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Unverantwortlich!

Traum:
Eine Feier oder einfach ein gemeinsames Essen. An dem sehr langen Tisch sitzen Verwandte und Bekannte – auch einige aus früheren Zeiten. Ich sitze außen links. Ein Mann, der bis zu diesem Augenblick in der Mitte einer Längsseite saß, setzt sich rechts neben mir und sagt voller Liebe: „Ich werde nun bei Dir bleiben und mich um Dich kümmern.“ Seine Fürsorge und Aufmerksamkeit tun mir gut, bringen Entspannung; auf der anderen Seite aber: „Was ist mit Moina?“ Die hat ja den Platz ihm gegenüber. Nun ist sie dort allein.

Schnell laufe ich zu Moina, setze mich auf den Platz des Mannes, frage, was sie essen möchte, streiche das gewünschte Butterbrot, reiche es ihr rüber, stehe dann auf, um an meinen äußeren Platz zurückzugehen. Ich spüre die verurteilenden Blicke der Leute, der Ex-Verwandten und Ex-Bekannten am Tisch und auch derjenigen, die hinter mir in geselliger Runde stehen. Alte Wut kommt hoch und ich sage mit gepresster Stimme zu einer beliebigen Person: „Ich weiß, was Du denkst!“ Und weiter mit einem alle umfassenden Blick: „Ja, was hier wohl alle denken!! Dass ich mich nicht genügend um meine Tochter kümmere!“

Entrüstung wird laut, ob meiner Dreistigkeit, ihnen diese Gedanken – die ja wohl mehr als angebracht sind! – auch noch vorzuwerfen. Welch eine Frechheit von mir!

Hinter meinem Rücken steht der ‚friedvolle Krieger’ – Hausmann; verlassener Ehemann mit zwei Kindern, die er nur am Wochenende sieht. Um noch zu untermauern, dass ich zu Recht verurteilt werde, erzählt er zornig dröhnend von seiner jüngsten Erfahrung: „Meine Ex hat mich anrufen wollen, weil ich etwas von ihr wissen wollte. Sie hat es bis heute nicht getan!!!“ Dem Unterton ist zu entnehmen, was er damit sagen will: „Die kümmert sich einen Scheißdreck um ihre Pflichten!“ Genauso wie ich.

Ich kann meinen Unmut über so viel selbstgerechte Behäbigkeit kaum mehr unterdrücken und brülle: „Wenn Du etwas von ihr willst, dann ruf DU sie an!“

Na, da habe ich was gesagt. Stimmen brüllen aufgeregt durcheinander, Beschimpfungen prasseln auf mich hernieder – nun habe ich in ihren Augen sogar noch bewiesen, wie verantwortungslos und gleichgültig ich bin. Große Klappe dazu.

Dann sitze ich wieder auf dem Platz außen links. Neben dem wohlwollenden Mann, der sich um mich sorgt. Aber ich bin voller Unruhe und in Sorge wegen Moina, die nun ganz ohne Aufsicht und allein gelassen dort am Tisch sitzt. Der Mann neben mir sagt, es sei alles okay, ich solle doch sitzen bleiben und zur Ruhe kommen und mich entspannen. Aber ich kann nicht, zu groß ist meine Sorge um mein Kind; ich bringe es nicht übers Herz, sie noch länger allein sitzen zu lassen und laufe los.

Austin Mini rotWinkelige Straßen in einer grau anmutenden Altstadt, spät am Abend. Moina fährt in einem rot-weißen Austin Mini; vielleicht fährt sie auch einem solchen Fahrzeug hinterher. Oje oje, mein kleines Kind lenkt ganz allein ein Auto – wie furchtbar gefährlich! Ich laufe ihr nach, um sie vor einem Unfall zu bewahren. Sie übergibt sich heftig, mehrmals, der Wagen schlingert, wendet ohne ihr aktives Dazutun und fährt die Straße zurück. Moina übergibt sich weitere Male, fährt so blindlings die Straßen weiter. Ich laufe schnell, um mit dem Wagen mitzuhalten. Ich denke noch, so schnell wie ein Auto kann kein Mensch laufen, aber sonderbarerweise kann ich bis jetzt noch mithalten. Ihr darf nichts passieren!

Bildquelle: www.sxc.huAndy Barras

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