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Balkonszenen

Träume:

Irrtum?

Eine alltägliche Verrichtung führt mich auf den Balkon in der ersten Etage. Rein zufällig, und nur aus dem Blickwinkel, bemerke ich die Blicke eines Paares, das in einem Auto sitzt, dass direkt vor dem Balkon hält. Vermutlich befindet sich eine Ampelkreuzung unter dem Balkon, oder vielleicht die Einfahrt in eine Tiefgarage. Das Auto hält und die beiden schauen lächelnd zu mir hoch. Ja, sie winken sogar! Ihren Gesichtern sehe ich an, dass sie mich wiedererkennen! Spontan und mit einem freudigen Gesichtsausdruck winke ich zurück, so als würde auch ich sie wiedererkennen!

Wie peinlich… ich kenne die Beiden wirklich nicht. Oder vielleicht doch und ich müsste nur noch mal genauer hinsehen? Hm, wenn ich jetzt allerdings nochmals zu ihnen schaue, dann erwarten sie sicherlich ein Entgegenkommen meinerseits, da sie dann davon ausgingen, dass ich sie erkannt habe. Also halte ich mich zurück, um sie nicht zu enttäuschen.

Nun riskiere ich doch noch einen kleinen Blick… Mist! Das Paar schaut immer noch zu mir her und mein erneutes Erscheinen lässt sie noch erfreuter dreinblicken und winken. Meine Güte, ist das peinlich…

Klammes Gefühl im Neuland

Die Älteren haben sich vor wenigen Minuten – nach einem mehrstündigen Besuch bei mir – mit dem Auto auf den Heimweg gemacht. Moina auf der Hüfte tragend, laufe ich einige Stockwerke hinauf, durchquere meine Wohnung und laufe auf den Balkon. Schließlich ist es möglich, dass die Älteren mir noch gerne zuwinken wollen. Ein erster Blick verrät allerdings, dass sie sehr wahrscheinlich schon um die Ecke gefahren sind.

Moina ist nur mit einem Leibchen bekleidet. Es ist ein kühler und trüber Herbsttag, ihre nackte Haut ist ganz kalt und klamm. Zudem hat sie spürbar abgenommen. Sie möchten den Älteren noch nachwinken. Da ich sie nicht viel länger tragen kann, lege ich sie auf dem rohen Balkonboden ab. Auch wenn das kurz ein ungutes Gefühl gibt, als ich mir vorstelle, dass mein eh schon durchfrorenes Kind nun auch noch auf dem kalten harten Boden liegen soll. Doch dort unten ist eine Aussparung in der Wand, durch die Moina gut hinab in den Hof blicken kann. Im Falle eines Falles würde sie die Älteren dort sehen. Oje, Moina ist allerdings derart abgemagert, dass ich befürchte, sie könne durch diese kleine Öffnung hindurch flutschen und hinab stürzen. Zwei Mal ziehe ich sie also von der Öffnung zurück, und zwei Mal robbt sie wieder hin. Nein, das geht so nicht. Besser, wir gehen wieder rein.

Störungen

Mit Moina gehe ich eine Loggia entlang, die an mehreren Wohnungen vorbeiführt. Ganz beiläufig schweift mein Blick dabei nach links, zu den Wohnungen hin. Am Ende der Loggia stehen zwei einfache braune Gartenstühle und ein Tisch. Dort möchte ich, trotz der herbstlichen Witterung, Platz nehmen und innehalten.

Doch kurz zuvor zieht eine Bewegung in der (vor-)letzten Wohnung meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich bleibe stehen. Am rückwärtigen Ende der Wohnung ist eine kleine Kammer. Ein Bett steht darin – viel mehr Platz ist dort auch nicht. Eine Frau – sie trägt ein vanillegelbes Flanellnachthemd mit floralem Muster – springt aus dem Bett und schüttelt die Bettwäsche mit unmutigen Murren kraftvoll auf und legt sich daraufhin wieder hinein. Nach nicht einmal einer Minute springt sie erneut aus dem Bett und das Schütteln der Bettwäsche wiederholt sich. So geht es immer weiter! Sie verbringt den Vormittag im Bett damit, ständig die Wäsche aufschütteln zu müssen. Ganz klarer Fall von Zwangsneurose. Allein das Zuschauen ist schon anstrengend.

Ich ziehe den Blick wieder etwas zurück und bemerke jetzt, dass drei große Fensterscheiben – sie reichen vom Dach bis zum Boden – die Hauswand zur Loggia bilden. Schlussfolgerung:
drei Scheiben = drei Bewohner

Die mittlere Scheibe rührt von der Terrassentür. Die Scheibe zur linken Seite ist mit einer klebrigen Schicht überzogen. Mit einem Male weiß ich, dass im links liegenden Bereich der Wohnung ein Agoraphobiker lebt, der diese Wohnung seit Jahren nicht mehr verlassen hat und starker Raucher ist.

Es folgt eine Bewegung im rechten Bereich der Wohnung. Ein Mann lebt dort. Er ist auf mich aufmerksam geworden, weil ich in die Wohnung blicke. Sein Verhalten zeugt davon, dass er völlig normal ist. Es ist ihm lästig, dass ich so neugierig hereinschaue. Er hat auch bemerkt, wodurch meine Neugier ausgelöst wurde: von der Frau mit dem Bettwäscheschüttelzwang.

Also, ganz klar was zu tun ist: Er schließt die Tür zu ihrer Kammer. Oh, welch eine besondere Tür! Es ist eine Holztür, in die auf Blickhöhe eine quadratische Scheibe eingelassen ist, die auf einer Spitze steht. Nach außen hin ist sie verspiegelt, so dass kein Einblick gewährt wird. Die Tür ist mit Holzleisten verziert, die sich ausdehnenden den durch die Scheibe vorgegebenen Linien folgen. Also wirklich, so eine interessante Tür! Gerne würde ich sie länger und näher betrachten. Allerdings ist es möglich, dass der Mann mit dem unauffälligen Verhalten inzwischen auf der anderen Seite der Tür steht und mich durch die Scheibe – von innen ist klarer Ausblick gegeben – beobachtet. Sollte er mich dann immer noch hier stehen sehen, könnte er sich von mir gestört fühlen. Es kostet einiges an Überwindung, mich in Bewegung zu setzen. Aber dann kann ich mich doch lösen und setze den Weg fort.

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