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Mauern und innerer Schmerz

Traum:
In einem unbekannten Gebäude. Ein Fest. Die Räume der Wohnung sind mit Gästen gefüllt, die mir unbekannt sind, aber doch vertraut erscheinen.

In einem Nebenraum ein Tisch mit weißem Tischtuch. Dahinter ein dienstbarer Geist, der zu vorbestimmten Zeiten Speisen ausgibt. Jetzt nicht. Allerdings erlaubt er mir mit gutgelauntem Lächeln, ein Porzellanschälchen unter dem Tisch hervorzunehmen und mit ein paar Salatgurkenscheiben zu füllen. Diese Situation bringt mich zum Lachen.

Nun in einem Vorraum – lang und schlauchartig. Vor einer Wand steht ein kleiner runder Katzentisch, an dem zwei Verwandte sitzen. Einige andere stehen wartend herum. Da es nicht weitergeht, bleibt Zeit, die Wand zu betrachten:

Die Struktur des Mauerwerks ist deutlich zu erkennen. Es wurde mit Gazestreifen belegt und anschließend mit wasserabweisender hellgelber Farbe (#ffffcc) gestrichen. Eine sauber ausgeführte Arbeit. Der Anblick hinterlässt – vor allem wegen der rauen Gazeoberfläche – ein angenehmes Gefühl.

Dann erscheint ein Mann; ich vermute, er ist Immobilienmakler. Die Ähnlichkeit mit Paul Potts bemerke ich im Traum noch nicht. Aha, endlich jemand, der uns ganz offiziell die weiteren Räume zeigen wird. Doch noch steht er da und wartet auf etwas… Als von den Anwesenden keine Reaktion erfolgt, fragt er: „Haben sie die Wand betrachtet?“

Klar, habe ich das – deshalb sage ich jetzt auch nichts. Er schaut mich an, keiner reagiert auf seine Frage… Inzwischen macht er den Eindruck, als wolle er seinen Kopf gegen die Wand schlagen und laut gen Himmel flehen: „Guter Gott, gib ihr Hirn!“ Und damit wäre ich gemeint!

Da laufen alle zu ihm hin, zeigen deutliches Interesse, woraufhin er sich wieder entspannt. Er erklärt uns die Mauer. Dabei wird mir schnell klar: die muss wieder weg! Die Mauer war hier ursprünglich nicht vorgesehen.

Während der Makler seine Erklärungen fortsetzt, mache ich mich schon mal alleine auf den Weg. Gehe einen langen Korridor entlang, der die Fortsetzung des schlauchartigen Vorraumes bildet, und gelange schließlich in zwei abgelegen liegende Hinterzimmer. Es ist förmlich zu spüren, dass sich hier seit langer Zeit nichts mehr bewegt hat. Die Tapeten sind stark nachgedunkelt; ihr Türkis hat dadurch eine deutlich dunkelgrüne Tönung erhalten. Von der Zimmerdecke abwärts lösen sich die Tapetenbahnen von der Wand.

'Präluzide Liebe' von Traumzeit Ich durchquere das Zimmer und gelange in das zweite Hinterzimmer, das dem ersten stark ähnelt. Doch hier stehen einige aneinander gestellte Holztische.Diese bilden die Bühne für einen jungen Mann, den ich aus einem anderen Traum kenne. Abraham. Dort steht er; ein Sänger bei einem Livekonzert. Er richtet seine Worte an ein großes Publikum, das deutlich spürbar ist, jedoch weder sichtbar noch hörbar. Sie befinden sich jenseits der Außenwand dieses Raumes, die völlig durchlässig ist. Das Publikum scheint unzufrieden und Abraham setzt zu einer flammenden Rede an, welche die Stimmung allerdings nicht bessert.

„Okay“ sagt er „dann hole ich mir jetzt vor euren Augen einen runter, damit ihr wisst, dass es mir ernst ist.“

Das kann ich kaum glauben, doch da öffnet er bereits den Reißverschluss seiner Hose und beginnt mit langsamen Bewegungen zu reiben. Tatsächlich kommt es zu einer Erektion, während er sich bis zum vorderen Bühnenrand/zur Außenwand bewegt. Dabei sehe ich ihn mehr seitlich, kann aber dennoch deutlich in seine dunklen Augen schauen, die sich auf das Publikum richten. Als ich den tiefen Schmerz darin erkenne, spüre ich heftige Betroffenheit und Mitgefühl. Von einem unerwarteten Gefühl der Liebe durchströmt, mache ich eine Bewegung vorwärts, und knie mich auf meine blaue Couch, die an den Bühnentisch angrenzt. Die Rückenlehne zeigt in Richtung Publikum/Außenwand und schützt mich somit vor den Blicken der Außenstehenden.

Erst jetzt bemerkt er mich… Etwas Bedeutsames geschieht in diesem Moment. Ich spüre, wie sich seine Leidenschaft dem Publikum entzieht, er innehält und schließlich wie fragend in meine Richtung geht. Unsere Blicke treffen sich. Mit einem Male stöhnt er vor Verlangen auf und in seinen schwarzen Augen lodert ein verzehrendes Feuer auf. Nach kurzem Zögern gibt er einen inneren Widerstand auf und schiebt mir seinen festen Stab in den Mund. Der heiße Saft schießt bald in alle Richtungen. Genau in diesem Moment treten der Makler und seine Gäste in den Raum.

Ich schaue mich nicht um, vermute aber, dass Mike unter den Leuten sein wird. Au wei, wenn er mich in dieser Situation wiederfindet, könnte es unangenehm werden! Wie blind stürze ich von der Couch und will wegrennen – in eine Richtung, die nicht weiterführt. Abraham will mich nicht gehen lassen, aber ich sage hektisch: „Nee, nix, lass mich gehen…“

Gefühl der Sammlung und Ruhe, als ich nun draußen stehe. Vor einem Gebäude wie am Goetheplatz – ich vermute, es ist die Fassade, hinter der sich die beiden Hinterzimmer finden. Auf dem Bürgersteig wurden einige schwere Einrichtungsgegenstände abgestellt.

Sperrmüll? Nein, wohl eher Ausrangiertes, zum Mitnehmen für interessierte Passanten. Mike, ein guter Bekannter von mir, steht bereits dort und betrachtet einen Deckenleuchter. Genauer gesagt, ist es eine Leiste aus schwerem Messing, die mit einigen schweren Lampenschirmen bestückt ist. Die Leiste machte einen kehrtwendenden Bogen. Sehr schweres Teil, ich frage mich, wie man so etwas an der Zimmerdecke befestigen kann?

Hey, da entdecke ich etwas direkt vor meinen Füßen. Es ist ein altes Gestell, ebenfalls aus schwerem Messing, das einstmals einen großen gilben Globus enthalten hat. Nun ist nur noch das Gestell da: ein Standbein und einige Messingbänder, die Längen- und Breitengrade anzeigen. Das Gestell ist in der Mitte auseinandergeklappt. So stehen zwei halbe Kugeln aus Messinggitter vor mir – mit der Öffnung nach oben. Und dabei ein wenig an eine Waage erinnernd. Echt riesig!

Kopfschüttelnd sage ich zu Mike: „In meiner Wohnung gibt es nicht ein einziges Möbelstück, das die Ausmaße hätte, dieses Teil zu tragen!“ Ich überlege, ob ich die Wahrheit sage… stelle mir meinen größten Schrank vor, und wie ich das Teil darauf abstelle… Nein, wirklich nicht. Dieses Ding ist einfach überragend.

Juni

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