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Samsara de samsara

Traum:
Ganz unerwartet finde ich mich bei den Hüttendorfern wieder. Es ist viele Jahre her, dass wir uns getroffen haben. Da ist Angelina. Unsere Umarmung zur Begrüßung geht direkt in eine angeregte Unterhaltung über, die wie ein klarer Bergquell sprudelt. Dabei registriere ich wohl die ernste Grundstimmung, aber ohne dem Aufmerksamkeit zu geben. Während dieser Zeit bemerke ich Wolfram, der direkt hinter mir steht. Nun ist die Gelegenheit und ich drehe mich zu ihm um: „Na Wolfram, nun will ich auch Dich endlich begrüßen!“ Er steht so nah bei mir, dass mein Blick nur seinen schwarz-bunt melierten Pullover streift. Doch als er nun spricht, weiß ich, wer hier wirklich vor mir steht: Andrej, sein erwachsener Sohn. Dieser stellt sachlich klar: „Wolfram ist nicht mehr da. Er ist gestorben.“
Vielleicht ist es Andrejs ruhige und warme Stimme, die meine Betroffenheit noch verstärkt. Vielleicht auch die Tatsache, dass ich mich sogleich an Andrejs Schulter lehne….“Es tut mir so leid…“ spricht es mir aus tiefem Herzen. Eine ganze Weile lehne ich mich an. Es gibt mir Trost und Wärme. Für alle Anwesenden ist es offensichtlich okay, so wie es ist. Als ich mich von Andrej löse, krame ich in meinen Erinnerungen, ob ich irgendwann mal gehört hätte, dass Wolfram ernsthaft krank sei. Es wird mir nicht ganz klar, wenngleich ich mehr dahin tendiere, zu glauben, von einer Krankheit sei nie die Rede gewesen.

Ich gehe tiefer in den Raum hinein. Hin zu dem langen Tisch, an dem ich mich zu den anderen Gästen geselle. Auf dem Tisch ein guter Blechtopf mit Suppe. Ich stehe auf, beuge mich über den Topf mit der leicht gebundenen Wasser-Milch-Suppe mit Maiskörnern. Viel ist nicht mehr da. Mit der Kelle schöpfe ich vom Grund des Topfes. Unter den Blicken der Alten vom Karussell. Nachdem ich mir von der Suppe genommen habe, stehe ich auf, gehe kurz in die Küche und kehre zurück. Wieder beuge ich mich über den Suppentopf. Dieses Mal fische ich mit meiner Gabel darin herum. Dadurch verflüssigt sich die Suppe und das Milcheiweiß gerinnt unappetitlich. Uuuh, wie unangenehm… vermutlich war noch Speichel an der Gabel, der die Bindung zersetzte… Das ist peinlich, denn das ist mir ja nicht neu, dass so etwas passieren kann. Überhaupt zeugt es nicht gerade von Benimm, mit dem eigenen Eßbesteck im Suppentopf herumzurühren. Vor allem wegen der Alten ist mir das unangenehm, denn sie hat die Suppe gekocht! Damit sie nicht bemerkt, dass ich die Suppe verdorben habe, greife ich schnell die Suppenkelle und tauche sie in die Tasse (Serie „Wildrose“) mit der restlichen Suppe. Die Alte hat es bestimmt mitbekommen. Ich wage gar nicht, ihr direkt ins Gesicht zu schauen. Kurz wundere ich mich darüber, dass ich den Schöpflöffel in die Suppentasse tauche und nicht in den Topf. Wundere mich auch darüber, dass der gesamte Suppentasseninhalt von der Kelle erfasst wird.

Zu meiner linken Seite eine Bewegung… Bridgets Mann geht hinter uns vorbei. Er humpelt, braucht einen Gehstock. Was ist bloß los hier? Wolfram ist gestorben, obwohl er kaum älter als Mitte Fünfzig war. Und Bridgets Mann, der noch keine vierzig Jahre alt ist, scheint auch ernsthaft krank zu sein. Ich glaube, in der Zwischenzeit sind einige der Verwandten gestorben. Wie kann das sein? Mit einem Male wird es mir klar: Es ist die Zivilisation, die uns krank macht. Ich fühle mich höchst alarmiert! Ich muss umdenken und mein Verhalten ändern – sofort!

Ich durchquere den Raum und trete in den Hausflur. Vor einer offenen Kammer hocken Angelina und Margaux. Was genau sie tun, ist nicht zu erkennen. Doch was mir ins Auge fällt: Angelinas Handrücken zeigt ausgeprägte Adern. Sie trägt einen Goldring mit einer kleinen Perle – hübsch unauffälliges Schmuckstück. Ihre Hände sind schmal, zartgliederig. Womöglich hat sie abgenommen, wodurch ihre Hände ganz deutlich ihr fortgeschrittenes Alter verraten. Margaux hüpft unternehmungslustig hin und her. Sie trägt ein gehäkeltes weißes Käppchen auf dem Kopf und trägt eine schwarze Hose und ein royalblaues Shirt aus figurumschmeichelndem Feinjersey. Sie wirkt viel jugendlicher als früher. Ich vermute, sie hat einen Lover.

Okay, ich habe das Gefühl, noch etwas tun zu müssen. Kehre zurück an den langen Esstisch und beginne, das Geschirr abzuräumen. Sogleich springt der Liebende mit Schamanenhut hinzu und hilft mir dabei, das Geschirr einzusortieren. Einige Schritte vom Tisch entfernt befindet sich die Außenwand eines Gartenschuppens, an der einige Holzbretter auf Tragbügeln gelagert werden und somit quasi ein Regal bilden. Hier stellen wir all das gebrauchte Geschirr für den Abwasch bereit. Teilweise türmt es sich ganz schön, aber das sorgt mich nicht. Moina springt herbei und bittet um etwas, das ich aus Unkenntnis nicht benennen kann. Der Liebende zaubert umgehend eine Rolle mit Jeansstoff herbei, und entwickelt diese. Er will ein ausreichendes Stück abreißen, aber ich greife mit der Schere ein. „Es gibt ein saubereres, ordentlicheres Ergebnis, wenn ich es mit der Schere abschneide.“ Der Liebende hält es anfangs für unnötig, lässt es dann aber doch willig geschehen. Während ich schneide, sehe ich deutlich, dass bereits einige Stückchen aus dem Stoff geschnitten wurden. Damit verspüre ich ein wenig den Drang, für einen ordentlichen Abschluss sorgen zu wollen. Nur scheint mir jetzt nicht die passende Gelegenheit dafür.

Auch wenn ich es nicht benennen kann, so steht mein weiterer Weg in engem Zusammenhang mit dem Liebenden. Möglich, dass er mich geschickt hat oder dass er mir geraten hat, etwas zu tun. Wie auch immer: ich habe die Stiege erreicht, die ganz abgelegen wie in einer Vergangenheit liegt. Ganz still ist es hier, ganz ruhig, ja irgendwie sogar wie stillstehend… Der Staub ist von Sonne warm, ebenso die Leiter, die senkrecht in einen tief unten liegenden Raum führt, zu dem ich lange nicht mehr hinabstieg… Auf halbem Wege liegt eine stattliche, völlig ausgedörrte Maus auf der Sprosse. Sie lässt mich innehalten, stocken… – es ist unangenehm, mit ihr konfrontiert zu werden. Aber es hilft nichts, ich muss an ihr vorbei, wenn ich weiterkommen will. Und ich will weiterkommen. Sie erinnert mich auf unbeschreibliche Weise daran, dass es da noch etwas in Ordnung zu bringen gibt. Etwas, das ich in die Vergessenheit geschoben hatte.

Es ist ein gutes Gefühl, als ich an der vertrockneten Maus vorbei und am unteren Grund angekommen bin. Ich verlasse den Kellerraum wie durch den längst nicht mehr vorhandenen Schuppen im Garten der Älteren. Ganz hell und still ist die Nacht… Mit lautlosen Schritten, wie schwebend fast, gehe ich am Apfelbaum vorbei und bemerke die Pfützen klaren Wassers an seinem Fuße. Mit langsamen Schritten gehe ich weiter, ganz leicht irgendwie… und fast im nächsten Moment erreiche ich mein Ziel: den Kompost. Dort eine Erscheinung, wie eine Projektion: Simone, Rückenansicht. Sie trägt einen bemerkenswert kleinen braunen Lederrucksack. Eine eindringliche Stimme lässt wissen:
„Samsara de samsara“

Notiz:
Vor dem Einschlafen CD 1 von LSD meets NLP gehört. Ähm, ich meinte natürlich umgekehrt: NLP meets LSD.

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