Home » Traumtagebuch » Kontakte und Schlüsselbegriffe

Kontakte und Schlüsselbegriffe

Traum:
Eine kleine Party in unserem Haus. Das erste Mal nach sehr langer Zeit. Das Haus scheint am Hang zu liegen, denn der Partykeller liegt – nach vorn zum Privatweg hin – oberirdisch. Die Wand zu dieser Seite besteht aus großen Fensterscheiben.

Nach rechts der Tresen. Davor stehen einige Bekannte und Unbekannte – gepflegter Smalltalk. Ein alter Freund von mir – Typ Steinbock, sehr schlank und pfiffig – kündigt an, dass er seine neue Freundin mitgebracht hat. Als diese erscheint, habe ich gerade alle Hände voll zu tun. Zudem will ich mir die Hände waschen, ehe ich ihr diese reiche. Aus unbenennbarem Grund komme ich nicht dazu und kehre in den Partykeller zurück. Genau in dem Augenblick, da ich dem Steinbock-Freund die Hand reiche, kommentiert er: „Ja genau, das Grüßen nicht vergessen!“ Dann gebe ich seiner Freundin die Hand und höre ihn sagen: „Jaaaa, und nicht vergessen zu gratulieren!“ Beide Male ist es so, als wolle er damit meine Gedanken aussprechen. Es ist mir etwas lästig, denn in etwa ist es schon so, dass ich mir das im Stillen gesagt hatte.

Seine Freundin ist eine schwarze Schönheit von zurückhaltender Eleganz. Sie trägt ein stilvolles, ärmelloses Kleid, das ihr leicht schwingend bis zu den Knien reicht. Ihr Füße stecken in Riemchensandalen aus mattsilbernen Leder mit einem zierlichen Absatz. Sie hat wunderschöne Füße und schlanke Fesseln und sanft gerundete Waden. Ihr dunklen Haare kringeln sich zu glänzenden Locken. Ihr Lächeln ein Strahlen. So hübsch! Natürlich würde ich ihr gerne zum Geburtstag gratulieren! Aber aus Trotz, weil der alte Freund es mir so in den Mund legte, bringe ich es nicht über mich und spüre dann das unangenehme Gefühl einer unhöflichen Unterlassung.

Wenn ich mir die Gäste heute so anschaue… es hat sich gewandelt, im Gegensatz zu früher. Meine Gäste, unser Miteinander… angenehm niveauvoll. Ich spüre Freude darüber.

Später bemerke ich etwas, das meine Aufmerksamkeit in den Bann zieht: Ein kreisendes Wischen – im Umfang einer CD – an einer der hohen Fensterscheiben… Ich erinnere mich, vorhin genau an der Stelle ganz gedankenverloren mit den Fingern gewischt zu haben. Aber das ist bereits viele Minuten her! Erst jetzt zeigt sich das Wirken, so als zeige die Scheibe eine verspätete und somit eigendynamisch wirkende Reaktion, die ein kreisförmiges Verschmieren des Fensterbelags mit sich bringt. Eigentümlich… wie von Geisterhand.

Es nimmt immer mehr Ausmaße an: das Wischen greift bald auf alle Fenster über, teils werden halbtransparente Sonnenschutzrollos herabgelassen und in dem entstandenen Raum zwischen Scheibe und Rollo werden wie von einem Sprinkler die Scheiben beregnet. Das ist ja wie in einer Autowaschanlage. Wow, die Fenster werden dabei ratzfatz sauber. Nun springen sogar noch einige Helfer herbei, die mit Gummiabziehern für eine zügige Trocknung der Fensterscheiben sorgen. Das ist ein Ding, denn sie kommen aus meinem Haus, obwohl ich sie nie sah! Mir wird gleich klar, dass sie in einer kleinen Nische leben, von der ich bis jetzt nichts ahnte.

Erst später – die Gäste sind fort, es ist Ruhe eingekehrt – komme ich dazu, mich im Partykeller umzuschauen (er erinnert an das Wohnzimmer während meiner ersten Ehe). Der Raum wirkt wie stillgelegt: er wurde sehr lange nicht genutzt und ein Teil der Zimmerdecke – auf der Seite zu den Fenstern hin – weist großflächige braune Flecken auf. Dort muss vor langer Zeit mal Wasser durchgetreten und getrocknet sein. Während der Jahre wurde der Fleck immer brauner. Die Tapeten lösen sich großflächig von den Wänden und legen Teile der rohen Wand frei. Und riecht die Luft nicht sogar etwas abgestanden? Ja, es war echt lange her, dass hier Partys gefeiert wurden.

Nach einer gewissen Zeit – keine Ahnung, was während dieser geschehen ist – stehe ich im Hausflur meiner Wohnung. Auch hier ist zu erkennen, dass das Haus am Hang liegt, denn die Wohnungstür, in der Mike und ich nun stehen, liegt im ersten Stock, während einer angrenzender Raum weiter hinten ebenerdig zu liegen kommt. Die Party ist zu Ende, die Wohnung relativ leergeräumt, so als würden wir demnächst ausziehen. Dort unten auf der Straße sehe ich den Geweyhten entlanggehen. Mit einem kurzen Ruf locke ich ihn zu uns und sage ihm sofort, dass ich ihm so gerne meine Schlüsselbegriffe zeigen möchte! Schlüsselbegriffe sind so Teilchen, die man in einer offenen Schachtel aufbewahrt und ich habe sie griffbereit im Hausflur stehen. Während er kommt, fällt mir ein, dass eines seiner Fachgebiete die Numerologie ist.

Der Geweyhte lässt mich dann auf telepathischem Wege wissen: „Ich wünsche keine unaufgeforderten Kontaktanfragen!“ Da erinnere ich mich, ihm vor einiger Zeit eine gesendet zu haben…

Er ist die Treppe zur Hälfte hoch und kehrt dann um. Mit einem unmutigen Blick zurück zu mir sagt er: „Ich habe Ihnen schon damals (vor Jahren!) gesagt: Kümmern Sie sich um Kontakte! Jetzt sehen Sie, was Sie davon haben, es in all der Zeit versäumt zu haben!“ Nach kurzem Nachdenken, und etwas nachsichtiger gestimmt, ergänzt er: „Naja, ein paar Kontakte haben Sie ja inzwischen“ Damit meint er die Gäste vorhin auf der Party. Offenkundig ist das längst nicht ausreichend. Dann erklärt er, warum er nicht zu mir kommen wird: „Ich bin zu beschäftigt um mir ihre Schlüsselbegriffe anzusehen. Vielleicht ein anderes Mal.“ Keine Freundlichkeit, kein Wohlwollen und vor allem kein Interesse, so wie ich es von früher her gewohnt war!

Es trifft mich, dass er das Interesse an mir verloren hat – nachhaltiges Verlustgefühl.

Tags: