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Alte Tennisspielerinnen und Kakaosäckchen

Traum:
Der helle Gang führt in die Umkleideräume am Tennisplatz. Einige Frauen nehmen ihre Sachen. Ein etwas elitäres Grüppchen. Einige kommen mir bekannt vor, sind aber deutlich gealtert. So kann ich keine Namen zuordnen. Eine dunkelhaarige Frau fällt mir besonders ins Auge. Sie ist sicherlich siebzig, wirkt aber deutlich jünger und ist attraktiv gestylt. Sie scheint recht beliebt bei den anderen Tennisspielerinnen. Und genau das wundert mich! Denn ihre Gesichtszüge haben etwas Bäuerliches, etwas derb Ostpreußisches. Ich würde denken, dass sie eben wegen dieser Äußerlichkeiten abgelehnt würde. Aber nein! Als sie nun geht, kommt sie mir direkt entgegen und ich kann ihre Gesichtszüge genau erkennen. Viele Falten, schwarzbraune Augen, die sie gerade schließt, um mit Daumen und Zeigefinger die Lidränder entlangzureiben. Sie wirkt etwas müde. Vielleicht hat sie das Spiel geschafft. Bei längerer Betrachtung ähneln die Frauen gewisserweise. Auch ihre Gesichtszüge sind nicht fein und adelig, was sie trotzdem nicht daran hindert, sich zutiefst zugehörig zu fühlen. Faszinierend.

Sommer. Kurz vor der Morgendämmerung. Ein Gebäude aus Mauerwerk, zwei Scheunen aus dunklem Holz stehen auf dem weitläufigen Hof. In den Scheunen die Übernachtungsgäste. Ich habe kaum schlafen können. Die Unruhe hier, und nun der Drang, zur Toilette zu müssen. Als ich von der Toilette zurückkehre, beschließe ich, mich nicht wieder in der Scheune schlafen zu legen, sondern ein Stück weiterzugehen.

Es ist hell, als ich in meinem Bett aufwache. Die Pflichten rufen mich aus den Federn. Kaum aufgestanden, liegt bereits ein fremdes Ehepaar in meinem Bett. Sie wollen an meiner Stelle weiterschlafen. Es ist ja auch eine gute Gelegenheit. Die Vorhänge sind noch geschlossen und lassen ein mildes warmes Licht durch das tiefe Rot der schweren Stoffe fallen. Ich gehe zum Fenster, frage währenddessen das Ehepaar, ob ich das Fenster schließen soll. Der Lärm der Stadt in der Ferne und drei laut zwitschernde Vögel direkt über dem Fenster könnten den Schlaf stören. „Soll ich?“ Und gebe mir gleich die Antwort: „Na klar, so ist das ja viel zu laut hier.“ Die Vögel sind aber auch wirklich lautstark.

Die Tennisspielerinnen haben nun auch den Schulkorridor erreicht und streben einem weit hinten gelegenem Raum zu, der für Sitzungen genutzt wird. Eigentlich hatte ich auch teilnehmen wollen. Bis jetzt war ich davon ausgegangen, bei dem bevorstehenden Zusammentreffen würde es um die Arbeit und Projekte im Kindergarten gehen. Als nun aber ausschließlich Tennisspielerinnen in den Raum streben, wird mir klar, dass das kaum so sein wird. Es werden sicherlich andere Themen besprochen werden. Dann spar ich mir das.

Der Korridor liegt herrlich ruhig, als ich auf dem Weg zum Portal bin. Wenige Schritte vor den Glastüren eine Holzpalette mit einem Angebot. Zwei vergnügte Arbeiter richten es gerade her. Was ist das? Anfangs halte ich es für unappetitlich riesige Schokoladentafeln; etwa in der Größe eines Schwimmbretts. Doch beim Vorübergehen lasse ich die Fingerspitzen darüber gleiten und erkenne es ganz klar: Es sind flache Stoffsäcke mit edlem Kakaopulver gefüllt. Allein die Aufmachung der Säckchen, der schokobraune Kaffeedruck auf dem hellbraunen Naturstoff… Darunter der spürbar hochwertige, frische Kakao… Das alles verspricht einen sinnlichen Genuss. Die Arbeiter lachen zu mir her, ich lache zurück. Wir denken sicher alle das Gleiche: Was sollen wir mit soviel Kakaopulver? Es sind bestimmt drei bis fünf Kilo. Aber es hat schon eine tolle Wirkung.

Entgegen meinem ursprünglichen Vorhaben, verlasse ich das Gebäude nicht, sondern gehe weiter in den Bereich der Grundschule. Dort in eine kleine Personalküche. Deutlich spüre ich noch die Müdigkeit nach zu wenig Schlaf. Dies bringt mit sich, dass ich mich unter einiger Anstrengung konzentrieren muss, um überhaupt sehen zu können. Moina ist hier, holt einige ihrer kürzlich gemalten Werke aus der Mappe. Vinci kommt hinzu und Moina läuft sofort mit den Bildern zu ihm hin. Einige Blätter halte ich in den Händen. Sie sind alle in ähnlichem Stil gemalt. Moina hatte nämlich gewollt, dass Mike oder ich, von ihr vorgegebene Namen zwischen von ihr gemalten Linien schreiben; in bunten Buchstaben. Vinci kommentiert dazu, dass die Namen ja herrlich auskostend geschrieben worden seien. Ja, so ist es, wir waren mit Freude dabei. Mich etwas umnebelt fühlend, gehe ich mit einem orangeroten Plastikbecher zum Spülbecken und drehe den Wasserhahn auf. Rundum Moinas Bilder. Vinci kommt hinzu. Ach, ich stehe wohl im Weg? Das hätte ich mir ja schon vorher denken können. Doch Vinci meint, das sei keineswegs so! Heute sei ja kein Kindergartenbetrieb. Mit einem unsicheren Auflachen sage ich: „Ah, heute bleibt die Küche kalt!“ Dann kann ich mir ja in Ruhe Wasser nehmen!

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