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Zerstörtes Sprachzentrum

Traum:
Vor der Haustür der Geweyhten. Zwei Frauen und ich warten darauf, dass uns geöffnet wird. Bei den beiden Frauen handelt es sich um Bekannte der Geweyhten. Ich würde mich am liebsten gleich wieder verdrücken. Einerseits könnte ich mir besseres vorstellen, als hier meine freie Zeit zu verbringen, andererseits habe ich ein schlechtes Gewissen, da ich mich seit Jahren nicht mehr um die Geweyhte gekümmert habe. Und das, obwohl ich mit ihr vereinbart hatte, dass ich einmal wöchentlich in ihren Haushalt nach dem Rechten schaue. Irgendwann, vor einigen Jahren, hatte ich es einfach nicht mehr getan… nie mehr. Wie unangenehm… wie soll ich ihr das bloß erklären?

Doch die beiden Frauen verhindern meine Flucht. In diesem Moment öffnet sich die Tür und wir werden eingelassen. In dem perspektivisch verformten Wohnzimmer sehe ich zwei Freundinnen der Geweyhten, ziemlich weit entfernt. Sie erzählen… – und währenddessen tut sich vor meinen Augen ein Abgrund auf, in dessen flach gelegener Mitte das Gitter-Krankenbett steht. In dem Bett liegt die Geweyhte mit weit offenem Mund, der wie ein weiterer, wenn auch kleinerer Abgrund scheint, der sich längst aufgetan hat. Die Frauen erzählen also, sie haben der Geweyhten eine Tablette gegeben.

Es sei nämlich so, dass zwischenzeitlich das Sprachzentrum der Geweyhten zerstört worden sei. Sie bringe kein einziges Wort mehr zustande. Diese Tablette nun hebe die Zerstörung für eine kurze Zeit auf. Dabei handelt es sich um eine Tablette, die wegen ihrer Zusammensetzung nur ausnahmsweise mal gegeben werden dürfe. Wir könnten jetzt also miteinander sprechen. Mir wäre es allerdings viel lieber, sie könnte auch jetzt nicht sprechen, da ich mir dann keine Vorwürfe anhören müsste.

Notiz:
Dazu fehlen mir die Worte…

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2 Antworten zu Zerstörtes Sprachzentrum

  1. Ich habe diesen Traum, liebe Marianne, schon mehrmals gelesen. Vom ersten Mal hatte ich DIE Geweyhten in Erinnerung. Dieses Wort beschaeftigte mich zwischendurch immer wieder. DIE Geweyhten! Ich schwankte zwischen einer Verbindung mit Geweyh und Weyhrauch. Also die mit einem Geweyh Versehenen; dazu kam noch Weyhrauch, der sie umgab. Auch „wiehern“ tauchte auf, wiehernde Geweyhte, im Weyhrauchnebel.

    Jetzt nehme ich zum ersten Mal wahr, dass es sich ja nur um eine einzige Person handelt, eine Frau. Dass es sich dabei ja gar nicht um eine Person mit mit einer besonderen religioesen Berufung handelt, sondern um eine anscheinend Hilflose, die umsorgt werden sollte, ein Umstand, der schlechtes Gewissen erzeugt.

    Dann dieses Schreckbild der Geweyhten mit den offenen Mund! Offene Muender will ich ja nie sehen; sie bedeuten nichts Gutes.
    Wie praktisch – und zugleich weiter erschreckend -, dass fremde Personen sich dieses offenen Mundes bedienen koennen, um mittels eines Medikaments Einfluss auf den Hirnzustand der dort Liegenden nehmen und so sogar das Sprachzentrum manipulieren koennen.

    Enttaeuscht hat mich der Schluss, da ich erwartet habe, dass sich die Geweyhte nun erheben wuerde, wie es ja bei Heilungen ueblich ist, und dann eine Prophezeiung von sich gibt. Ich dachte dabei gleich an eine Stimmenhoererin. Von ihr haette gern einen erloesenden Satz gehoert, etwas so: „Ich kann damit leben, dass ich Stimmen hoere. Meistens freue ich mich sogar darüber. In der Regel koennen mich die den Stimmen nicht beherrschen, sondern ich beherrsche sie.”

  2. REPLY:
    Liebe Audrii, was hast Du mir da für einen schönen langen Kommentar geschenkt! Dazu möchte ich etwas schreiben, aber das schaffe ich nicht in der üblichen Internetgeschwindigkeit. So bitte ich um ein wenig Geduld, okay?! Bis dahin, einen lieben Gruß – Marianne