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Wunderbare Bücher und ein Unbekannter

Traum:
Früher Morgen. Ein Wohnzimmer. Halbdunkel. An Worpswede erinnernd. Mike und Moina sind schon aus dem Haus. Ein Mann steht nahe der Dachschräge, vor den Büchern, die sich auf dem Boden an der Wand entlang reihen. Es sind in erster Linie Mikes Bücher. Ein Buch nach dem anderen durchblättert er interessiert und legt einige davon beiseite, um sie später mitzunehmen.

Zwischendurch liegt er auf der Couch und liest. Ich liege bei ihm. Immer wieder ist mir so, als sei es Mike. Wenn ich ihn anschaue, dann ähneln sich die beiden Männer, aber dieser hat zumindest längere und etwas dunklere Haare. Also ist es doch nicht Mike. Dennoch ist die Nähe angenehm und ich kuschele mich, mit noch ganz schlafwarmem Körper und mit Nachtwäsche bekleidet, an ihn. Genieße die friedliche Stimmung am Morgen… die Stille…

Bald stehen wir wieder vor den Büchern, hocken davor, stöbern. Der Mann ist inzwischen bei den Büchern zu religiösen Themen angekommen. Er betrachtet einige und sagt dann: „Die nähme ich, aber nur geschenkt.“ Ich glaube, Mike will diese Bücher gar nicht verkaufen. Verschenken erst recht nicht. Doch ich sage nichts, denn der Mann hat sich noch nicht entschieden und eine Reihe von Büchern hat er noch gar nicht gesehen. Also mal abwarten. Gerade nimmt er ein Schächtelchen mit Tarotkarten. Blättert bald in Büchern, die wunderschöne, alchemistische Zeichnungen enthalten. Andere wiederum zeigen Kohlezeichnungen in Erdtönen, Gebäudeskizzen,… der Ausschnitt eines Tempels mit eingezeichneten Hilfslinien… Leonardo da Vinci… der vitruvianische Mensch… Der Anblick all dieser wunderbaren Bücher ist so beglückend. Die Tempelzeichnungen stehen jetzt frei im Raum. Wie eine mit Licht hinterlegte Projektion… Dadurch gewinnt das Bild an Tiefe und Ausstrahlung. Ich schaue und schaue… Ein großes A rechts daneben. Die Linien des Buchstaben lassen sich durch Bewegungen mit den Augen verschieben; hoch und runter, hin und her – vielleicht eine Art Mindmachine.

Wieder ruhen wir auf der Couch. Ich werfe einen Blick über die Schulter zurück, aus dem Fenster… Die Nachbarn von schräg gegenüber könnten hineinsehen. Kurz stört es mich, da ich mit einem Unbekannten auf der Couch kuschele, aber dann entspanne ich mich und genieße.

Ein Weilchen später sitze ich dort, wo seine Füße lagern. Und ohne mein Dazutun, fluppt sein großer Zeh in meinen Schoß, mitsamt dem Stoff meiner Pyjamahose. Dann wackelt er mit dem Zeh. Es ist angenehm, ich rücke mich ein wenig zurecht, um den Genuß zu steigern. Da ruft er leicht empört aus: „Hey, Du drückst mir ja den Zeh ab!“ Er sagt es so, als wolle er behaupten, dass ich mich absichtlich auf seinen Zeh gesetzt habe und für sein Eindringen verantwortlich bin. Das stimmt aber nicht! Wenngleich ich mich über diese Annäherung natürlich auch gewundert habe! Doch da es so schön war… ließ ich es wortlos zu. „Du hast ihn doch reingesteckt“, korrigiere ich. „Nein“ behauptet er.

Am nächsten Morgen. Halbdunkel. Noch ist der Mann nicht eingetroffen. Ich erwarte ihn. Weiter rechts von den Büchern, näher am Eingang, eine Küchennische. Ich stehe beim Kühlschrank. Hinten auf der Abstellfläche, wo die Lüftungsschlitze sind, steht ein bordeauxrot getöntes Colaglas. Es ist mit Wasser gefüllt. Ich stelle in diesem Moment eine mit Wasser gefüllte Colaflasche hinein, verdränge damit einen Teil des Wassers im Glas und befürchte einen Moment lang, das überlaufende Wasser können durch die Lüftungsschlitze laufen und die Funktion des Kühlschrankes beeinträchtigen. Es ist knapp, aber das Wasser läuft dann doch nicht über.

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