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Mohnröte und der Rat des Amtsschreibers

Traum:
Nach unbenennbar vielen Jahren verlasse ich endlich einen alten Raum. Es ist wie ein Wachwerden, während dem mir bewusst wird, dass ich diesen Raum längst hätte aufgeben können. Alle Sachen müssen raus.

Ein altes Mütterlein ist an meiner Seite – wir kennen uns schon lang, haben uns jedoch Jahre nicht gesehen. Wir hocken am Boden und sammeln Blumen vom Teppichboden. Es sind weich behaarte kräftige Stiele und großblättrige rote Blüten. Ein wenig erinnern sie an Mohnblumen. Die Außenränder der Blütenblätter sind an der Unterseite von einigen mohnroten Sporen gesäumt – diese fallen besonders ins Auge. Schon wegen der roten Farbe müssen die Pflanzenteile sorgfältig aufgesammelt werden. Vor allem die prallen Samenkapseln, die dazwischen liegen, müssen vorsichtig genommen werden. Falls sie aufbrächen, färbte der rote Blütenstaub den Teppich und es gäbe Probleme, dies wieder zu beseitigen.

Irgendwann tauche ich von dieser Arbeit wieder auf. Erst jetzt schaue ich mich im Raum um. Eine Reihe verschiedenartiger Tische stehen hier herum. In einer Ecke zwischen Fenster und Schrank sitzt ein alter Amtsschreiber. Sorgsam und bedacht trägt er die Werte der Möbelstücke in ein Buch ein. Nun schaut er auf, weist mit dem Schreibstift auf einen ganz bestimmten Tisch und sagt: „Den würde ich behalten.“

Es ist kein sonderlich wertvoller Tisch. Schick ist er auch nicht; ein Modell aus den 70ern. Dennoch habe ich ein gutes Gefühl bei seinem Anblick… Er gefällt mir, denn er ist schmal und unauffällig. Außerdem hat er eine zusätzliche Ablage. Gut geeignet für mich. Schon die Vorstellung, an diesem Tisch zu sitzen und zu schreiben, löst gute Gefühle aus. Ich werde den Rat des Amtsschreibers befolgen.

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