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Taschenmann und Ernte im Dunkel

Traum:
Grasdorf, Hof der Großeltern. Etwa 20 Uhr. Das große Feld zur Straßenseite wird heute Abend abgeerntet. Es ist üblich, dass sich die Nachbarn untereinander bei der Ernte unterstützen. Einer der Nachbarn, ein 16jähriger mit Mofa, der seinerzeit Silvester mit mir feiern wollte, kommt des Weges. Mike und ich fragen ihn, ob er an diesem Abend Zeit hat, was er leider verneint, da er bereits eine Verabredung hat. Seine Absage macht uns nichts aus.

Es ist noch nicht mal 23 Uhr, nämlich zwanzig Minuten vor, da haben Mike und ich die Ernte erledigt. Angenehm erschöpft sitzen wir im Abenddunkel vor dem Haus, von einem Licht beschienen, das unter dem Strohdach hervorströmt. Zuerst hören wir das Knattern des Mofas, dann sehen wir unseren jungen Nachbarn auf der Straße vorbeibrummen. Mehrmals schaut er sich um, zum Feld hinüber. Ich bin mir sicher, dass er zu uns gekommen wäre, wenn es noch Arbeit gegeben hätte. Echt nett. Ja, die Ernte ging deutlich schneller als erwartet, stelle ich zufrieden fest. Mit einem Lächeln begegnen sich Mikes und mein Blick.

Am späten Abend, nach 23 Uhr, mit dem Rad auf der Grasdorfer Straße. Ich radele rasch, denn fordernde und aufregende Tätigkeiten liegen hinter mir und das ist meine Art, davon wieder runterzukommen. Bald ist das Großelternhaus erreicht, in dem eine bekannte Frau mich erwartet. Es ist gut möglich, dass auch dort noch einiges zu tun ist.


'Hand-Tasche' von Traumzeit

Ankunft. Das Großelternhaus ist etwa ein Meter achtzig tief im Erdboden eingelassen. Rund um das Gebäude ist aber ein schmaler Freiraum, so dass man das Haus trotzdem an seinen Grundmauern umrunden könnte. Ich stehe oben, mit Blick nach unten zur Eingangstür. Die Außenbeleuchtung ist eingeschaltet. Auf einem Metallgitter schlage ich die Sohlen meiner Schuhe, um den Sand aus dem Profil zu rütteln. Inzwischen hat die Hausherrin geöffnet. Ich sehe sie quasi unter meinen Füßen, teils durch das Metallgitter, unten vor der Türe stehen. Sichtlich erfreut, mit zahlreichen Worten nimmt sie mich in Empfang. Eine Männerstimme wird laut. Sie kommt aus meiner schwarzen Umhängetasche, die seitlich hinter meinen Füßen und somit mehr im Dunkel steht. Der Mann in der Umhängetasche streckt seinen Arm hervor, hält bittend seine zur Schale geformte Hand heraus. Die Haut reflektiert die Außenbeleuchtung. Seine Worte kann ich nicht verstehen, aber ich bemerke den klagenden und jämmerlichen Ton seiner Stimme. Wir sollten ihm etwas geben! Doch wirklich sicher bin ich mir da nicht… Vielleicht ist er ein Betrüger? Wie können wir mehr in Erfahrung bringen, solange er sich nicht zeigt und lieber in der Tasche verborgen bleibt? Das ist nicht einfach. Die Hausherrin und ich überlegen laut und vielfältig, was zu tun nun richtig wäre. Im Hintergrund das Bitten und Jammern des Taschenmannes.

Notiz:

'Hand mit Apfel' von Traumzeit Rein zufällig – ich suchte nach einem Blatt festem Papier – fiel mir eine Zeichenprobe in die Finger, die ich vor einigen Tagen hinkritzelte. Ich war ziemlich überrascht, wie sehr es an das Traumbild dieser Nacht erinnert. Ich trage übrigens keinen Mann in der Tasche bei mir. Gestern transporte ich darin mein T-Shirt und frisch geerntete Pfefferminze.

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