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Fahrlässigkeit und Schuldgefühle

Traum:
Die meisten Anwesenden, alles entfernte Verwandte, sind mir bekannt, ich kenne sie nicht. Wir verbrachten bereits einige Stunden miteinander und beschließen, eine weitere Verwandte, die zehn oder zwanzig Kilometer entfernt lebt, zu besuchen. Super, dann mal los!

Doch Mike will nicht sofort los, sondern noch etwas in aller Ruhe erledigen. Nach kurzem Hin und Her einigen wir uns darauf, auf ihn zu warten, damit wir uns alle zusammen auf den Weg machen können – denn heute ist Verwandtentreffen und damit Gemeinsamkeit angesagt. Okay, wenn jetzt noch Freiraum ist, dann will auch ich die Zeit nutzen und noch ein paar Kleinigkeiten einpacken; beispielsweise den Mp3-Player.

Die Zeit vergeht…

Die Älteren werden ungeduldig wegen dieser langen Verzögerung. Da ich die Wartezeit nun gut genutzt habe, fühle ich mich schuldig, obwohl es ja nicht mein Wunsch war, noch etwas Zeit zu bekommen. Dann stehen wir vor dem Haus in der Schulstraße. Mike trifft hier weitere Vorbereitungen und strapaziert die Geduld der anderen.

Okay, nun aber los! Auf der Rutsche, die auf dem kleinen Spielplatz vor uns steht, liegt der Staubsaugerschlauch für mein Fahrrad. Ich gehe die Rutschbahn hinauf und nehme ihn; bemerke dass der schwarze Schlauch um ein graues Schlauchstück ergänzt wurde. Nebenbei bemerkt: zum Schlauch gehören mindestens zwei Ventilköpfe. Ich ziehe das überflüssige graue Schlauchstück gleich ab und sage zu der Verwandten, die offenkundig das graue Ende hinzugefügt hatte: „Es saugt doch schon!“ Demonstrativ halte ich den schwarzen Schlauch hoch, der hörbar saugt. Und ich spüre es zudem. Der Schlauch saugt ohne Antrieb und Empfangsmöglichkeit, aber das bemerke ich nicht oder es ist nicht von Bedeutung. Die Verwandte senkt beschämt den Blick; das hatte sie nicht gewusst. „Na, aber was, ich finde das nicht schlimm.

So, das Fahrrad ist bereit, es kann losgehen! Einige gehen zu Fuß voraus, einige warten noch ab. Während ich auf meinen Ex warte, bin ich schon auf dem Weg – nehme beide Situationen parallel wahr.

„Es ist ja schon so spät geworden!“ rufe ich aus. Wir haben viel Zeit verloren. Wir alle steigen in eine Bahn. Die Bahn ist zur Hälfte mit Fahrgästen gefüllt, so finden wir alle zusammen keinen Plätze, sondern verteilen uns. Mike, Moina und ich finden eine Dreier-Gelegenheit, die Mike gleich in Beschlag nimmt, ohne sich überhaupt umzuschauen, ob unsere Verwandten einen Platz in der Nähe finden. Die Verwandte – vom Spielplatz, die mit dem Schlauchstück – findet dann auch nur noch entfernt einen Platz. Da ist es nix mit Plauderei und so. Während sie sich hinsetzt, verkündet sie laut und spöttisch: „Ich wollte mich ja auch soooo viel unterhalten!“ Alle lachen. Es ist klar, dass sie auf Mikes Aussage anspielt, der so viel Wert darauf gelegt hatte, dass wir uns alle gleichzeitig auf den Weg machen, damit wir uns unterhalten können, der sich nun aber völlig damit zufrieden gibt, mit seiner Familie zusammenzusitzen.

Die Fahrt geht mit dem Auto weiter. Ich sitze am Steuer. Ein paar unbenennbare Verwandte fahren mit. Worpswede ist erreicht. Zwischen Stolte und Insel wird mir die Dunkelheit bewusst. Schrittgeschwindigkeit. Oje oje, im Kegel des Scheinwerferlichts sehe ich all die Senioren, die mir direkt auf der Fahrbahn entgegen kommen! Einige fühlen sich sichtlich geblendet. Manche auch belästigt. Wie gefährlich! „Ja, können die denn nicht auf dem Bürgersteig gehen?!“ rufe ich verzweifelt aus. Vielleicht sollte ich anhalten, aber ich lasse es so laufen, fühle mich handlungsunfähig… Die Älteren sind auch unter den Senioren, und damit ist klar: sie haben den Besuch bereits beendet und sind auf dem Rückweg. Die Schuldgefühle, die sich inzwischen einstellten, werden durch diese Begegnung noch verstärkt. Oje, da links, ein kleiner Junge – er trägt Hose und Shirt wie von Margaux, nur im Kleinformat – mit Laufrad. Er stürzt! Ich bremse und kann ihm ausweichen. Vergewissere mich nochmals, ob ihm auch wirklich nichts passiert ist. Oh, mein Gott…. „Warum ist es denn so dunkel?“ frage ich irritiert und verzweifelt zugleich. „Wie spät ist es denn?“ Klar, wir sind spät losgekommen, aber soo spät? Meine Beifahrerin sagt genau in dem Moment „Fünf Uhr“, als es mir so in den Sinn kommt. Hm, um 17 Uhr so dunkel? Ist das zu dieser Jahreszeit nicht ungewöhnlich?

Doch dann… mit einem Male, ist die Dunkelheit durchdrungen. Nur noch ein paar dunkle Wolken am dämmernden Abendhimmel! Ich bin erleichtert, irgendwie auch von einer Last befreit. Mein Eindruck, mich fahrlässig verhalten zu haben, verursachte sehr unangenehme Schuldgefühle, die nun hinter mir liegen.

Notiz:
Die Senioren erinnern mich an das Unglück mit dem Torfkahn, von dem ich am Tag vor dem Traum erfuhr.

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