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Brutales Cardio Workout

Traum vom 5. Oktober 2009

Am Ende eines öffentlichen Raumes befindet sich die Zahnarztpraxis. Da dieser Bereich von keinen Wänden abgegrenzt wird, schaut man direkt in das Behandlungszimmer. Einzig ein schmales, gut ein Meter hohes Einrichtungsstück – im Gegenlicht nicht genauer zu erkennen – verwehrt ein wenig den Blick.

Toll, außer mir ist noch niemand da und somit werde ich kaum Wartezeit haben. Wenige Minuten später erscheint die Zahnärztin und ruft den ersten Patienten auf. Während der Schritte zu ihr, werde ich von einem zehnjährigen Jungen überholt. Er tritt ein und schließt die imaginäre Tür hinter sich, so dass ich keine Gelegenheit habe, meinen Anspruch auf Vorrang einzufordern. Einen Augenblick lang bin ich sprachlos, dann spüre ich Wut aufsteigen.

Nach über einer Stunde dauert die Behandlung des Jungen immer noch an. Offenbar hat sich die Zahnärztin entschieden, all seine Zähne am heutigen Tag zu richten, alle Mängel heute zu beseitigen. Ungeduldig öffne ich die Tür zum Behandlungszimmer, stecke meinen Kopf rein und frage aufgebracht: „Wann geht es denn endlich weiter?“
Anstelle einer Antwort schreitet ein Mann von links kommend in das Zimmer und teilt allen mit: „Erst einmal bin ich ja noch dran!“

Mir verschlägt es vor Frust und Unmut die Sprache. Ich stelle mich vor den kleinen Stehtisch, mit Blick zum Behandlungszimmer, und putze mir mit einem altertümlichen Zahnbürstenmodell die Zähne. Schrubbe sie kraftvoll – hah, welch gute Basis die Backenzähne dafür bilden – bis mir der Schaum vor dem Mund steht. Es ist ein Akt der Verzweiflung, aus dem Gefühl der Ohnmacht geboren.

Irgendwann bittet mich die Zahnärztin auf den Behandlungsstuhl. Ich liege da, und während sie die Vorbereitungen trifft, schweifen meine Gedanken ab…

Ein Raum wie ein Würfel, ohne Fenster, ohne Beleuchtung, aber dennoch hell genug. Unter der Zimmerdecke hängen, kopfüber und auf allen Vieren, ein Mann und eine Frau. Der Mann bringt gerade eine Einführung in ein Cardio-Workout eher ungewöhnlicher Art. Der Mann macht gerade ‘Mountain Climber’ unter der Zimmerdecke hängend. Die Frau wird einerseits in die verschiedenen Übungen eingewiesen, hat aber gleichzeitig auch die Funktion, dem Mann Halt zu geben. Das wird mir klar, als er Crunches vorführt. Die Frau trägt nämlich an einem Fuß eine Schwimmflosse. Diesen Flossenfuß soll sie, so seine Aufforderung, immer derart an der Zimmerdecke abstellen, dass eine seiner Hände während der Übung darauf stehen kann. Die Gummioberfläche gibt ihm mehr Halt an der Zimmerdecke. Sein Workout ist zackig. Die nächste Übung ist ungewöhnlich und der Mann empfiehlt den Zuschauern, diese dringend anzuwenden:
Die Körper müssen, weiterhin an Händen und Füßen hängend, möglichst nah an die Zimmerdecke gebracht werden. Dann packt er die Frau und dringt mit harten Stößen in sie ein. Dazu erklärt er, von ruckartigem Stöhnen unterbrochen, dass dies eine geniale Übung sei, da es auf diese Weise möglich sei, auch dann zu vögeln, wenn der Raum bis fast zur Zimmerdecke unter Wasser steht, da so die Köpfe immer noch über Wasser bleiben können.
Stimmt! Ich frage mich allerdings, ob man nicht andere Dinge zu tun hat, wenn einem das Wasser bis zum Halse steht.

Oups, da war ich aber abgedriftet. Langsam kehre ich in die gegenwärtige Situation zurück. Nanu, wo bleibt denn die Zahnärztin? Vermutlich hat mich in die Gegenwart zurückgeholt, dass sie länger nicht mehr an mir arbeitete. Dann sehe ich sie. Zwei Schritte rechts von mir entfernt, sitzt sie auf einer Bank und starrt hinüber in den Raum zu meiner linken Seite. Dorthin, wo ich eben gerade beim Workout zugesehen habe. Gegenwärtig stellt sich dieser Raum als Ausschnitt eines Raumes dar, in dem ich den Flur wiedererkenne, der für fast zwanzig Jahre zu meinen Wohnräumen gehörte. Die Zahnärztin starrt schreckerstarrt dort hinein, so dass auch ich neugierig geworden, tiefer hinschaue.
Der Ex wohnt dort. Wenn er ein Date abgemacht hat, sprayt er Datum und Uhrzeit mit rußiger Farbe an die Wand. Beispielsweise ’22:12′ manchmal noch darunter den Zeitpunkt des Abschlusses ‘:32′. Er scheint hektisch auf der Suche zu sein, lädt immer mehr Frauen in immer kürzeren Abständen ein. Manchmal ist er derart unter Druck, dass er einfach einen dicken schwarzen Strich an die Wand sprüht. Auch jetzt ist gerade eine Frau eingetroffen, mit der er sich zum ersten Mal verabredet hat. Er stürzt sich wie wild auf diese Frau, die zwar freiwillig gekommen ist, die Situation nun aber doch als übergriffig erlebt, da sie sich seiner harten Griffen kaum erwehren kann. Es ähnelt dann fast einer atemlosen Vergewaltigung.

Diese ganze Sache ist Vergangenheit. Die Zahnärztin aber ist wie in dieser Szenerie gefangen. Einerseits ist sie Frau des Mannes, der sie hier betrügt – sie ist also die Betrogene. Andererseits ist sie die Frau dort, die ihrem Mann und seinen brutalen Griffen ausgeliefert war. Die Zahnärztin realisiert kein bisschen, dass dort eine Art Film aus der Vergangenheit abläuft. Sie schaut, als wäre sie dem Geschehen leibhaftig ausgeliefert.

Erschüttert springe ich zu ihr, packe ihre Schultern und rüttele sie. Sage eindringlich: „Es ist vorbei! Hören Sie? Es ist vorbei!!“
Da weicht die Erstarrung, sie kommt wieder zu sich, in die Gegenwart zurück und setzt bald ihre Behandlung an mir fort.

Ich habe ich mich wieder entspannt, liege im Behandlungsstuhl und meine Gedanken schweifen schon wieder ab. Da ist allerdings etwas, das mir merkwürdig vorkommt und ich richte meine Aufmerksamkeit auf das Jetzt. Die Zahnärztin kniet auf der linken Armlehne, arbeitet an meiner Brust. Ich schaue hin. Mit einem roten Schälmesser rupft sie wie getrieben die Knöpfe von meiner Bluse. Ihr Blick ist starr. Sie ist gar nicht bei Sinnen! Und die schönen Knöpfe!!

„NEIN!!!“rufe ich gequält aus. „Nein, lass es sein! Ich habe gestern erst all diese Knöpfe angenäht!“ So viel Mühe, so viel Zeitaufwand. So viel Geduld war von Nöten. Sie macht hier alles zunichte. Ich bin der Ohnmacht nahe, nicht mehr in der Lage, mich gegen sie zur Wehr zu setzen. Bin wie gelähmt. Still sitzend, spüre ich ein überquellendes Meer von Tränen der Verzweiflung in meiner Brust, die keine Möglichkeit finden, sich auch nur zu einem Bruchteil ihren Weg hinaus zu bahnen.

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4 Antworten zu Brutales Cardio Workout

  1. Also der “Mountain Climber” ist doch bestimmt Herr Books! *gg*

  2. Tatsächlich ein zufälliger Zusammenfall zweier Ereignisse, die unter ‘Mountain Climbing’ fallen.
    Real habe ich gestern tatsächlich einige Videos bei YouTube angesehen, die diese Übung ‘Mountain Climbing’ enthielten. ;-)

  3. “… und mit harten Stößen seines Felshammers mühte er sich, vor Anstrengung stöhnend, den Klemmkeil in den Spalt zu treiben …”

    Meine Damen, von Metaphern irregeführt, scheinen Sie den reinen, ich zögere nicht zu schreiben ‘keuschen’ Sinn des Bergsteigens völlig zu verkennen!!

  4. Also doch Sie, Herr Books!

    Ich fürchte, Sie haben – was mich anbelangt – Recht. Bereits vor Jahren schüttelte ein guter Traumfreund den Kopf darüber, dass meine Träume immer wieder ins Sexuelle abrutschen.

    Sichern Sie mich doch bitte beim nächsten Mal besser ab! Ich versteige ich mich ja total!