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Mariannchen in der Baracke

Traum:
Im hellen Zwielicht. Da sich das Elternhaus zwischenzeitlich einer Neuordnung unterworfen hat, nutze ich doch gleich mal die Gelegenheit, mir das näher anzusehen. Meine Eltern sind ja zur Zeit nicht hier – so liegt alles ganz still und verlassen…

Durch den neuen Grundriss bildete sich ein neuer Hauswinkel. Mal probieren, ob ich dort mein Fahrrad parken kann! Ich schiebe es hin, und der Vorderreifen hinterlässt einen scharf konturierten Abdruck des Profils auf dem frisch geharkten Untergrund. Nur leider reicht die Nische nicht, die Hälfte des Hinterrades ragt hervor. So schiebe ich mein Rad zurück, quer über den Privatweg hin zu den Nachbarn. Dort, auf einem Grünstreifen vor dem Haus, steht mein Nachtschränkchen. Zwei Frauen schauen in die Schublade, ich hocke mich dazu und wähle einen gelben BH. Mit diesem in der Hand setze ich meinen Weg fort.

Mitten auf dem Weg begegne ich Mike. Er sagt, er wolle sich um eine Teilnehmerin kümmern. Da sein Vorhaben außerhalb der Arbeitszeit stattfindet, erweckt es mein Misstrauen… Warum will er sich in seiner Freizeit in seiner Funktion als Bildungsbegleiter um diese Frau bemühen? Sehr wahrscheinlich doch deshalb, weil es sich bei dieser jungen blonden Frau polnischer Abstammung um eine ziemlich erotisch wirkende Person handelt. Kurz prizzelt Eifersucht in mir hoch… Natürlich möchte ich sein Handeln nicht einschränken und distanziere mich deshalb vom Impuls, ihn verärgert zur Rede zu stellen. Ich lasse ihn, nachdem ich mich wieder habe, vertrauensvoll gehen.

Nach kurzer Zeit finde ich mich an einem anderen Ort wieder. Dort stehen zwei Schaustellerwagen nebeneinander. Beide sind nach vorne hin geöffnet. Im linken Wagen sehe ich dann auch die polnische Blondine. Sie schaut anders aus, als ich erwartet hätte: Sie ist sicherlich 3 m groß und hat eine bemerkenswert männliche Ausstrahlung. Als ich sie klar erkenne, stelle ich fest, dass es sich um einen Transvestiten handelt. Kaum vorstellbar, dass dies das Abbild von Mikes Anima sein könnte. Ich glaube, meine Sorge war unbegründet.

Im Dunkel der Nacht eine ausgedehnte Baracke mit vielen Abteilungen und Nischen. Der Untergrund ist einfacher festgetretener Erdboden. Nicht alle Räume haben elektrisches Licht. Ich suche einen Raum auf, der etwa Süd-Ost liegt. Die Tür lasse ich offen stehen – eine Glühbirne, zwei Räume weiter, lässt nur wenig Licht eindringen. Mit mir im Raum eine unbenennbare Frau, deren Präsenz ich kaum registriere. Ich habe meinen Pulli ausgezogen und bin dabei, mir den gelben BH anzuziehen.

Da schaut Carl herein. Ja hey, wir haben uns jahrelang nicht gesehen – na, so eine Überraschung! Ich verspüre große Freude. Fast im gleichen Augenblick fällt mir mein fortgeschrittenes Alter ein… Ich senke den Kopf, um mein faltiges Gesicht hinter den Haaren zu verbergen. Bin aber unentschlossen, denn wie soll er mich erkennen, wenn ich mich nicht zeige? So hebe ich den Kopf, aber er erkennt mich trotzdem nicht. Oje, wahrscheinlich erkennt er mich nicht, weil mein Gesicht so stark gealtert ist! Der Gedanke fühlt sich nicht gut an. Zudem wünsche ich mir so sehr, das vertraute „Mariannchen“ von ihm zu hören. Ich kann fast nicht glauben, dass er es immer noch nicht ausspricht. Ja, dass er mich immer noch nicht erkennt! Carl zieht sich aus dem Raum zurück. Ich kleide mich an, gehe hinaus auf den Gang und trete dann hinaus in die Nacht. Carl müsste mich eigentlich auch von hinten erkennen. Fast erwarte ich, ihn „Mariannchen“ sagen zu hören. Doch er sagt es nicht, und sehr wahrscheinlich hält er sich auch gar nicht mehr hinter mir auf. Mit einer tiefen Traurigkeit, die aber so leise ist, dass sie trotz ihrer Tiefe im Hintergrund bleibt, setze ich mit langsamen Schritten meinen Weg fort. Ich hätte es so gerne noch einmal gehört… Mariannchen…

Notiz:
Im Traum komme ich nicht auf den Gedanken, dass er mich aufgrund der Dunkelheit nicht erkennt.

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