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Herr Bieser?

Traum:
Im Morgengrauen. Vom Hauptraum des Kaffee Verrückt aus blicke ich durch eine Glasscheibe in das angrenzende Nebenzimmer, das kleineren Gästegruppen vorbehalten ist. Zu dieser Zeit ist hier natürlich noch gar nichts los. Mein Blick durchschaut den Raum, geht auf der gegenüberliegenden Seite durch eine Reihe von Glasscheiben wieder hinaus. Dort draußen steht eine Gestalt am Fenster. Das trübe Licht lässt nur einen grauen Schatten erkennen. Ich bin nicht sicher… sehe ich dort drüben mein Spiegelbild oder ist es ein menschliches Gegenüber? Zur Überprüfung hebe ich den rechten Arm hoch. Nein, es ist kein Spiegelbild, denn der Schatten hebt den Arm nicht, sondern wendet sich – sichtlich erschrocken – nach links ab. Offenbar fühlte der Schatten sich unbeobachtet, bemerkte mich erst aufgrund meiner Bewegung. Als die Gestalt nach links aus meinem Blickfeld verschwindet, ist zu erkennen, dass es sich um eine Frau handelt.

Ich gehe ebenfalls nach links weiter und trete in den winzigen Verkaufsraum eines Biolädchens. Die kleine Fläche vor dem Tresen steht voller großer Brotkisten, die gerade geliefert und noch nicht ausgeräumt wurden. Oje, da haben meine Kollegin und ich die frühen Morgenstunden wohl irgendwie vertrödelt… Die Ladentür steht bereits offen und eine erste Kundin tritt ein – nur noch zehn Minuten bis zur Öffnung. Sie führt einen mittelgroßen Hund an der Leine bei sich. Eilig schiebe ich die Brotkisten beiseite, und werfe einige lose umherschwirrende Baguettes mit einer ausholenden Armbewegung auf die übrigen Brote obendrauf, um Platz zu schaffen, damit die Kundin eintreten kann. Optimal ist das so nicht, mit den Broten – wegen der Hundehaare.

Eine Brotkiste ziehe ich mit mir hinter den Tresen und räume die Baguettes in das Regal. Oje, die Regale sind noch gefüllt. Die neue Lieferung wäre gar nicht nötig gewesen! Na, da haben wir ja volles Programm und schwer zu tun! Es wird wirklich Zeit, sich an die Arbeit zu machen.

Schnell husche ich noch hinüber in das Lager, das die Ausmaße eines Tanzsaales hat. Hier wirken die Chefin und meine Kollegin. Ein Kunde durchquert den im Halbdunkel liegenden Saal. Ein bekanntes Gesicht, doch kann ich seinen Namen nicht erinnern. Davon völlig unbeirrt grüße ich ihn: „Guten Morgen, Herr Bieser!“ Er merkt auf, freut sich, gesehen zu werden. Ob er wirklich Bieser heißt?

Ich frage meine Kollegin: „ Machst du das auch so, das du die Kunden, deren Namen du nicht erinnerst, mit einem beliebigen Namen begrüßt, der dir gerade so einfällt? Ich glaube, den meisten Menschen ist es angenehmer mit einem falschen Namen angesprochen zu werden, als gar nicht begrüßt zu werden. Oder wie erlebst du das?“

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