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Schaukeln und saftiger Pfirsich

Traum:
Treffen mit Anverwandten. Raum mit nur spürbaren Wänden; Innen… Außen… alles zugleich. Tiefschürfende Bauarbeiten, so weit das Auge reicht. Zwischen den Kratern stehen Kräne, die Gebäudeteile von einem Ort zum anderen bewegen.

Ein Mann hat Geburtstag. Es ist also soweit. Er sitzt an einem der vielen Tische inmitten der Verwandten. Ich umarme ihn und nehme währenddessen mit der linken Hand das Geschenk entgegen, das ich zuvor für den Mann besorgt hatte. Sehen kann ich das Päckchen nicht, aber ich spüre es so deutlich an meinen Fingerspitzen, dass ich trotzdem das braune Seidenpapier wahrnehme. Ich umarme den Mann lange, lange und immer noch… ein wenig wiegend; es ist so schön. Nur eines ist weniger schön: In dem Geschenkpapier ist nicht das sorgfältig ausgewählte Buch verpackt, sondern ein Pralinenschächtelchen. Mir fällt geradezu die Kinnlade runter… – so möchte ich das nicht! Ich sage dann auch in Richtung jener Frau, die mir das Geschenk reichte: „Es ist nicht das Buch, das ich ihm schenken wollte!“ Der Mann und ich wiegen uns immer noch in der Umarmung. Wie gern ich ihn habe! Und höre dann im Hintergrund die Stimmen einiger Verwandter, die bezüglich des Geschenkes abwinkend sagen: „Das ist doch egal!“ In mir wallt Empörung auf: „Es ist nicht egal!!“ Ein paar billige Pralinen… – nein, das werde ich nicht tun!

„Dann muss ich gehen“ verkünde ich und das Herz wird mir ganz furchtbar schwer, denn dies ist ein Abschied auf immer. Langsam, nachdenklich, voller Bedauern, und voll innerem Schmerz löse ich mich von dem Mann.

Und gehe hinüber in ein ungenutztes Nebenzimmer. Dort treffe ich auf Mike, der ein schwarzes Kärtchen in der Hand hält. Es ist ein Coupon. An der Perforation entlang reißt er einen Streifen ab. Bei dem Kärtchen handelt es sich um ein Filmangebot und das Abreißen des Streifens löst ein Telefonat mit dem Absender aus. Am anderen Ende der Leitung dann also ein Mitarbeiter dieser schwarzen Firma. Sofort rattert er die tollen Angebote herunter, doch Mike unterbricht ihn. Souverän und auf Englisch mit stark amerikanischem Akzent sagt er: „Give me an issue!“ Als der Mitarbeiter auf Deutsch antwortet, fällt Mike ihm nachdrücklich mit englischen Bemerkungen ins Wort. Dabei liegt ein spöttischer Zug um seinem grinsenden Mund und in seinen Augen blitzt der Schalk, als er mich anschaut. Nun hat auch der Mitarbeiter begriffen und spricht englisch weiter.

Mein Mann und ich machen uns auf den Weg. Immer wieder diese Großbaustellen. Das ganze Gebiet ist mit Kratern übersät. Hier finden wohl sehr grundlegende Veränderungen statt. Aber es gibt dennoch Wege. Es ist ein sonderbares Halbdunkel, durch das wir uns bewegen. Die Kräne wirken groß, entschlossen und zielstrebig. Dahinter steckt eine Kraft, die genau weiß, was sie macht. Als ich mich einmal umschaue, hievt ein Kran gerade eine aus Beton gegossene Treppe von hier nach dort. Die Treppe hängt an zwei Ketten und schaukelt ganz kräftig. Auf der Treppe gehen gerade ein paar Senioren. „Huih, das würde ich nicht wagen!“ sage ich, worauf mein Mann verwundert den Kopf schüttelt und fragt: „Warum denn nicht? Da ist doch nichts dabei?!“

Wir gehen weiter und besteigen das Flugzeug, nehmen Platz im hinteren Bereich – einige Verwandte sitzen schon auf ihren Plätzen. Ein Mann an meiner Seite. Er ist mir sehr zugewandt, sorgt ständig für mich und nutzt jede Gelegenheit, mir seine Zuneigung zu zeigen. Anfangs bin ich überrascht, doch mehr und mehr genieße ich dieses gute Gefühl in seiner Nähe.

Irgendwann, während des Fluges, zieht der Mann mich zwei Sitzreihen weiter nach vorn. Ich liege mit dem Kopf in seiner Armbeuge und er füttert mich mit einem Viertel saftigen Pfirsich. Der Saft tropft von seinen Fingern und ich schlürfe… – köstlich! Ich greife dann nach dem Obststück, vielleicht um zu verhindern, dass seine Finger noch mehr volltropfen. In diesem Augenblick schaut er sich hastig um, will sich vergewissern, dass niemand der Verwandten es bemerkt. Den Pfirsich nahm er nämlich aus einem Holzkistchen voller Pfirsiche, das er seiner Freundin-Tante von dieser Reise mitbringen will. Seiner Ansicht nach sind immer noch genug Pfirsiche im Kistchen, auch wenn nun einer fehlt. Doch seine Anverwandten könnten da strengerer Ansicht sein und es könnte Ärger geben. Nun, wo ich all dies weiß, ist es mir peinlich, dass ich nach der Frucht gegriffen habe, so als wolle ich sie an mich reißen, sie ganz für mich allein haben! Mit einem beschämten Gefühl ziehe ich die zugreifende Hand zurück. Der Mann allerdings lässt mich immer weiter vom Pfirsichviertel abbeißen, in aller Ruhe und Gelassenheit. In seinen Augen steht mir das nämlich zu – so oder so.

Wir wechseln in einen alten Flitzer. Ein Cabrio, vielleicht ein Chevy. Die Fahrt damit ist… huuuiih…! Völlig unüberlegt entweicht mein körperloses Beobachter-Ich meinem Körper, nimmt einen Blickwinkel etwas drei Meter über dem Fahrzeug ein, so dass ich von vorne hineinschauen kann. Oh ja, es ist kein Wunder, dass die Fahrt so schwungvoll ist! Die Sitze sind nämlich jeweils an einem seitlich montierten Schwenkarm angebracht, der den Sitz kräftig vor und zurück schaukelt; wie auf dem Jahrmarkt. Am Steuer sitzt eine ausgesprochen schöne Afrikanerin mit hochgesteckten Haaren, die wunderbar schwarz glänzen. Auf dem Beifahrersitz ihr Mann, der vom Typ her Rock Hudson ähnelt. Ja, ein bisschen wirken sie wie einem alten Film entsprungen. Sie lächelt heiter und entspannt; trotz oder sogar aufgrund der Schaukelei. Der Mann schaut mit etwas schräg gelegtem Kopf sehr nachdenklich in die Ferne. Seine Stirn gerunzelt, so als denke er angestrengt über etwas nach. Dann sitze ich wieder neben meinem Mann im Cabrio und sage bald, dass mir die Schaukelei zu viel ist.

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