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Bitte assoziieren Sie

Traum vom 7. Oktober 2009

Ich bin in eine spirituelle Sache geraten. Ein Seminar, von einer Frau geleitet. Erste Übung: Nachspüren… sich Zeit dafür geben und dann die Assoziationen aufsteigen lassen.

Ich nehme die vermutlich von mir erwartete Haltung ein. Lotossitz, ‘OM’ im Stillen, Augen geschlossen. Blöd, so ein Seminar, bei dem man auf Kommando assoziieren soll. Das geht gar nicht! Übrigens habe ich die Stöpsel meines Mp3-Players in den Ohren und bekomme die Anordnungen der Leiterin gar nicht mit. Kann man aber von den Lippen ablesen und sich den Rest denken. Natürlich möchte ich nicht unangenehm auffallen, lasse mir also von all diesen Behinderungen nichts anmerken. Ich warte einfach ab, welche zwei Begriffe mir als nächstes in den Sinn kommen und das sind dann meine Assoziationen zum Thema (das ich nicht kenne).

Als die Leiterin zu mir schaut, teile ich ihr meine Assoziationen mit: „Wolle und Löwe.“
„Das sind aber zwei sehr unterschiedliche Dinge“ meint sie mit prüfendem Blick.
„Ja! Richtig!“ bestätige ich und denke mir im Stillen:
Echt verblüffend, wie gut sie auf mich passen. Zur Wolle hatte ich das Bild eines alten, von Hand gewickelten Wollknäuels. Ganz dunkelrote Wolle. Echte Wolle. Vielleicht reißt da öfter mal der Faden, weil die Motten davon naschten. Die Wolle passt zu mir: Kratzig, hausmütterlich, praktisch, Schaf, unattraktiv, sparsam, Beschränkung, Sicherheit, Vergangenheit, Pflicht, grau, Lichtarmut, Alltag.

Aber, Löwe passt auch: Kraft, Stolz, trommelnde Pranken auf der Brust, Löwenmähne, Selbstbewusstsein, Sonne, Stärke, Licht, Wärme, lebendig, Gebrüll.

Man sollte meinen, das geht nicht zusammen. Geht aber, fühlt sich auch für mich nicht ungewöhnlich an. Außerdem… Löwe… Wolle… Ist doch eh das Gleiche, was die Buchstaben anbelangt. Nun bin ich doch etwas gespannt, was bei der anschließenden Besprechung von den anderen Teilnehmern kommen wird.

Zweite Übung: Die Leiterin sitzt an einem kleinen Tisch, bricht Gebäckstücke auseinander und reicht diese zum Probieren an mich weiter. Ich soll den Geschmack in aller Ruhe erspüren. Es ist salziges Knabbergebäck, mit Sesam bestreut. Klar, der Geschmack ist herzhaft. Sicherlich herzhafter als das andere Teil: Laugengebäck. Auch mit Salz gebacken, mit Sesam bestreut und doch anders. Mit gedankenversunkenem Lächeln antworte ich: „Beide ähneln einander im Geschmack. Es schmeckt nach Sesam.“ Nach meinem Geschmack ist der Unterschied gar nicht so groß. Doch die Leiterin ist ganz anderer Ansicht und meint, ich solle es mir nochmals in aller Ruhe im Mund zergehen lassen, genau nachspüren. Dass sie mir nicht zustimmt, ist wie ein ganz leichter Schlag in meine Magengrube, der sich aber gut wegstecken lässt. Okay, mal sehen was noch kommt.

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