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Plutonium – Grüner Baum/Twoday

Traum:
Später Abend oder Nacht. Langgestreckter Loft. Standpunkt: Blickrichtung Fenster. Mit mir im Raum einige unbestimmte Personen. Eine leise Bewegung, die ich nur aus dem Augenwinkel wahrnehme, reißt mich aus einer tiefen Versunkenheit und zieht meine Aufmerksamkeit auf sich. Eine Bewegung auf der Straße spiegelt sich im Schaufenster, dort drüben auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Ich trete näher an die Fenster und schaue. Ein Pkw, ein Krankentransport vom Roten Kreuz, wendet und setzt sich langsam in Bewegung. Im Dunkel rundum die Schemen stehengebliebener Passanten. Da ist etwas geschehen! Ich trete nach links und öffne die Seitentür. Blicke hinaus auf die Straße. Überall Menschen. Ich höre leises Schluchzen. Manche liegen sich still weinend in den Armen. Ich spüre Erschütterung und tiefe Betroffenheit ringsum. Offenbar gab es viele Verletzte. Womöglich ein Anschlag? Doch zwischen den Passanten auch einige Personen, die unberührt wirken und unbewegt das Geschehen beobachten. Einer dieser Unberührten steht direkt vor mir. Ich blicke grübelnd auf seinen Rücken. Er ist von eher kleiner Gestalt. Er dreht sich um, schaut prüfend in mein Gesicht. Da ist doch etwas nicht in Ordnung? Hat er etwas mit dem Anschlag zu tun?

Tonlos und nüchtern erklärt er: „Plutonium.“

Eine Stimme weiter links berichtet: „Es hat vor allem Behinderte und Kranke getroffen.“ Ihnen wurde flüssiges Plutonium auf einem Teelöffel eingegeben. Auf diese Weise wurden sie aus dem Verkehr gezogen.

Mir wird es immer unheimlicher… Mir werden erst jetzt die Ausmaße bewusst. Als etwas bedrohlich erlebe ich, die Mittäter und Mitwisser hier unter den Passanten zu spüren. Ich trete in den Loft zurück.

Der Loft ist nun ein Fahrgastraum in einem Bus oder einer U-Bahn. Wir fahren durch die Nacht; quasi nach links. Die Stimmung unter den Fahrgästen ist von Beklemmungen geprägt. Kaum jemand spricht nach diesem einschneidenden Ereignis. Da kommt eine junge Frau von hinten, strebt zum mittleren Ausgang. Eine unscheinbare, farblose Gestalt mit hellblonden Haaren, die glatt bis zur Schulter reichen. Die Wimpern unsichtbar. Ich wünschte, sie nähme an meiner Seite Platz! Sie, Kerstin. Dann wäre ich nicht mehr so allein! Das wäre schön.

Doch da höre ich, wie sie allen Fahrgästen etwas erzählt: „Ich war gerade im Kino. Der Film war so schrecklich, so ungeheuerlich, so unheimlich. Ich will lieber aussteigen und schnell nach Hause gehen.“ Sie hat keine Lust auf weitere gruselige Erfahrungen.

Kurz verspüre ich den Impuls, sie mit beruhigenden Worten zurückzuhalten, damit sie sich doch noch zu mir setzt und mir Gesellschaft leistet. Doch sie wirkt tatsächlich außerordentlich ängstlich, so dass ich sie mit leichtem Bedauern ziehen lasse. Ich will sie ja auch nicht unnötig quälen. Und wer weiß, welche Erfahrungen wir auf dieser Reise noch machen werden?

Nach kurzem Halt geht die Fahrt weiter. Kurz vor der Sigmund-Freud-Haltestelle kommt ein Mann von hinten den Mittelgang entlang, und strebt dem vorderen Ausstieg zu. Auf dem Weg dorthin höre ich ihn lauthals feststellen: „Mich kennt hier wohl niemand, was?!“ Dazu macht er ausschweifende Armbewegungen. Er ist schlank und gesund, trägt eine hellblaue Stoffhose mit Schlag, dazu Mokassin aus hellem Leder. Seine blonden Haare sind in gelegten Wellen an den Kopf gedrückt. Dazu trägt er eine Pilotensonnenbrille, deren Tönung zum unteren Brillenrand heller wird. Seine Lippen erinnern an Elvis Presley. Sein Auftritt ist eindeutig. Er sucht Kontakte, doch da ihn niemand anspricht, steigt er halt aus, um woanders sein Glück zu versuchen.

Hey, den kenne ich aber doch…! Von plötzlicher und spritziger Lebendigkeit erfüllt, springe ich auf, reiße den Arm hoch und rufe ihm hinterher: „Doch, ich kenne Sie! Sie sind Stephan Schneider!“

Oje, was werden die Mitreisenden denken? Dass ich alle möglichen Männerbekanntschaften habe? Das wäre mir unangenehm. Besser ist, ich erkläre schnell die Sachlage: „Sie betreiben das Blog „Grüner Baum“ bei Twoday, gell! Gestern suchte ich im Internet nach Bloggern aus Frankfurt und entdeckte dabei Ihre Seite und den Beitrag mit der Aktion, sie doch anzusprechen, wenn man Ihnen begegnet und Sie erkennt!“ Man soll ihn tatsächlich mit Namen und Blognamen ansprechen, um den Gewinn einheimsen zu können. Der Gewinn ist: diesen Mann kennenlernen zu dürfen. Ein bissel verrückt isser schon, könnte man sagen.

Als er mich hört, hält er inne und dreht sich dann mit einem volltönenden „Ahaaaaaaaa!“ zu mir um. Schaut kurz und sitzt – schwups – rechts neben mir auf dem Sitz. Zwischen meinen Füßen steht ein schwarzer Umhängebeutel. Eine Pizza in Klarsichtfolie ragt oben heraus. Mit einem Blick auf eben diese, mir nun peinlich erscheinende Pizza sagt er: „Da will ich uns mal eine richtige Pizza bereiten!“

Wie peinlich, dass er diese Fertigpizza gesehen hat und auch noch so freundlich ist, daraus die Schlussfolgerung auf eines meiner Lieblingsessen zu ziehen, so dass er sogar noch für mich kochen will. Er will mich gerne verwöhnen. So gute Gefühle… Mit diesem Typ wird es bestimmt ein interessanter Abend werden. Angenehm, ihn an meiner Seite zu spüren. Wir werden reden können! Wie schön – ich freue mich so auf ihn.

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