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Apfelkrotzen und Sofortentwicklung

Traum vom Freitag, 23. Oktober 2009

Wir sind im Begriff in den Bus einzusteigen. Zuvor lassen wir aber noch einige Fahrgäste aussteigen; es sind alles dunkelhäutige, tschechisch sprechende Männer. Dann steige ich ein, gehe durch den Engpass nach rechts in Richtung Großraumabteil. Auch hier im Durchgang kommen mir noch viele dieser Schwarzen entgegen. Toll, ich freue mich schon jetzt darauf, die Fahrzeit gemeinsam mit diesen sicherlich interessanten Menschen zu verbringen. Bemerkenswert, dass wirklich alle tschechisch sprechen.

Am Ende, also als ich meinen Platz im Bus gefunden habe, ist nicht mehr ein einziger der Dunkelhäutigen im Bus! Echt schade. Die Fahrt beginnt. Rechts neben mir, auf dem Fensterplatz, sitzt Moina. Wir beide essen je einen rotbackigen Apfel aus unserem Garten. Die Äpfel sind saftig und knackig. Moina schlürft und schmatzt genussvoll. Wir sitzen ganz vorn im Bus, entgegen der Fahrtrichtung. Im hinteren Busbereich, hinter dem Mitteleinstieg, sitzen eine Handvoll Fahrgäste. Darunter auch die Griechin. Sie schaut verbiestert zu uns herüber, wohl weil wir es wagen, die roten Äpfel zu verzehren. Ihr strafend auf uns liegender Blick belastet mich und ich wende mich deshalb ganz gezielt dem achtsamen Genuss zu,.

Am Ende zwei Apfelkrotzen. Wohin damit? Suchend schaue ich umher, entdecke dass der Fahrersitz leer ist. So laut als möglich denke ich, um alle auf diesen Umstand aufmerksam zu machen, in den Fahrgastraum: ‘Der Bus ist führerlos?!’
Eine Stimme aus dem Bus hinten macht mich gleichmütig auf etwas aufmerksam: „Die Fahrerin sitzt doch hinter dir.“
Ich drehe mich, zum ersten Mal während dieser Fahrt, um und schaue hinter meinen Rücken. Tatsächlich! Die Busfahrerin sitzt bereits die ganze Zeit genau hinter meinem Rücken. Ist ja irgendwie auch logisch. Wie kam ich nur darauf, sie auf dem linken Sitzplatz zu erwarten? Vielleicht weil ich entgegen der Fahrtrichtung sitze. Jedenfalls trennt uns nur eine rauchgrau getönte Plexiglasscheibe.

Bald darauf fahren wir in eine kleinere Stadt ein. Die Busfahrerin gibt uns freundlich einen Tipp: „Dort rechts den Weg hinauf, dort können sie die Apfelkrotzen loswerden und ihr Kind impfen lassen. Ich werde jetzt halten und eine kurze Pause einlegen.“ Dann fährt sie in eine Parkbucht am Rande eines breiten Flusses. Ah okay, das ist ja echt super!

Mit Moina an der Hand laufen Mike und ich los, suchen den Ort wo die Impfungen stattfinden. Schließlich gelangen wir in einen kleinen Innenhof, in dem ein paar Schultische aufgebaut sind. An einem dieser Tische kann man Kinderpassfotos machen lassen; diese brauchen wir, da die Reise nur mit vollständigen Pässen fortgesetzt werden kann. Ein Fotograf und ein Entwickler erklären einer jungen Familie das weitere Vorgehen und informieren: „Sofortentwicklung kostet 70 Cent extra.

Aha, so denke ich, der Zeitdruck der Reisenden wird gleich geschäftstüchtig ausgenutzt. Doch den Eltern vor mir ist das zu viel Geld und sie lehnen das Angebot ab. Dann reisen sie eben ohne Kinderpassfoto weiter. Ich bin allerdings bereit, für eine Sofortentwicklung etwas mehr zu zahlen.. Nachdem die Aufnahme gemacht wurde, informiert mich der Entwickler: „Sofortentwicklung kostet 2,75 € extra.“
Na, der hat wohl gemerkt, dass ich zahlungswillig bin, nutzt das gleich aus, um einen noch höheren Aufschlag einzufordern. Aber okay.

Während wir auf die Entwicklung warten, werden wir und zwei Tschechen aufgefordert, auf den erfolgreichen Vorgang mit einem Klaren anzustoßen. Das gehört zur Zeremonie. Aus einem Plastikbeutelchen nehmen wir unseren bereits zuvor genutzten Schnapsstamper. Diese sind zur unteren Hälfte mit einem roten, gelben oder weißen tschechischen Gehäkel ummantelt. Anhand der Farben kann man sein Glas besser wiedererkennen. Zumindest sollte es so sein. Der Mann rechts von mir, der sich das Glas mit weißer Häkelhülle nimmt, hat Zweifel, dass es wirklich sein Glas ist. Er hebt das Glas vor die Augen, betrachtet mit etwas Ekel die Fingerabdrücke auf dem Glas, nimmt – nachdem ihm mehrfach versichert wurde, dass es wirklich sein Glas ist – schließlich voller Verachtung einen Schluck und wirft das Glas zurück in den Beutel. Die beiden anderen Tschechen machen sich keinerlei Gedanken.

Wir sollten jetzt die Impfung machen lassen. Um den Impftisch stehen viele Menschen herum – wir sind noch nicht an der Reihe. Wie lange wir warten müssen, ist auch nicht zu erkennen. Nun wird die Zeit langsam knapp. Ich gehe hinüber in das Gebäude.

Stiege um Stiege steige ich den alten Turm empor. Alle Etagen liegen im Dunkel. Von den Treppen fällt etwas Tageslicht auf die stützenden Holzträger, die sehr stark an die Viehdiele aus Kindertagen erinnern. Im Dunkel, durch die Ritzen das Tageslicht; so dunkel also nicht. Dann schließlich treffe ich auf eine Architekturstudentin. Sie läuft in einer der oberen Etagen hin und her, präpariert die Säulen vor den Eingängen ins Dunkel. Tonpapier, von ihr handbeschrieben, hängt dort. Sie sieht alles unter einem künstlerischen Gesichtspunkt, ist völlig begeistert von dem, was sie hier sieht. „Es ist so schön anzusehen!!“ ruft sie begeistert, mit ausgebreiteten Armen, aus, während ich mich eher suchend umschaue. Alles so vergangen… Kein Plan, was ich hier sollte, wollte oder könnte. Vielleicht kein Platz für mich. Außerdem… Wo ist eigentlich Mike?

Ich stürme die Treppen hinab, und nach draußen. Mit Moina an der Hand kehre ich in den Innenhof zurück. Mike? Vielleicht nutzte er den unbeobachteten Moment, um sich zu einem Nickerchen zurückzuziehen? Sähe ihm ähnlich. Mich ärgert, dass er nichts davon gesagt hat. Nun kann ich ihn suchen. Blöd, wo doch die Zeit so knapp ist, Moina noch geimpft werden muss. Ich fühle mich unter Druck, getrieben… es läuft nicht gut, womöglich verpassen wir noch den Bus.

Ich entdecke Moina schließlich mit ihren Großeltern in einem Drogeriemarkt. Moina sitzt vor einem Regal, auf dem Schoß einen großen weiß satinierten Tiegel in Herzform. Sie hat reichlich von der darin enthaltenen Creme genommen. Sie duftet gut, fühlt sich gut an. Viel Creme haftet auch außen am Tiegel. Oje, musste das sein? Das ist doch viel zu viel Creme für ein fünfjähriges Kind. Ich setze mich zu ihr, mit lang ausgestreckten Beinen und verteile die verkleckerte Creme auf meine Füße. So! „ Wir müssen weiter! Komm!!“

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