Home » Traumtagebuch » Wir singen Landschaften

Wir singen Landschaften

Traum:
Heute nehme ich Gesangsstunden bei meinem väterlichen Lehrer. Genauer gesagt, soll ich heute die Noten lernen. Dazu suche ich das Privathaus auf – gediegen, viele Räume, gedämpfte Atmosphäre, Möbel aus starkem Holz. In einer unterbelichteten Ecke verlaufen zu beiden Seiten mehrere Notenblätter an der Wand. Der Mann erklärt mir die Noten. Zur Anschauung wählt er nicht die üblichen Notenzeichen, sondern bunte stilisierte Elemente aus der Natur. Jedes Natursymbol steht für ein bestimmtes Notenzeichen. So entstehen aus den einzelnen Teilen – sie zeigen Hügel, Büsche, Blumen und Gräser – eine Landschaft zum Nachsingen. Ich bin von dieser Idee ziemlich begeistert und sage: „Da singen wir also Landschaften!“

Der junge Gehilfe des väterlichen Gesangslehrers steht kopfschüttelnd bei uns, verliert aber kein Wort. Er bevorzugt die althergebrachten Notenzeichen. Ja, mir gefällt das Landschaftssingen, denn so entstehen je nach Melodie ganz unterschiedliche Landschaftsformen – es ist einfach wundervoll!

Es dauert nicht lang, da habe ich den theoretischen Teil verstanden und mein Gesangslehrer ruft nach seiner Familie. Seinen jungen Töchter eilen herbei, ordnen den Raum, ziehen die Türen zu und flauschige rosa Vorhänge – sie duften frisch gewaschen, wirken angenehm griffig – vor die Fenster. Ich vermute einen Zusammenhang mit der angestrebten Akustik. Während ich den emsigen Töchtern zuschaue, denke ich an all die vielen Räume in diesem Haus. Sie müssen alle in Ordnung gehalten und gereinigt werden. Mir wäre das in diesem Ausmaß viel zu viel.

Die Töchter wenden bald ein, dass diese Gesangsstunde gar nicht notwendig sei. Doch der Hausherr und Lehrer beharrt darauf: Der praktische Teil diene ja allein schon der Anschauung, wie die Notenlandschaft zu singen sei. So ist es hier ganz gemütlich, obwohl die Töchter sich nicht gleich fügen wollen.

Tags: