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Waisenknabe und Spieluhr

Traum:
Zusammenkunft mit einigen Bekannten in häuslicher Umgebung. Unerwartet für mich: Klausbernd ist auch dabei. Er wirkt entspannt und offen, so wie er da auf dem Stuhl sitzt. Er strahlt so viel Wärme aus, dass es mich direkt in seine Arme zieht. So setze ich mich nah zu ihm und schmiege mich in seinen Arm, den er daraufhin ganz selbstverständlich um mich legt. Eine sehr angenehme Situation. Ich spüre keinerlei Erwartungen. So fühle ich mich leicht und unbeschwert, gleichzeitig angenehm geerdet. Zeit der Welt.

Einige Zeit später. Inzwischen habe ich einige Pflichten erfüllt und treffe – einen Raum weiter als eingangs – erneut auf Klausbernd, der hier mit seiner Freundin sitzt. (Sie hat honigblondes, leicht gewelltes Haar, ist etwa vierzig Jahre alt und mittelgroß.) Er hat einen Arm um sie gelegt. Ganz selbstverständlich will ich mich wieder zu ihm setzen. Kurze Bedenken, ein Zögern wegen der Freundin – ob sie womöglich etwas dagegen hat? Ach, ich schlage die Bedenken in den Wind und setze mich wieder zu ihm in den Arm. Da betritt mein Ex den Raum. Erfreut stehe ich auf und begrüße ihn. Nach ein paar freundschaftlichen Worten geht er los um sich einen Platz zu suchen. Fast hätte ich ihn so gehen lassen, doch da fällt mir etwas ein… Schnell lege ich eine Hand auf sein Schulterblatt, damit er noch einmal zurückschaut. Gleichzeitig wende ich mich Klausbernd zu und sage: „Darf ich vorstellen, das ist mein Ex.“

Im ersten Moment komme ich mir ganz blöd dabei vor. Wie komme ich dazu, die beiden miteinander bekannt zu machen? Will ich damit die Aufmerksamkeit auf mich ziehen? Doch Klausbernd reagiert ganz unerwartet hocherfreut und sagt sichtlich angenehm überrascht: „Das ist ja mal eine freundliche Vorstellung eines Exmannes.“
Freundlich? War ich freundlich? Hätte ich geahnt, dass ich damit Eindruck schinden kann, wäre ich noch viel freundlicher gewesen! Vielleicht. Jedoch bekomme ich schon bei der Vorstellung ein ganz unangenehmes Gefühl, ein schlechtes Gewissen.

Mit einem Male tritt ein schmaler Junge mit fransigen dunklen Haaren – Mogli-Typ – durch die Hintertür ein und bleibt dort stehen. Ein Kind ohne Eltern, ganz allein auf der Welt. Ich verspüre das Bedürfnis, mich um ihn zu kümmern und gehe auf ihn zu. Auf diesem Weg wird mir klar, dass er heute Geburtstag hat und so beginne ich ein Lied zu singen. Klausbernd, der mir auf dem Fuße folgt, singt gleich mit. Er kennt den Text dieses ungewöhnlichen Geburtstagsliedes vollständig und sicher. Im Gegensatz zu mir; ich kenne wieder einmal nur die erste Strophe. So ist es wunderbar, dank Klausbernd immer eine Vorgabe zu haben, der ich folgen kann. Ansonsten hätte ich nicht weitersingen können. Da wird eine Stimme in mir laut und meint: ‚Es ist sehr verachtenswert, sich einfach an das Wissen eines anderen dranzuhängen.’

Zu meiner Verteidigung erkläre ich: „Ich wollte doch dem Jungen eine Freude machen. Nichts weiter!“ Mir selbst erscheinen meine Worte als klägliche Entschuldigung, als armselige Rechtfertigung – also wohl doch eine Ausrede? Aber ich hatte nichts zu meinem Vorteil eingeplant. Wie auch, der Junge kam ja selbst für mich überraschend.

Das Lied ist zu Ende und der Junge von der Bildfläche verschwunden.

Stattdessen steht dort auf einem Tisch eine dreiteilige Spieluhr. Sie hat ein Gehäuse wie aus Elfenbein. Das mittlere Teil zeigt eine Uhr. Auf allen drei Teilen ist je eine Figur abgebildet, die symbolisch für bestimmte Lebewesen steht. Im Innern eines jeden Teils befindet sich eine Spieluhr; eine jede hat ihre eigene Melodie. Ich frage die Person an meiner linken Seite – Klausbernd? – an welches der drei Teile ich klopfen soll. Das Anklopfen bewirkt nämlich, dass das der Figur entsprechende Lebewesen herbeigerufen wird. Ich bekomme keine Antwort und klopfe ziellos… Nichts tut sich, niemand erscheint. Naja.

Ich beginne mit der Badezimmerreinigung. Nein, ich komme eigentlich gar nicht wirklich dazu, denn im Bad treffe ich auf eine mir übergeordnete Frau – streng, sehr überlegt wirkt sie. Sie sagt, ich solle doch erst einmal das Treppenhaus (Ex-Wohnung) reinigen.
Ah so… ja dann… will ich mich mal wieder anziehen. Natürlich hatte ich mich bereits vollständig entkleidet, wie es für eine Badezimmerreinigung üblich ist.

Während ich mir die Jeans über den nackten Po streife, gehe ich an Klausbernd vorbei. Ich lächele ihn mutig an, stelle gleichzeitig fest, dass ich bereits mit BH bekleidet bin, und dass mir meine Hose total weit geworden ist. Den überschüssigen Stoff lege ich vor meinem Bauch in eine große Falte, damit mir nicht alles runterrutscht. Also denn, ran ans Treppenhaus.

Im nächsten Zimmer angekommen. Zu meinen Füßen ein schmaler Schacht, der viele Meter in die Tiefe führt. Dort unten liegt ein kleines weißes Schiff im Hafenbecken. Es passt gerade so zwischen die beiden Kaimauern, die bis zu mir nach oben reichen. Eigentlich müsste ich jetzt in das Schiff/Boot springen. Doch das erfordert Mut und Besinnung. Zudem sehe ich, dass unten im Boot ein paar lose Teile schwimmen. Ein paar Menschen im Boot, die es beiseite räumen. Aber oje, das Wasser läuft aus dem Boot, es ist fast nichts mehr drin. Jemand muss den Stöpsel gezogen haben! Das bedeutet erhöhte Verletzungsgefahr. Zögern… die Menschen dort unten sorgen dafür, dass sich das Boot wieder mit Wasser füllt.

Endlich wage ich den Sprung!

Und lande bald im Boot. Genauer gesagt in einer weißen Zinkwanne, die auf kleinen, Löwentatzen nachempfundenen Füßchen steht. Sie ist reichlich mit Wasser gefüllt – prima! Meine Landung bringt die Wanne aus dem Gleichgewicht. Sie bäumt sich auf, so dass ich in der Wanne liegend fast zum Stehen komme. Oje! Das Wasser verschüttet sich in breitem Schwall! Oh helft, Leute! Viele Hände greifen zu, und ich versuche, das Gleichgewicht zurückzuerlangen. Konzentration. Balance… Ich bringe die Wanne ins Lot – ja, es gelingt!!

Notizen:
Suchte Dr. Schein nicht kürzlich seine Spieluhr? Ah ja, hier!
Vielleicht ist sie hier dabei. Ansonsten: Bandstreifen zum Selbermelodieen

Schreckliche Topdog-Stimme (Verachtung) in diesem Traum. Folgt man ihr, kann niemals Wissen entstehen.

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2 Antworten zu Waisenknabe und Spieluhr

  1. Was für ein toller Traum…! Langsam beneide ich Sie um diese Lebenswelten!

    Der Spieluhrlink ist auch traumhaft!. Vielen Dank dafür, die gesuchte Melodie war zwar nicht dabei, aber das Überangebot an Melodien und den verschiedenen Spieluhrtechniken weiß zu entschädigen. Ich habe mich bereits entschieden und lege ihnen Parlez-moi D’amour in den Kommentarkorb, eigenhändig gekurbelt auf einem Spielwerk mit 18 Tonzungen :-)

  2. REPLY:
    Wie gut, dass isch kein Französisch spresche, sonst wäre isch jetzt vollkommen verwirrt. *wimpernklimpern*

    Eigenhändig gekurbelt… – danke, damit haben Sie mir wirklich eine große Freude gemacht. :-)