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Entflammtes Zartbitter

Traum:
Gegen 17:45 Uhr betrete ich den spirituellen Friseur- und Kosmetiksalon. Die Inhaberin hat viel zu tun – die Räume sind voller Kunden. Ich würde mir gerne die Haare schneiden lassen, habe es jedoch versäumt, mir einen Termin geben zu lassen. Nun hoffe ich, dass sie noch Zeit für den Haarschnitt findet. Damit es auch wirklich schnell geht, werde ich mir schon mal die Haare waschen.

Eigens für Kunden, die ihre Haare selbst waschen, ist eine Brause vorgesehen. Diese befindet sich bei der Garderobe – dort ist gleichzeitig der Übergang vom Wellnessbereich in den Friseursalon und Eingangsbereich. Ich finde es merkwürdig, diese Duschmöglichkeit an dieser Stelle. Der Wasseranschluss befindet sich zwischen den Jacken. Ich ziehe den Schlauch hervor und fange an. Natürlich breitet sich sofort ein nasser Fleck auf dem hellrot-feuerroten Teppich aus. Am liebsten würde ich das Wasser wieder abdrehen – mir erscheint es verkehrt, das Wasser auf den Teppichboden laufen zu lassen. Das kann doch nicht richtig sein?!

Eine Frau, die sich vom Friseurbereich nähert, deutet mit dem Finger auf den Fußboden. Der Friseurbereich liegt eine Stufe tiefer und dort ist der Fußboden extra mit einem Belag ausgestattet, der für Nassräume geeignet ist. Er sieht aus wie feuerrote Gaze aus synthetischem Material. So richte ich den Wasserstrahl mehr dorthin. Das fühlt sich schon besser an. Dennoch… wird es wohl nicht lange dauern, und der Boden ist überschwemmt. Es kann doch nicht richtig sein! Angenommen, noch mehr wollten ihre Haare hier waschen – ist das im Sinne der Inhaberin?

Doch die Inhaberin geht an mir vorbei, ohne dass ihr etwas anzumerken wäre. Ich müsste mal zur Toilette. Und ich sollte mir bald einen Termin geben lassen, wenngleich ich mir wenig Chancen ausrechne, heute noch den Schnitt zu bekommen. So frage ich die Inhaberin: „Wie spät ist es?“ Sie schaut mir daraufhin prüfend ins Gesicht… versucht wohl zu erkennen, ob meine Frage einen vorwurfsvollen Unterton hatte. So ergänze ich etwas bedröbbelt: „Ich habe etwas getrödelt…“
Sie reagiert erfreut und meint: „Das ist gut und lobenswert, dass Sie die Ursache zuerst bei sich selbst suchen!“

Wir gehen gemeinsam in den im Halbdunkel liegenden Wellness-Bereich hinüber. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass mir heute noch die Haare geschnitten werden, denn auf den Matratzenlagern in diesem Bereich liegen reichlich Frauen und Männer, die noch behandelt werden. Einige ruhen sich aus, manche lesen oder lassen eine Gesichtspflegemaske einwirken.

Eine der Frauen, sie begegnete mir bereits bei der Dusche, ist im Begriff, sich zu ihrem Mann zu legen. Mit forschendem Blick fragt sie mich, ob ich schon eine Annonce aufgegeben habe. Sie hält mir eine aufgeschlagene Drogeriezeitschrift entgegen. Diese kenne ich noch gar nicht. „Nein, ich habe noch keine Annonce aufgegeben.“ Bisher sah ich dafür keine Notwendigkeit. Die Frau empfiehlt mir, es zu tun. Mein Interesse daran ist auch tatsächlich erwacht – ich will mich gleich die nächsten Tage darum kümmern. Die Frau legt sich zu ihrem Mann.

Im nächsten Moment sitzen alle hier Anwesenden und ich um einen Tisch herum, der noch tiefer im Wellnessbereich zu finden ist. In den Gesichtern spiegelt sich das Flackern eines offenen Feuers wider… – ganz besondere Stimmung, so als entflamme sich gerade etwas in uns.

Auch die Inhaberin und ihr Mann, ein schlanker Afro-Inder, sitzen bei uns. Der Afro-Inder sitzt mir gegenüber. Er wirkt sehr aufgeweckt und hat kluge, tief gefurchte Gesichtszüge. Im Moment verteilt er kleine Schokoladentäfelchen – alle in dunkelbraunem Papier verpackt, das mal hellrot, mal dunkelrot (Zartbitter?) umrandet ist. Jedem wird ein Täfelchen zugeworfen. Oh, wie nett. „Vielen Dank!“ Daraufhin wirft er mir in schneller Folge immer mehr Schokotäfelchen zu. Rasch sammelt sich ein kleiner Haufen in meinem Schoß. Ich fühle mich übertrieben beschenkt. Warum bekomme ich denn so viel? Soll ich die Täfelchen weiterreichen? Der Afro-Inder richtet eine Frage an mich, die ich nicht verstehe. Dabei macht er den Eindruck, als sei er sehr ungehalten über meine Naivität. Doch er hält seinen Unmut zurück. Ich habe weder seine Worte noch seine Intention verstanden. Um ihn nicht weiter zu verärgern, antworte ich dennoch auf seine unverständliche Frage mit einem „Doch doch!“ dem ich einen überzeugten Unterton zu verleihen suche. „Na also…“ erwidert der Afro-Inder – und es ist gut.

September

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2 Antworten zu Entflammtes Zartbitter

  1. Lauter tolle Frisuren das ganze Jahr 2009 hindurch wünscht Ihnen ganz herzlich
    B&M :-)

  2. REPLY:
    Lieber B&M, vielen Dank – endlich mal Frisur tragen, statt immer nur “Haare”. :-))

    Ich finde, ein Friseurbesuch hat viel mit Traumarbeit gemeinsam. Man sieht sich da oft im Spiegel, wie man sich freiwillig eigentlich nicht sehen will. Doch hinterher, wenn man den Salon verlässt, fühlt man sich in mancher Hinsicht grundgereinigt und befreit. ;-)
    man = ich
    Alles Gute für Sie, wünscht die Traumzeit