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Grenzüberschreitung

Traum:
Zu Fuß gehe ich die Straße entlang und telefoniere mit Valerian. Nach diesem ersten Gespräch meldet er sich gleich darauf noch einmal und sagt sehr leise, er möchte mir etwas sagen. „Ich mag Dich wirklich sehr.“ Es ist so gedämpft, dass ich mir nicht sicher bin, seine Worte richtig verstanden zu haben. Da ich nichts sage, meint er: „… nicht so schön, Dir das am Telefon zu sagen…“ Seine Stimme kommt nur wie ein Hauch an. Die Geräusche der Straße verwirren. Da ich Zweifel habe, richtig gehört zu haben, will ich noch nicht darauf antworten, sondern muss mich erst einmal vergewissern. „Sprich mal lauter, ich habe Dich nicht verstehen können“ antworte ich. Ich vermute, er antwortet darauf, doch es ist so leise, dass ich mich getäuscht haben kann. Angestrengt horche ich, merke aber bald, dass niemand mehr am anderen Ende der Leitung ist. Nach einem Zögern lege ich voller Bedauern auf. Was habe ich bloß falsch gemacht? War es nicht in Ordnung, noch einmal nachzufragen?

Als ich im Hafenbereich ankomme, ist dieser schon voller Menschen. Überwiegend Zuschauer des Hafenkonzertes, das hier jeden Sonntag stattfindet. Drei Sängerinnen in türkisblauen Miniröcken und passenden Kostümjäckchen – alle sind auffallend groß und tragen einen pfiffigen blonden Kurzhaarschnitt – haben sich zwischen den Passagieren verteilt, die gerade jetzt an Bord eines größeren Schiffes gehen, um auf eine lange Reise zu gehen. Die Sängerinnen singen ein Lied. Sie sind gut zu hören; am Revers ihrer Jäckchen ist ein kleines Mikrofon befestigt. Es ist ganz schön. Ich wundere mich, dass es keine Rückkopplung gibt, wo doch das Mikro die Geräusche der Umgebung ebenfalls verstärkt wiedergeben müsste. Oder? Jedenfalls ist es eine gute Stimmung hier. Ich sollte den Sonntagmorgen viel öfter nutzen, um hierher zu kommen! Warum nur kam ich nicht schon viel früher auf die Idee?

Mit Moina an der Hand, machen Mike und ich uns auf den Weg. Nach wenigen Schritten hält ein schickes schwarzes Cabrio neben uns. Der attraktive Fahrer fragt, ob wir mitfahren wollen. Na klar! Wir nehmen auf der Rückbank Platz. Vor uns auf den Vordersitzen die beiden hübschen und sehr vergnügten Töchter des Fahrers. Während wir anfahren, springt der jugendliche Herbert N. zu uns auf die Rückbank. Nach wenigen Metern – wir lassen das Hafenbecken hinter uns – nimmt Herbert seine Kamera, um Aufnahmen zu machen. Das veranlasst mich, einen Blick zurück zu werfen. Oh wow… hey, welch ein Anblick…! Das habe ich ja noch gar nicht entdeckt! Da stehen einige ausrangierte alte Loks nebeneinander. Beeindruckend! Vor allem die intensiven Farben! Hätte ich doch auch an meine Kamera gedacht! Ich sollte auf jeden Fall noch mal hierher zurückkehren, wenn sich Gelegenheit findet. Herbert bietet mir an, eine Aufnahme für mich zu machen. Oh ja, sehr gerne – danke! Dennoch möchte ich zurückkehren, um mich noch einmal in aller Ruhe an der Schönheit dieser Loks zu erfreuen. Sie bieten eine unbeschreibliche Augenfreude.

Inzwischen fahren wir einige Zeit, haben uns spürbar vom Hafen entfernt. Hm, die Rückfahrt dürften nun einige Zeit in Anspruch nehmen. Heute ist auch unser Abreisetag; wir machen hier ja Urlaub. Der Fahrer wirkt nicht so, als wolle er bald umkehren und so frage ich besorgt, kurz bevor wir in einen kleinen Tunnel einfahren: „Wie weit fahren wir noch? Wann geht es zurück? – Fahren Sie überhaupt zurück??“
„Nein nein“ antwortet er ganz selbstverständlich „eine Fahrt zurück wurde nicht vereinbart.“
„Oh!“ Wir müssen jetzt zurück. „Würden Sie uns hier bitte aussteigen lassen?“ Das ist sicherlich das Klügste, wenigstens an diesem Punkt zu schauen, auf welche Weise wir zurückkommen. Notfalls eben zu Fuß. Was die inzwischen zurückgelegte Entfernung anbelangt, ist das von hier wohl gerade noch machbar.

Wir halten. Ich murmele etwas unsicher, da ich nicht weiß, was abgemacht ist, dass Mike die Fahrt bezahlen wird. Der Fahrer steigt aus, ich schwinge mich über die geschlossene Beifahrertür und sitze gerade rittlings drauf, als der kritische Blick des Fahrers mich trifft, dem es gar nicht passt, dass ich nicht so lange gewartet habe, bis er mir die Tür öffnet. Ah, verstehe… – der Lack! Schnell betaste ich die Schrittnaht meiner Jeans… Nee, da sind keine Nieten oder anderweitige scharfkantige Verzierungen. Ich bin sicher, dass der Lack nicht den kleinsten Kratzer abbekommen hat. Nun warte ich aber trotzdem, bis mir der Fahrer die Tür öffnet und lasse mich dann hinausgleiten.

Das Cabrio setzt seine Fahrt fort und wir stehen neben einer kleinen Eisbude. Moina möchte gerne ein Eis, ich stelle mich vor den sehr hohen Tresen und bestelle zwei Softeis. Rechts von mir steht ein älteres Touristen-Ehepaar. Die Frau belächelt mich, schaut missbilligend und flüstert ihrem Mann zu – gerade so laut, dass ich es noch hören muss: „Und der Italiener soll nun wegen ihr Deutsch verstehen…“
Oh! Das ist mir unangenehm… Ich hatte auch gar nicht bemerkt, dass wir inzwischen die italienische Grenze überschritten haben und somit Italiener in der Eisbude zu erwarten sind. Zudem hatte ich mich sicherlich unbewusst an dem Aushang orientiert, wo die Eissorten alle in deutscher Sprache aufgeführt sind. Meine Gedanken werden durch die Worte des Eismannes unterbrochen, der mich in fast akzentfreiem Deutsch darauf hinweist, dass der Lieferant heute kein Softeis gebracht habe. Währenddessen stellt er zwei Becher mit je zwei Kugeln Eis für das älteres Touristen-Ehepaar auf den Tresen. Eiskugeln wären noch zu haben. Ich bedanke mich für seine Auskunft, mache mich mit Moina auf den Weg, hole ein sonderbares rundes Sandwich aus der Tasche und beiße hinein. Es ist eher fade und ich weiß gar nicht, warum ich das habe und jetzt esse. Herbert und Mike sind ja schon weitergegangen. Nur ein Stückchen weiter eine nächste Eisbude. Vielleicht bekomme ich dort ein Softeis für Moina.

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