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Reisenotizen – von allen guten Geistern verlassen

Traum:
Fahrt in einem Reisebus. Ich bin in meinen Notizen versunken. Schreibe mit flinker Feder zwei aktuelle Erlebnisberichte; schließlich möchte ich keine Details vergessen. Als erstes war da diese Begegnung mit der schönen Frau in dem roten Samtkleid – eine berührende Begegnung. Später dann diese Sache mit dem vorzeitigen Mailversenden, dem dreistöckigen Schiffsdeck und der Wendeltreppe. Schnell noch eine kleine Skizze malen, dann fällt mir später allein bei deren Anblick das ganze Erlebnis wieder ein. Also, drei waagerechte Striche für die Schiffsdecks, mitten eine senkrechte Linie für den mittleren Stützpfeiler der Wendeltreppe; und nicht zu vergessen ein kleiner Bogen für die Absperrkordel. Unten noch ein Glöckchen dran. Okay. Da unterbricht mich Mike und sagt, es sei Zeit zum Aussteigen – wir sind angekommen. Jajaja, nur noch schnell die letzten Zeilen schreiben! Dann hält der Bus, Mike und Moina steigen aus und ich sitze noch inmitten meinem verstreuten Schreibzeug, den Jacken und wasweißich. Hektisch werfe ich die Dinge in die Tasche, springe schnell in den Ausstiegsbereich an die Lichtschranke, damit die Türen nicht schließen, ehe ich ausgestiegen bin. Die Koffer dann runter zum Bahnsteig, schnell die Jacken von den Sitzen gerafft und oben drauf gelegt. So ein Stress! Es ist noch nicht alles ausgeladen. Auf dem Sitz ein Zwirnstern mit Nadel. Ich greife danach. Die Frau schräg hinter mir schlägt mir auf die Finger, ehe ich es fasse. Sie hält mein Ansinnen wohl für übertrieben und nicht angebracht. Okay. Im nächsten Moment sitzt die Busfahrerin auf dem Platz. Eine junge Frau mit kurzen hellblonden Haaren, in dunkelblauer Uniform. Sie will noch schnell die Reisekosten mit mir abrechnen. Schnappt sich im Handumdrehen meine EC-Karte und sagt ganz leicht: „Da ist ja reichlich drauf.“
„Ja hey – nee nee!!” Lachend erkläre ich: “Monatlich kommen 150 Euro auf mein Konto. Mehr nicht. Davon tätige ich die Einkäufe und bezahle die Telefonrechnung – oft noch mehr. Soo reichlich ist es nicht! Ich möchte nicht, dass der Betrag von meiner Karte abgebucht wird!“
Sie mustert mich kurz und tippt: „Ihre Tochter müsste auch acht Jahre alt sein; so wie meine Tochter.“
Hm, dass Moina für älter gehalten wird, das geschieht häufiger, aber für acht Jahre… – das ist wirklich sonderbar. Egal, ich muss aus diesem Bus raus! Wo sind überhaupt Mike und Moina? Ich sehe sie gar nicht auf dem Bahnsteig; Mike kommt mir auch gar nicht zur Hilfe, obwohl unser Gepäck so lose auf dem Bahnsteig liegt.

Nach dem Aussteigen sehe ich voller Betroffenheit, dass Mike und Moina längst fort sind. Weit und breit keine Spur von ihnen. Sie sind tatsächlich ohne mich gegangen. Tiefe Verlassenheitsgefühle ergreifen mich – ein mir fast fremdes Gefühl. Ich bereue, dass ich mich wieder nicht von meinem Schreibzeug lösen konnte. Warum musste ich auch unbedingt alles zu Ende schreiben? Schlimmes Gefühl.

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