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Homo homini lupus

Traum:
Im Auto der Älteren unterwegs. Sie sind auf dem Weg zum Preisskat. Beide sitzen auf der Rückbank, eine nicht erkennbare Kraft lenkt das Fahrzeug. Ich blicke körperlos aus der Fahrzeugmitte in Richtung Fahrersitz, da ich mich gleich, nachdem die Älteren ausgestiegen sind, ans Steuer setzen werde. Bereits jetzt bemerke ich, dass die Bremsen nicht gut funktionieren.

Dann setze ich das Fahrzeug zurück. Auf der Rückbank sitzen Moina und die Großmutter. Ich nehme wahr, dass ich eine senffarbene Limousine fahre. Die Bremse ist wie ausgeleiert – ich trete voll durch, doch der Wagen ist nicht zum Halten zu bringen, da das Gelände etwas abschüssig ist. Sowas Blödes! Die Großmutter sagt, ich solle mal bremsen, doch das ist gut gesagt… Wir legen dann doch noch eine kurze Strecke unseres Weges mit diesem Auto zurück. Doch wegen der unsicheren Bremsen steigen wir bald aus und machen uns zu Fuß auf den Weg.

Moina und Großmutter folgen mir in etwa zwanzig Meter Abstand. Rechts ein Steilhang. Der Blick dorthin geht in unergründliche Weiten… und Tiefen! Wir scheinen uns auf einem Weg in mehreren tausend Metern Höhe zu befinden. Der Steilhang ist mit Gras und kleinem Bäumen bewachsen, die dennoch kaum Halt bieten dürften. Ich drehe mich um und rufe der Großmutter zu, sie solle auf Moina achtgeben, hier sei ein gefährlicher Steilhang!

Nach wenigen Schritte klafft ein großer Spalt in der Fahrbahn. Ich wage einen Blick hinein… ein ähnlicher Ausblick wie nach rechts – so als befänden wir uns auf einem ins Freie herausragenden Vorsprung. Mit einem Male packt mich so etwas wie Höhenangst und ich befürchte einen Absturz. So lege ich mich lang auf den Bauch und warte einen Moment, bis ich mich wieder gefangen. Rufe gleichzeitig nochmals der Großmutter und Moina zu, dass hier Absturzgefahr droht – Vorsicht!! Ich warte ab, bis für mich erkennbar wird, dass sie diesen gefährlichen Punkt unbeschadet hinter sich lassen werden und setze dann den Weg fort.

Als ich den Rand eines dörflichen Gebietes erreiche, wird es langsam dunkel. Ich stelle mich hinter einen Zaun am Straßenrand. Dieser ist aus längs halbierten, geschälten schlanken Baumstämmen gelegt. Von dort schaue ich hinüber zu einem dunklen Fichtenwald, dessen Konturen sich in der Dämmerung schattenrissartig vor dem dunkelblauen Himmel abheben. Rechts neben mir steht ein schweigender Mann. Anfangs bemerkte ich etwas nicht, richtete meine Aufmerksam nach rechts die Straße hinab, von wo ich Moina und die Großmutter erwarte.

Direkt vor meinen Füßen, genau unter dem Zaun, schält sich ein junger Wolf aus dem Zwielicht… Wenn ich im ersten Moment auch glaube, er müsse von rechts gekommen sein, so kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass er bereits da war, als ich mich hier hinstellte. Ich beobachte ihn, um sein Verhalten besser einschätzen zu können. Ob er beißt? Er wuselt hin und her, etwas aufgeregt. Und plötzlich – ohne ersichtlichen Grund – bleckt er seine spitzen Zähne, zieht scharf knurrend die Lefzen hoch und versucht mich in Hand oder Arm zu beißen!

„Weg hier!!“ rufe ich dem Mann mit ängstlich mit erhobenen Händen zu. Das ist viel zu gefährlich hier. Doch der rührt sich nicht von der Stelle und sagt kein Wort. Ich kann hier unmöglich auf Moina warten, liefe sie doch so dem Wolf direkt in die Arme. Ich warte einen geeigneten Moment ab und mache mich ganz unauffällig auf den Weg. Ein prüfender Blick zurück zeigt, dass der Wolf mir nicht folgt! Puh, was für ein Glück!

Bald mündet die Straße auf eine landwirtschaftliche Hofanlage und der Weg führt direkt in eines der großen Wirtschaftsgebäude hinein. Es ist Nacht. Mike ist an meiner linken Seite. Wir überqueren die Diele und öffnen die vor uns liegende Zwischentür. In dem vor uns liegenden Raum ist es stockdunkel; es ist absolut nichts zu erkennen. Ich weiß allerdings, dass hier nachts auf Hochtouren gearbeitet wird – in der Dunkelheit. Zwar ist nichts zu hören, aber die Arbeiter sind sehr deutlich wahrzunehmen.

Als wir die ersten Schritte hinein wagen, hoffe ich, dass die anwesenden Arbeiter und der Vorarbeiter uns nicht für unerwünschte Eindringlinge halten und uns zur Strecke bringen wollen. Wir sollten sicherheitshalber schauen, ganz schnell das Licht einzuschalten! Die Räumlichkeiten sind mir sehr vertraut, so als kenne ich sie von Kindesbeinen an. Links an der Wand ist ein alter schwarzer Kippschalter… Doch da geht das Licht bereits an – die Arbeiter waren schneller.

Der Vorarbeiter schaut her, erkennt uns und sagt spöttisch: „Na, auch in der Nacht im Einsatz?“

Total erleichtert antworte ich: „Ja, tatsächlich! Wir führen einen Auftrag aus und wollen schauen, ob die Abläufe hier reibungslos vonstatten gehen.“ Mit diesen Worten machen wir einige Schritte und gelangen an eine weitere Tür. Es ist eine Stahltür, die in einen Kühlraum führt – sie steht offen. Gleich hinter der Schwelle liegt ein großer weißer Stoffsack, der prall mit rohen Fleischstücken gefüllt ist. Der Stoff des Sackes ist von Blut und Fleischsaft getränkt. Daneben steht ein Schlachter mit langer heller Gummischürze und grauweißer Kappe. Er ist damit beschäftigt, das ganze Fleisch einzuordnen. Ich steige mit einem ausholenden Schritt über den Fleischsack. Doch da liegt bereits ein weiterer Fleischsack im Weg. Er hat sehr große Ausmaße und das Baumwollgewebe ist zusätzlich mit Polyesterfasern gestärkt. Auch dieser Sack ist prall mit rohen Fleischstücken gefüllt. Es führt kein Weg daran vorbei! Ich muss darüber klettern und hinnehmen, dass meine schwarze Hose mit dem von Blut und Fleischsaft triefenden Sackstoff in Kontakt kommt. Meine Hose wird die Flüssigkeit annehmen und ich werde dann diesen Fleischgeruch an mir haften haben. Eine Vorstellung, die Widerwillen weckt. Doch es geht nicht anders. Da der Sack so riesig ist, trete ich sogar auf einer Ecke drauf! Es ist mir unangenehm, mit Straßenschuhen auf das Fleisch zu treten, es schüttelt mich geradezu… Puh, bin ich froh, als das hinter mir liegt!

Es geht weiter. Durch eine weitere Tür verlasse ich den Kühlraum und gelange in ein ganz still daliegendes Hinterzimmer. Alles liegt im nächtlichen Dunkel, nur hier und da von mildem Schein erhellt. In einer Ecke ein Monitor, wie ein Buch aufgeschlagen. Als ich das sehe, erkenne ich, dass ich mich in Herrn B&Ms Schreibzimmer befinde. Seine körperliche Hülle ist anwesend und er schaut interessiert zu mir her, aber ohne jegliche Reaktion, die darauf schließen ließe, dass Herr B&M wirklich anwesend wäre. So schaue ich mir in Ruhe an, woran er gerade geschrieben hat:

Eine Abbildung zeigt Bilder, die in aktuellen Beiträgen von fünf befreundeten Bloggern enthalten sind. Diese sind fächerartig angeordnet. Darunter steht der Name der Urheberin: Katiza, Nanou, Twoblogs, Anousch, den vierten Namen kann ich nicht erkennen. Ich wundere mich kurz warum dort nicht Traumzeit steht. Ach so, ja, ich habe im Augenblick ja gar keine Zeit dafür. Herr B&M hat einen ausführlichen Beitrag geschrieben, der eine Synthese der aktuellen Beiträge der fünf BloggerInnen darstellt. Aha, so langsam dämmert mir, dass er dies als Gelegenheit für eine Schreibübung nimmt. Es stellt ja eine kleine Herausforderung dar, diese fünf sehr unterschiedlichen Beiträge zu einem harmonischen Ganzen zu formen. Doch das ist ihm sichtlich gelungen.

Da kommt mir der Wolf wieder in den Sinn! Nicht, dass er uns gewittert hat?! Oder schlimmer noch, dass er auf Moina aufmerksam wurde! Ich laufe einen Gang entlang, der parallel zu den anfangs durchquerten Räumen gelegen ist, und gelange zurück zur Diele. Als ich ankomme, bietet sich mir folgender Anblick:

Moina hatte gerade die Diele betreten und ist in diesem Moment im Begriff wieder hinaus zu laufen. Sie sieht so zart und mädchenhaft in ihrem lichtweißen Kleid und den Spangenschuhen aus. Ihre Haare kringeln sich goldig. Sie weiß von dem Wolf und sie sucht seine Nähe. Da der Wolf sie noch nicht gefunden hat, singt sie ein fröhliches Lied, um den Wolf zu rufen. Ihre Stimme ist so hell und glockenklar – sie durchdringt die Nacht. Ehe ich reagieren kann, läuft Moina raus ins Dunkel. Genau in die Richtung, wo ich dem Wolf vorhin begegnete…

NEIN!!

Notiz:
Gestern die ersten Minuten angesehen:
Earthlings

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