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Traumstoffreste:

Worpswede. Workshop, Pause, am Rande eines kleinen Saales. Selbstverständliche Begegnung mit Kornelius. Er eilt an mir vorbei, etwas außer Atem, ein wenig in Sorge, seine grauen Haupthaare fallen glatt bis über den Nacken, mit Schwung in den Haarspitzen. Und er sagt ganz traurig: „Ich bin so voller Schwung, so voller Ideen! Aber es reicht die kleinste irritierende Bemerkung und schon ist es vorbei.“ Voller Mitgefühl – es durchströmt mich geradezu schmerzlich – streichele ich über seinen Kopf, am unteren Ende den Schwung seiner Haare fühlend.

Im kleinen Wohnraum des Nachbarn. Er ist gerade sehr aktiv mit einem Vorhaben beschäftigt. Aus dem Fenster im dritten Stock lässt er ein breites Dengelband wie eine Rutsche zur Erde. Vermutlich, damit er jederzeit, auch bei womöglich geschlossener Türe, die Möglichkeit hat, schnellstens das Haus zu verlassen. Moina steht neben mir und ist sichtlich verlockt, die Rutsche auszuprobieren. Auf dem gespannten Dengelband hüpfen einige Sandkörner. Ein Anblick, der mir gefällt.

In der Annaküche. Abflugsvorbereitungen. Meine Jugendliebe nimmt dafür notwendige Daten auf. Zwei Mädchen mit unaussprechlichen Namen sollen auch noch mit auf Reise gehen. Eine Bekannte schreibt deren Namen auf. Mit Nachnamen? Na klar!

In einem kleinen alten Zimmer ist Mike mit dem Packen beschäftigt. Fünf Paar Straßenschuhe stehen dort bereit. Oh, soll es auf Urlaubsreise gehen? Ja, nach Kopenhagen, so erklärt er. Ach ja, nun fällt es mir wieder ein… ich hatte ganz vergessen, dass er allein auf Reise geht. Etwas Enttäuschung.

Im Kellermagazin einer Heilstätte ist eine Bekannte tätig, mit der ich durch schmerzhafte Erfahrungen verbunden bin. Da ich nichts Besseres zu tun habe, laufe ich ihr nach und schaue zu. Eine gute Gelegenheit, mal diese Räumlichkeit zu sehen. Ein paar hohe Kellerfenster, oder genauer gesagt deren Ausblick zieht meine Aufmerksamkeit auf sich. „Hey, dort drüben steht ja das Haus, in dem ich wohne! Ich wusste gar nicht, dass man es von hier aus sehen kann!“ Aha… das ist ja ganz interessant, wie es von außen ausschaut: eine alte graue Fassade mit Rissen. Vor den Fenstern bunte Blumen in den Kästen, eher zurückhaltend, in ihrer Frische angenehm mit der feuchten Fassade harmonisierend. Ich würde das gerne eingehender betrachten und darüber sprechen, doch meine Bekannte sagt, das sei alles nicht von Bedeutung und Interesse. Ach, wie schade.

Erdgeschoss. Ein Fahrzeugraum, zu einer Seite hin offen. Ein Krankenwagen – älteres Modell – steht seit einigen Minuten dort draußen und ich warte schon ungeduldig, um die Abfahrt mitzuverfolgen. Inzwischen habe ich allerdings erfahren, dass Mike abgeholt wird, weshalb die Neugier einer eher unangenehmen Betroffenheit gewichen ist. Warum dauert es nur so lang? Was ist los? Sonderbar auch, dass der Rückscheinwerfer an der Fahrerseite sich ein wenig am Türrahmen verkantet hat; offensichtlich mit Absicht, wenn ich nicht irre. Doch als der Fahrer losfährt, setzt er extra noch kurz zurück, um sich von diesem Rücklichthalt zu lösen. Ich laufe raus, schaue dem Fahrzeug hinterher, das gerade durch einen Torbogen den Hof verlässt. Es gab noch nicht einmal die Gelegenheit, mich von Mike zu verabschieden. Das macht mich gerade ganz traurig. So winke ich, obwohl Mike gar nicht zu sehen, da er wohl liegend transportiert wird. Der Fahrer aber schaute aufmerksam in den Rückspiegel. bemerkte mein Winken und erwiderte es, um Mike damit anzudeuten, dass ich winke. Woraufhin er sich erhebt und mir mit großen Augen verständnislos zuwinkt. Es ist wie ein letztes Aufbäumen, ehe die Beruhigungsmittel ihn endgültig zusammensinken lassen. Ich verspüre besorgte Betroffenheit, aber gleichzeitig auch Erleichterung, weil er ja auf dem Weg ins Krankenhaus ist. Bald ist wieder alles gut.

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