könnte ich mich nicht erinnern, dies überhaupt jemals regelmäßig getan zu haben. Der erste Impuls ist, dies nun auf der Stelle nachzuholen. Ich sehe mich auf der Empore, mit dem Fenster zur „Jugend“, die Tische abwischen. Im Hauptraum rund um den Lebensbaum schaute ich ebenso danach, ob alles in Ordnung ist. Es wäre ganz still und ruhig, solange noch nicht geöffnet ist. Doch sicherlich wird mich die Chefin zur Rede stellen, was sehr unangenehm wäre. Wie wäre es also, wenn ich mich einfach nicht weiter darum kümmere? Falls Rückfragen kämen, könnte ich immer noch darüber klagen, nie einen Anruf erhalten zu haben, bei dem mir mitgeteilt wurde, dass meine Arbeit gebraucht werde. Puuh… zum allerersten Mal gelingt es mir, mit einem guten Gefühl aus dieser Situation herauszugehen. Welch eine Erleichterung.

Ganz überraschend besucht mich der Immobilienmakler Wolfram Osmium. Er setzt sich an den Küchentisch; auf einen Stuhl unter der Dachschräge. Aus seinem feinledernen Aktenmäppchen holt er einige Unterlagen und beginnt zu arbeiten. Da bemerkt er den Prospekt, den Mike und ich seit einigen Tagen auf dem Tisch liegen haben. Dieser enthält ein Angebot: ganz in der Nähe – Büdinger Straße – wird ein Friseursalon verkauft. Wolfram liest, ist von dem Angebot begeistert und fragt, ob wir uns schon darum gekümmert haben. Nein, das haben wir nicht, denn als wir darauf aufmerksam wurden, stand das Angebot bereits seit einer Woche und wir rechneten uns keine Chance mehr darauf aus.

Wolfram studiert das Angebot und meint: „Das macht einen sehr guten Eindruck! Ich will die Sache mal in die Hand nehmen.“ Dann greift er zum Telefon. Zuvor bittet er mich um ein Klemmbrett. „Ich bin es gewohnt, die Unterlagen darauf abgelegt bei mir zu tragen, während ich beim Telefonieren hin und her gehe.“ erklärt er. Geschwind reiche ich ihm das Gewünschte und freue mich total, dass er sich darum kümmert. Er wird es clever angehen.

Während des Telefonats geht er hinaus. Die Tür bleibt einen Spalt breit offen, so dass ich (wie vom alten Kinderzimmer aus) hinüber in die Stube der Älteren schauen kann; der Raum, den die beiden Besitzerinnen des Friseursalons innehaben. Wolfram spricht mit den Damen, berührt und betrachtet dabei eine alte, große bauchige Vase mit hellmuscheliger Mosaikoberfläche. Einen Moment neigt sich die Vase und droht umzukippen, aber Wolfram fängt sie rechtzeitig auf. Da dass Gespräch länger dauert, wächst meine Zuversicht auf ein gutes Ergebnis.

Nach einigen Minuten kehrt Wolfram zurück und berichtet: „Die beiden Damen möchten noch warten, bis jemand kommt, der ihnen einen deutlich höheren Preis bietet, als sie verlangen. Sie sind überzeugt, dass dieser Mann kommen wird; und sei es in einer Woche.“

Kaffee Worpswede 5Sehr schade. Da fällt mir ein… und lächelnd erzähle ich mit leiser Stimme: „Ich habe (gestern) geträumt, dass ich diesen Friseursalon übernehme.“ Wolfram schaut mich interessiert an und gleich darauf sitzen wir uns am Tisch gegenüber. Da erscheinen die beiden spirituellen Friseursalondamen – sie ähneln einander wie Schwestern – und stellen sich rechts und links von mir hin. Über den Tisch gebeugt und auf ihren Unterarmen aufgestützt, schauen sie mir neugierig ins Gesicht. Ich schenke beiden ein offenes Lächeln, doch das ist ihnen nicht genug – jedenfalls reagieren sie darauf nicht, so als erwarteten sie noch etwas anderes. Vielleicht ein paar Aussagen meinerseits, die auf eine gewisse Intelligenz schließen ließen? Doch mir fällt so spontan nichts ein, mit dem ich mich vorteilhaft in Szene setzen könnte. Die Frauen wirken auf den zweiten Blick älter als anfangs. Die Frau zu meiner Rechten betrachte ich genauer, wohl weil sie sehr kritisch und prüfend wirkt. Ihre Augen sind teils von altersbedingten Schlupflidern bedeckt und in den Augenwinkeln sehe ich Krähenfüße. Ein wenig erinnert sie an den Hexenkopf bei Kaffee Verrückt… In mir das unangenehme Gefühl, die Erwartungen nicht erfüllen zu können.

Doch da ist die Begegnung vorüber, die Frauen richten sich zum Gehen auf. In diesem Augenblick erscheint die Ältere und bringt ganz überraschend ein Präsent in vierfacher Ausführung mit. Mit Serviettentechnik gestaltete Blumenübertöpfe, die zu zweit/viert nebeneinander auf einem passenden Holztablett stehen. Wilma, sie sitzt am Küchentisch, und ich – links neben ihr – erhalten ein Arrangement, ebenso wie die beiden Friseursalondamen. Wilma schaut wie erstarrt und mit offenen Mund auf das Präsent… Ich weiß, was sie denkt: Wir hatten mit der Älteren vereinbart, dass wir uns nichts schenken. Ziemlich unangenehm ist mir, dass es nach Bestechung aussehen könnte, den beiden Salondamen ausgerechnet jetzt ein Geschenk zu überreichen… Wilma hat übrigens ein etwas andersartig gestaltetes Geschenk bekommen: Emailletöpfchen und einen kleinen alten Küchenherd auf dem Tablett.

Zu meinen Füßen steht ein kleines Geschenktütchen aus bunt bedrucktem Packpapier. Diese ist mit Kleinkram von Moina gefüllt. Doch voller Schrecken sehe ich unter den Kleinteilen auch zwei oder drei Miniaturen, die mit ziemlicher Sicherheit aus der Wohnung der Salondamen stammen! Wenn die Frauen dies bemerken, werden sie denken, ich habe Moina zum vorsätzlichen Diebstahl aufgefordert, nur um mich zu bereichern. Am besten lasse ich mir nichts anmerken.

Wieder allein mit Wolfram in der Küche mit der Schräge. Erst jetzt wird mir bewusst, dass ich immer noch den Frotteepyjama trage. Nicht gerade eine reizvolle Bekleidung. Doch es scheint ihm nichts auszumachen. Er verhält sich sehr charmant.

Die Szene changiert fast unbemerkt zu einem Schlaflager in einem Mannschaftszelt. Thommy legt sich seitlich ausgestreckt zu meinen Füßen, den Kopf aufgestützt. Er trägt einen dunkelblauen Sportanzug und erzählt mit freundlichem Gesichtsausdruck von etwas, das uns daran erinnert, dass er bald Geburtstag hat. Daraufhin sagt Wolfram, er solle ruhig erzählen, denn er würde ihm gerne etwas schenken – er müsse halt darüber informiert sein. Uih, das ist ja echt nett, finde ich.

Mike springt hinzu. Er trägt einen dunkelblauen Jersey-Pyjama. Er hat eine bemerkenswerte Erektion. Ganz selbstverständlich streife ich das Packpapiertütchen an beiden Sisaltragegriffen über den wippenden heißen Stab – es passt wie ein Kondom. Ich arbeite sehr konzentriert; dies ist eine ernste Angelegenheit. Dabei genieße ich die pulsierende Wärme unter meinen Fingern.

Übergangslos finde ich mich in der Küche der Älteren wieder. Am Fenster – Richtung Seiteneingang – steht ein alter großer Küchenschrank aus Holz mit eingearbeiteten Sprenkeln. Ein Mann – ein neuer Geschäftskontakt in 2009 – tritt hinzu. Wir kennen uns erst kurz. Er macht bis jetzt einen sympathischen Eindruck auf mich; wir müssen uns noch kennenlernen, dann wird das sicher angenehm werden. Als ich in sein Gesicht blicke, fällt mir seine stark verschmutzte Brille auf. Ich nehme ihm diese ab, um sie zu reinigen. Während er zur Toilette geht, beginne ich die Grundreinigung, tauche die Brille in warmes Spülwasser und reibe die Gläser mit einem Lappen. Vor allem am unteren Glasrand hat sich eine starke Fettschicht, wie von Küchendünsten, abgesetzt. Staub hat sich darauf abgelagert. Eine schmierige Sache, aber dank des Spülmittels kein Problem. Etwas Vorsicht ist am Gestell angebracht. Der Mann hat die Gläser am unteren Brillenrand mit Tesafilm fixiert, offenbar ist es ein betagtes Brillengestell und die Gläser sitzen nicht mehr so fest drin. Außerdem schaut ein Stückchen Nylonfaden aus dem Gestell hervor. Ein versehentlicher Zug daran könnte die Brillengläser aus dem Gestell katapultieren. Ich vermute zumindest, dass dieser Nylonfaden eine dichtende Wirkung hat und die Gläser fest im Gestell hält. Letztere Besonderheiten machen es etwas kniffelig – ansonsten wäre es eine entspannende Arbeit gewesen.

Ein paar Notizen:
Blick auf mich selbst während der Tätigkeiten im Kaffee Verrückt kommt aus Lebensbaum-Perspektive
Küche zu Anfang = das horizontal gespiegelte Kinderzimmer mit einer unbekannten, aber doch vertrauten Kücheneinrichtung.
Klemmbrett s. Kieser-Training
Hier in der Nähe gab es kürzlich einen Inhaber-Wechsel im Friseursalon. Tatsächlich drängt es mich derzeit nach einem Friseurbesuch.
Der Küchenschrank muss irgendwo mal existiert haben. Er kommt mir bekannt vor, ohne dass ich die Herkunft benennen könnte.
Die Brille lässt an die bevorstehende Augen-OP denken.

Verwandte Träume:
Entflammtes Zartbitter
Mauern und innerer Schmerz

Tags: ,