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Die Alte und ihr wirbelndes Karussell

Traum:
Ganz spontan entscheiden Mike und ich uns für eine Fahrt mit einem alten Karussell, betreten es im gleichen Augenblick. Kaum auf einem der Sitze Platz genommen, da setzt die Alte das Ding schon in Bewegung! Die Alte sitzt auf einem alten Stuhl, auf ihren Knien ein Kasten mit zwei Schiebereglern. Sie lässt das Karussell einmal um sich selbst kreisen. Gleichzeitig setzt sie die „Kaffeemühle“ in Gegenbewegung, in der ich unüberlegt Platz genommen habe, und lässt auch diese um 360° kreisen. Jeweils gleich darauf lässt sie das Karussell und die „Kaffeemühle“ entgegengesetzt kreisen. Hin und her… hin und her… – quasi Warteposition. Die Alte wartet ab, lässt noch mehr Fahrgäste zusteigen. Oha, allein diese lockere Hin und Her lässt meinen Magen Salto schlagen. Ich überlege, mich auf einem der fest montierten Sitze zu setzen. Nach kurzem Zweifeln und Zögern gebe ich mir einen Ruck – jetzt oder nie! – und springe hinüber. Ich überlege noch, ob die Alte mich schelten wird, da nimmt das Karussell schwungvolle Fahrt auf! Rundherum und hoch hinaus! Schnell beschließe ich, meinen Blick auf einen gegenüberliegenden Punkt zu heften, meinen Blick immer wieder darauf auszurichten. Nehme mir vor, niemals den Blick wahllos schweifen zu lassen! Oder ob es klüger ist, einen Punkt außerhalb des Karussells zu fixieren? Hm nein, besser nicht, denn soweit ich mich erinnere, zieht das nur ein heilloses Durcheinander und Desorientierung nach sich. Erst jetzt kann ich den Blick weiten und das Karussell betrachten: Es ist ein quadratische Fläche, vielleicht zehn mal zehn Meter, mit Holzdielen ausgelegt. Etwa ein Meter hoch von Holzwänden umgeben. Rundherum die Plätze – wie schlichte alte Kinosessel – teils auch in der Mitte, wie ein Schiffsdeck.

Ich höre Mikes Atem stocken, ein Stöhnen, Luftanhalten, ruckartiges Luftholen und -anhalten. Sehen kann ich ihn nicht, obwohl er nur zwei Schritte weiter sitzt. Denn das Karussell dreht so schnell, dass sich immer wieder tote Winkel in der Übersichtlichkeit bilden, in denen Mike dann und wann verschwindet. Es dauert nicht lang, da erhasche ich wieder einen Blick auf ihn. Oje, der arme Kerl leidet ganz schön. Auch ich finde es heftig. Wir kreiseln inzwischen sicherlich dreißig, vierzig oder gar fünfzig Meter über dem Erdboden! Und wenn anfangs noch die Alte mit uns im Karussell saß, so kann ich sie nun dort unten sitzen sehen. Ganz verloren wirkt sie auf der weiten Sandfläche, wo sie auf ihrem alten Stuhl unweit des Kassenwagens sitzt und kontrollierend zu uns hinaufschaut, während das Karussell geschwind kreisend hoch und runter wirbelt.

Einmal bekomme ich mit, dass sich die Alte – ungeachtet der Höhenunterschiede – ein wenig in das Fahrgeschäft beugt, dorthin wo eine Familie mit Baby auf dem Boden lagert. Ich kann es nicht so schnell erkennen, sehe nur, dass sie dort etwas hinstreut. Erklären kann ich mir das nicht so recht… Als sie ein nächstes Mal eingreift, sehe ich ganz deutlich – ihr Kopf ragt überlebensgroß in das Karussell hinein – wie sie eine Sicherheitsnadel durch ihren Schlund gebiert, indem sie diese auf ihre Zunge gleiten lässt, die sie daraufhin herausstreckt, um damit einer anderen Familie auszuhelfen. Langsam wird mir klar, dass sie deshalb so willig hilft, damit es keinen Anlass gibt, die Fahrt abzubrechen! Oder führt sie anderes im Schilde? Oder meint sie es alles nur gut?

Notiz:
Ähm… das ist aber keine Good Vibration Machine…?!

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2 Antworten zu Die Alte und ihr wirbelndes Karussell

  1. Jonathan Dilas (Gast)

    Eine derartige Beschleunigung hat in Träumen oft den Effekt, dass man den Traum wechselt oder in eine andere Traumebene befördert wird. So, wie man vielleicht eine Rakete kräftig anfeuert, damit sie die Fliehgeschwindigkeit erreicht und die Erde verlassen kann. Etwas Böses unterstelle ich der Hexe eigentlich nicht. ;-)
    Es würde mich freuen, wenn Du auch mal auf meinem Blog hereinschaust, dort geht es auch um Träume u.v.m.
    Liebe Grüße, Jonathan

  2. REPLY:
    Aus dem von Dir genannten Blickwinkel hatte ich das mit der Beschleunigung noch gar nicht betrachtet. Gefällt mir aber, die Sichtweise. Es liegt länger zurück, dass ich mich zum luziden Träumen etwas belesen habe. So lag mir dieser Gedanke fern, schön dass Du ihn nahegelegt hast. Beim Stöbern in Deinem Blog bekommt man echt Lust aufs Klarträumen. ;-)
    Liebe Grüße, Marianne