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Schleudertraum(a)

Traum vom 17. Oktober 2009

Die Räume liegen still. Halbdunkel. Vermutlich ist niemand im Haus. So rufe ich, quasi in alle Räume hinein: „Wer will [...]“ Eine Alliteration die zudem noch die Worte ‘wohnen’ und ‘Weinbrand’ enthält. Vielleicht ist ja jemand bereit, mich bei der bevorstehenden Arbeit zu unterstützen.

Nicht lang, da geht rechts eine Tür auf; jene zum Schlafzimmer. Durch den entstandenen Spalt sehe ich den Hausherrn, der bis eben tief schlafend am Boden lag und sich nun ankleidet. Ich schaue aus Höflichkeit rasch beiseite, um ihn in seiner Nacktheit nicht zu stören; gehe ein wenig beiseite, aus dem Blickfeld. Er sagt engagiert: „Ich komme!“
Seine freundliche Bereitwilligkeit und die Tatsache, dass er er prompt hellwach ist und sich auf der Stelle beweglich zeigt, erleichtern mich, denn ich hatte problematischere Bedingungen erwartet.

Mit den nächsten Schritten in den Wohnraum. Auch hier liegt alles im Halbdunkel eines anbrechenden Tages. Offenbar führen vom Flur aus zwei Türen, durch eine in den Raum ragende Mauer getrennt, in diesen Raum, denn der Hausherr tritt parallel ein. Ohne zu überlegen, trete ich an die dort stehende Spülmaschine und öffne die Lade. Oups! Erst jetzt bemerke ich den Schleudergang! Da habe ich die Maschine mitten im Programmablauf geöffnet. Welch Glück, dass nicht alles entgegen geflogen kam! Die innere Rückwand ist nach vorne gesunken, bedeckt so den Geschirrkorb während des Spülens. Deutlich sehe ich das Kreuz auf der Rückwand. Sieht ja alles okay aus – sichere Zeichen, dass alles bestens funktioniert.

Die Spülmaschine wackelt und tanzt, möchte wohl durch den Raum schleudern. Der Hausherr sagt mit amüsiertem Lächeln: „Sie müssen sie festhalten!“
Ja okay, das war mir nicht sofort bewusst. Allerdings ist es leichter gesagt als getan, so kraftvoll schleudert die Maschine. Meine rechte Hand, die Halt gebend auf der Maschinenoberseite liegt, weist am Fingeransatz einen kleinen Speiserest auf, wie von einer Nudel. Das stört mich, am liebsten schüttelte ich es ab, aber das geht nicht, weil die forsch voran wackelnde Maschine fest zu halten ist.

Die Tochter des Hauses kommt zur Tür herein. Zuletzt sah ich sie als Teenager. Sie ist zur Frau gereift. Eine sehr aparte Erscheinung. Der Schwung ihrer Taille und Hüfte wird vom hellgrauen, anschmiegsamen Strickstoff nachgeformt. Sehr hübsch. Auch wirkt an ihr das Grau nicht langweilig, sondern edel und elegant, was an ihrer naturgebräunten Haut liegen mag. Ich lege vorsichtig meine Hand auf ihren Oberarm, sage lächelnd und anerkennend: „Eine junge Frau…“
„Ja…“ antwortet sie – erfreut und freundlich, aber doch etwas distanziert.

Die Hausherrin kommt hinzu, empfängt mich freundlich an einem langen Tisch im Essbereich. Dort sitzen die Familienmitglieder und meine Geschwister. Ich beginne, das Eis zu servieren, das im Übergang zum Dunkel des Raumes in kühlender Bain Marie darauf wartet. Köstlich cremiges, softiges Vanilleeis.

Traumpfade:
Beim Aufwachen war mir „klar“, dass die innere Rückwand mit dem Kreuz meinen Rücken darstellen soll. Hatte gestern im Buch ‘Die Banalität der Kraft’ ein Kapitel angelesen, dass „Schleudertrauma“ zum Thema hat.

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