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Neun Monate

Traum vom 18. Oktober 2009

Abendliche Stille im Krankenhaus. Ich bin gerade erst angekommen, werde für längere Zeit hier sein müssen. Eine bedrückende Tatsache. Aus den Räumen und Gängen wird eine Frage an mich gerichtet, oder vielmehr die Bitte, etwas zu erklären. Nämlich worin der Unterschied zwischen dem Schwangerschaftsbeginn und der Geburt liegt.

„Die neun Monate vor sich liegen zu haben, erscheint einem als lange Zeit. Rückblickend dauert diese Zeit aber kaum mehr …“ ich lasse die Finger einmal schnalzen „als ein Augenblick.“
Meine Stimme tönt frei aus voller Brust; kraftvoll und raumfüllend. Ich bin mir sicher, eine gute Antwort gegeben zu haben, da diese aus eigenen Erfahrungen schöpft. Doch statt einer anerkennende Reaktion kommt nur lastende Stille… Funkstille geradezu. Das verunsichert mich. War ich vielleicht doch zu vorwitzig?

Ich trete aus dem Krankenzimmer hinaus in den Gang. Nur ein wenig Licht aus dem Zimmer fällt in den ansonsten dunklen Flur. Direkt neben der Zimmertür steht ein Krankenbett. Darin liegt eine Frau, die ihr Neugeborenes in den Armen hält. Oh, wie wunderbar… neun Monate, ein Baby! Mit einem Male halte ich ein Memorykärtchen in den Händen. Mit der Rückseite nach oben. Die dort schräg verlaufenden Schriftzüge in Türkis werden von einer blitzartigen Kurve überzeichnet – wie ein Diagramm mit blitzgelben Zacken. Mir bleibt kaum Zeit zur Betrachtung, denn wie von unsichtbarer Kraft wird das Kärtchen rundum aufgeknabbert und löst sich in wenigen Sekunden auf. Und wieder fällt mir ein, dass mir ein sehr langer Krankenhausaufenthalt bevorsteht. Schlimm, bedrückend, traurig.

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