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Abschied im Spiegellicht

Traum vom 7. Oktober 2009

Am Vormittag ist Abfahrt. Noch vor dem offiziellen Tagesbeginn treffe ich mich mit einem alten Freund – ich nenne ihn Erich. Ein großer schlanker Mann, den ich als unattraktiv einstufe, obwohl er das – mit Abstand gesehen – gar nicht ist. Egal, ich möchte lieber nicht mit ihm gesehen werden. Sonst denken die anderen noch, wir wären ein Paar. Wir treten hinaus auf die freie Terrasse. Links von dieser die spiegelgläserne Fassade eines noblen Gebäudes. Das Sonnenlicht wird von der spiegelnden Fläche und von der Oberfläche des vor uns liegenden Meeres reflektiert und taucht die morgendliche Terrasse in ein zauberhaftes Licht. Als sich seine Hand an meine Hand herantastet, nehme ich ich sie an und wir gehen Hand in Hand weiter. Sollte uns jemand sehen… – so what.
In einer Viertelstunde ist es Zeit für den Abschied. Ich begleite ihn noch an einen Tisch in der Nähe des Eingangs. Bis das Frühstück serviert wird, bleibe ich links neben ihm stehen. Als alles auf dem Tisch steht, schneide ich fürsorglich die mit rotem Beerenmus bestrichene Vollkornbrotscheibe in neun Stücke. Mundgerecht, für ihn. Einen kurzen Moment bin ich versucht, ihn zu küssen. Aber nein… ich muss ja erst noch mein Gepäck aus dem Zimmer holen, werde danach eh hier vorbei kommen und kann ihm dann auf dem Weg noch einen Kuss geben.

Mike holt mich ab. Wir machen uns auf die Socken. Mit leichtem Druck legt er seine flache Hand in meinen Rücken und schiebt mich voran: „Nun aber los! Neun Uhr!“
Stimmt, er hat recht. Mit dem Rad bin ich etwa fünf Stunden unterwegs. Das kann ich ziemlich sicher sagen, weil ich diese Strecke häufig mit dem Rad zurückgelegt habe. Ich werde also pünktlich sein, wenn ich jetzt losfahre.

Erst eine ganze Weile später fällt mir Erich ein…. Als ich ich auf den Weg machte, kam ich zwar wieder an der Terrasse vorbei, aber ich dachte nicht daran, dass ich mich von ihm verabschieden wollte. Hatte völlig vergessen, dass Erich noch dort auf der Terrasse sitzen würde. Ich habe nicht einmal in seine Richtung gesehen. Mag sein, dass er mich sah, und sah, dass ich ohne ein Wort ging. Es tut mir so leid, ich hätte ihn gerne noch zum Abschied geküsst.

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