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48 Crash

Passende Musik zur Untermalung am Ende des Beitrages.

Traum:
Ein weitläufiger Raum. Mitten drin ein Tresen, der vom Tageslicht, das durch die fernen Landhausfenster eindringt, nur schwach beleuchtet wird. Die quadratische Tresenanlage ist aus dunklem gediegenen Holz gefertigt. Mitten drin steht der Besitzer dieses Tabak- und Zigarettenkiosks: ein Mann kroatischer Herkunft, mittleren Alters, von schlanker Statur, mit schwarz-stumpfen Haaren. Er wirkt vertraut, vielleicht kennen wir uns daher, weil ich ab und an etwas bei ihm kaufe.

Auf der Tresenecke steht ein mit Streichholzschachteln gefülltes Pappschächtelchen. Fast alle Streichholzschachteln haben das gleiche Motiv auf der Vorderseite: die scherenschnittartige Gestalt eines Arbeiters, der einen Vorschlaghammer in der Hand hält und mit weit ausholenden Schritten von links ins Bild kommt. Er strebt der Arbeit entgegen – stählern und fleißig. Daneben ein paar Zahnräder. „Kraft durch Freude“ kommt mir in den Sinn. Die Schachtel gefällt mir. Als ich sie zum Bezahlen neben die Kasse lege, fallen einige verkokelte Zündholzreste heraus. Der Kioskbesitzer spricht sofort davon, dass dies mehr Aufwand mit sich brächte, wodurch sich ein höherer Preis ergäbe.
„Aber ja!“, sage ich entgegenkommend und lege umgehend 52 Cent auf den Tresen, was deutlich mehr ist, als die üblichen 12 bis 15 Cent für eine solche Streichholzschachtel. Auch der Kiosk-Besitzer würde nicht gleich 52 Cent fordern. Doch es war ja alles meine Schuld und so will ich diese großzügig begleichen. Gleichzeitig fege ich die schwarzen Brösel mit der Handkante vom Tresen in meine Hand, entsorge alles und verabschiede mich mit einem herzlichen Gruß und freundlichem Lächeln. Alles oki!

Auf dem Weg vom Tresen zur Tür – der Weg ist ja recht weit – spüre ich jedoch, dass ich gar nicht so unbeschwert und frohgemut bin. Nein, die Sache hat mich irgendwie gekränkt. Und ja, ich bin beleidigt, weil der Kioskbesitzer das Geld widerspruchslos angenommen hat. So lasse ich ihn kurz wissen: „Kann sein, dass ich nicht wiederkomme.“

Ja wirklich, das alles ist doch wirklich kleinlich. Es ist sicher so, dass ich nicht wiederkommen werde, überlege ich, und trete durch die Tür hinaus. Gut, da das endgültig ist, strecke ich den Kopf noch einmal in den Raum zurück und rufe ihm zu: „Wahrscheinlich komme ich nicht wieder. Ja, ich werde nicht wiederkommen, das ist sicher!“
Gut, damit ist er informiert. Seine Reaktion bekomme ich nicht mehr mit, ich nehme nur ein Bewegung von ihm wahr, die vermuten lässt, dass er mich zurückhalten wollte. Aber es ist jetzt eh zu spät dafür.

[…] Blick auf meine Füße. Ich trage Ballerinas aus einem bleich-schwarzen Material. Im Schatten einer Nische sitzt eine Frau auf einer Bank, die vor der Wand steht. Wortlos wartend und unbeteiligt schaut sie mir zu, wie ich die Ballerinas abschüttele und stattdessen Pumps aus schwarzem Wildleder überziehe. Sie haben eine zurückhaltende Plateausohle.
Hah!
Ich blicke die Frau fragend an: „Erinnern Sie sich an Suzi Quatro?“ Und röhre aus voller Brust los: “48 Crash 48 Crash comes like a lightning flash“. Dabei hebe ich einen Fuß hoch und sehe in meiner Vorstellung eine Stiefelette mit extrem hoher Plateausohle. Cool! Die Frau auf der Bank reagiert nicht. Na gut, mit meiner verspielten, übermütigen Art dringe ich wahrscheinlich gar nicht zu ihrer Ernsthaftigkeit durch.. Nee, begeistert wirkt sie ganz und gar nicht.

Ich wende mich ab und bin mit wenigen Schritten bei meinem Fahrrad, das vor einer Reihe von Fenstern abgestellt ist. Na, diese Schuhe sind ja wohl fürs Radfahren geeignet, oder.

Der Raum mündet nach links in einen halbdunklen Flur. Dort erreicht mich ein Anruf des Kioskinhabers, der sich mit mir verabreden möchte. Ich spüre Unentschlossenheit. Mir ist nicht ganz wohl damit, weil ich mich heimlich mit ihm treffen würde. Das ist etwas, was nicht so ganz okay ist. Ehe wir die Sache mit der Verabredung klären können, versiegt die Verbindung, endet schließlich.

Nach wenigen weiteren Schritten tritt der Flur nach links in ein kleines Nebenzimmer ein. Auf der Fläche meiner linken Hand liegt ein roter Luftballon. Er ist rund, aber nicht prall aufgeblasen. Seine Öffnung liegt offen und daraus vernehme ich erneut die Stimme des Kioskinhabers, die mit der Luft nach außen tritt. Während der Ballon an Luft verliert, verliert auch die Verbindung an Stärke. Sie war eh nicht gut, ich konnte ihn kaum verstehen. Aber das bisschen geht jetzt auch noch flöten, als die Luft raus geht.

Nun liegen drei fragmentarische rote Luftballons – diese sind aus dem einen entstanden – auf meiner Hand und ich puste, ohne die Ballons zu berühren, neue Luft in die Mundstücke. Einer der Ballons füllt sich einigermaßen. Er füllt sich soweit mit Luft, dass die Stimme des Mannes wieder hörbar wird. Allerdings viel zu leise, viel zu fern, als dass ich etwas verstehen könnte. Da sacken die Ballons schon wieder in sich zusammen und versagen endgültig ihren Dienst. Ich verspüre eine gewisse Resignation und Traurigkeit nach all dem Bemühen. Mir fehlt die Kraft nochmals und noch mehr Energie da hinein zu geben.

In der Küche der Älteren. Ich stehe vor der offenen Besteckschublade. Der Besteckkasten ist randvoll mit Schokopuddingcreme gefüllt. Oje, allerdings sind einige Krümel quietschgrünen Ostergrases darauf gerieselt. Vorsichtig nehme ich diese mit dem Finger runter. Dabei darum bemüht, den Pudding nicht zu verunreinigen.

Notiz:
Der Besteckkasten erinnert mich spontan an das Schopenhauersche Florettkästchen. Um genau zu sein: B&M nannte es – En garde! – das ‘Schopenhauersche Florettköfferchen’, aber ich kann mir das alles ja gar nicht merken.

Gestern Abend vor dem Einschlafen dachte ich noch darüber nach, wie schön man sich mit diesen Kunstgriffen auch selbst – beschwichtigende Selbstgespräche! – reinlegen kann, ohne es jedes Mal zu merken.

{Fortsetzung der Assoziationen folgt…]

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