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Atompilz und Endzeitstimmung

Traum III:
Vor Alltagsbeginn. Ein grauer, nüchterner Korridor… wie ein Tunnel im Nirgendwo. Ein kaum greifbarer Chefarzt begegnet mir und reicht mit fürsorglichen Worten eine Beruhigungstablette. Diese soll ich heute einnehmen, wegen der für morgen geplanten Operation an meinen Beinen: da könnte zu viel Aufregung ein gutes Ergebnis gefährden. Erst jetzt wird mir bewusst, dass meine Beine krank sind und dass für morgen ein Operationstermin steht. Mir fehlt jegliche Erinnerung daran; keine Ahnung, wie es überhaupt zu allem kam. Na prima, dieses Beruhigungsmittel wird mich sicherlich für einige Zeit von den Schmerzen befreien, so erhoffe ich mir zumindest.

Höhe Gummersbergerstraße. Mit Moina in vollmondheller Nacht. Links von uns ein mannshoher Maschendrahtzaun, von der anderen Seite grün belaubt. Eine Eisentür, gartengrün lackiert, bildet den Eingang zu einem umgrenzten Gebiet, vielleicht einem Kleingartengelände. Oberhalb dieser Tür bemerke ich eine Wolke, die – vom Mond angestrahlt – wie ein weißer Schleier wirkt. Direkt vor dieser Schleierwolke türmt sich eine dunklere säulenförmige Wolke in beeindruckender Geschwindigkeit auf. Gewitterwolke!! So schnell sind nur Gewitterwolken, geht es mir durch den Kopf. So rasant, wie sich diese auftürmt, sah ich allerdings noch keine. Ich stelle mich auf Zehenspitzen, um so möglicherweise den Wolkenansatz sehen zu können, der von der geschlossenen Tür verwehrt wird. Da, innerhalb des Gebietes, strebt ein Mann – Mitte Vierzig, dunkelblondes, leicht gewelltes Haar, schlank, trainiert – auf die Tür zu. Direkt hinter ihm diese Wolkenbildung. Schaute ich jetzt also zu den Wolken, sähe es aus seiner Sicht so aus, als blicke ich ihn beharrlich an. Schnell lasse ich mich wieder auf die Fußsohlen sinken, sonst glaubt er womöglich, ich halte nach ihm Ausschau, oder ich erwarte ihn, oder ich beobachte ihn. Außerdem kann ich den unteren Wolkenansatz eh nicht sehen, da er noch die Sicht versperrt.


'Gummersberger Wolke' von Traumzeit

Nach einem kurzen Augenblick öffnet sich die Tür, der Mann tritt heraus und durchdringt die Nacht, so als löse er sich in unzählige Partikelchen auf, die nun die Dunkelheit durchweben. Das ist ganz selbstverständlich und gewöhnlich.

Daraufhin setzen Moina und ich den Weg zu unserem Häuschen, das nur wenige Schritte entfernt steht, fort. Dabei behalte ich die Wolke im Auge, die sich rasch verändert. Inzwischen hörte ich ein Wummern in der Ferne, und ich glaube nicht mehr daran, dass es eine Gewitterwolke ist. So raketenschnell und säulenförmig steigt diese Wolke auf! Vielleicht wurde eine Bombe hochgejagt? Ich wage es kaum zu denken, doch da wallt ein lufterschütterndes Wummern durch die Nacht, und am oberen Ende der Wolke wächst er bereits: ein relativ kleiner Atompilz. Hm, vermutlich eine eher kleine Bombe.

Zwar fühle ich uns bedroht, aber es gibt keine Panik. Mit kühlem Kopf überlege ich, dass wir vielleicht noch ins Häuschen gelangen können, ehe uns die Ausläufer erreichen, die bereits in der Ferne sichtbar über den Boden auf uns zuwogen: Dampf, oder Nebel- oder Staubwolken. Ich fühle mich alarmiert, sollte Moina auf den Arm nehmen, damit das Heranrasende ihr nicht die Füße verätzt. Doch Rücken und Knie schmerzen derart grausam, dass ich mich wie gelähmt fühle. So sehr ich es will und wünsche, es gelingt mir nicht, meinen Körper die dafür notwendigen Bewegungen ausführen zu lassen. Ich schließe die Tür zur Hütte auf. Noch ehe wir hineintreten, erreichen uns die Wellen. Heißes Wasser umspült uns bis über die Knöchel hinaus. Große Erleichterung, als ich spüre, dass es nur heißes Wasser ist! Zwar hatte ich vage die unberechtigte Erwartung, dass diese Flüssigkeit keine zerstörerischen Eigenschaften hat, aber sicher konnte ich nicht sein. Wir treten ins Haus und schließen die Tür hinter uns.
Endzeitstimmung.
Wieder allein, in einem grauen nüchternen Raum im kleinen Nirgendwo. Kann sein, in wenigen Tagen gibt es kein Leben mehr… Wäre das denn wirklich so schlimm? Was würde ich verpassen? Während ich tiefer und tiefer ins Wattegrau dringe… spüre ich eine tief greifende Müdigkeit… All die Quälerei, all der Schmerz…? Es könnte vorbei sein… Weiter? Mit leisem Aufbäumen sagt eine andere Seite in mir: ich darf mich nicht so hängenlassen.

Völlig unklar ist, ob ich morgen wieder zur Behandlung ins Krankenhaus muss, so wie ich es schon viele Tage musste. Soll ich jeden Tag ein Mal hingehen? Auch die nächsten Tage noch? Auch morgen? Bin ich verpflichtet? Oder ist die Behandlung zu Ende, und ich habe das im Tran gar nicht mitbekommen? Ich weiß es nicht!? In meinem Kopf ein unangenehmes Gefühl, wie von einer nachlassenden Betäubung. Ich versuche den Nebel zu durchdringen.

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